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Film

Elser – Er hätte die Welt verändert

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Mittwoch, den 08. April 2015 um 10:23 Uhr
Elser – Er hätte die Welt verändert 4.8 out of 5 based on 301 votes.
Elser Film Trailer

Die Bombe, die am Abend des 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller explodierte, sollte Adolf Hitler töten und mit ihm die gesamte Führungsriege der Nazis.
In dem packenden Spielfilm „Elser – Er hätte die Welt verändert” erzählt Regisseur Oliver Hirschbiegel von Mördern, Mitläufern und einem gescheiterten Widerstandskämpfer. Der glücklose Held verfügt über Weitblick und Mut, der anderen Deutschen völlig fehlt. Auf Befehl des Führers wird er am 9. April 1945 im KZ Dachau durch einen Genickschuss hingerichtet- 20 Tage vor der Befreiung des Lagers durch die US Armee.

6. November 1939, Georg Elser (Christian Friedel), ein Schreiner aus dem schwäbischen Königsbronn, kauert auf dem Boden, mit blutigen aufgeschürften Händen schiebt er vorsichtig den Sprengstoff in die ausgehöhlte Säule hinter dem Rednerpult des Bürgerbräukellers. Durch einen raffinierten Zeitzünder mit zwei von einander unabhängigen Uhrwerken macht er die Bombe scharf. Lange hat Elser sein Attentat minutiös vorbereitet. Jedes Jahr am 8. November hält der Diktator hier seine Rede zum Gedenken des Putschversuches von 1923. Doch an diesem Tag verlässt Hitler den Saal 13 Minuten früher als geplant. Sein Flugzeug kann wegen Nebels nicht starten und er muss deshalb den Zug noch erreichen. Auf die Sekunde genau um 21.20 Uhr kommt es zur Explosion. Die Folgen sind verheerend, acht Tote und viele Verletzte. Eine halbe Stunde vor der Detonation wird Elser in Konstanz an der Grenze zur Schweiz festgenommen. In seinem Gepäck befinden sich verdächtige Gegenstände, er wird der Gestapo übergeben.

Warum nur trug er belastendes Material wie die Skizzen vom Zeitzünder bei sich? Vielleicht um im Ausland beweisen zu können, dass er ein Gegner des Nazi-Regimes war. Die Gestapo verhaftet sofort in Königsbronn seine Familie und die ehemalige Geliebte Elsa (Katharina Schüttler), überstellt sie alle zur Vernehmung nach Berlin. 13 Minuten früher und die Weltgeschichte hätten einen anderen Verlauf genommen „13 Minutes”, der Titel des Films für den internationalen Markt, klingt zu sehr nach Thriller, das weckt falsche Erwartungen. „Elser – Er hätte die Welt verändert” ist ein ungewöhnlicher Mix aus Heimatfilm, Zeitporträt, Lovestory, Politthriller und KZ-Drama. Das Drehbuch schrieb Fred Breinersdorfer („Sophie Scholl – Die letzten Tage”) zusammen mit seiner Tochter Léonie-Claire („Der Chinese”). Die Dialoge basieren zum Teil auf den Original-Verhörprotokollen. Das eindringliche differenzierte Porträt eines vergessenen Helden ist genau das Gegenteil von Oliver Hirschbiegels Mega-Hit „Der Untergang” (2004) über die Geschehnisse im Führer-Bunker während der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs. Jenes mit einem Oscar nominierte Tyrannen-Epos wurde von der deutschen Presse vielfach scharf kritisiert, in den USA dagegen gepriesen. Mit „Elser” tun sich jetzt manche der amerikanischen Filmkritiker schwer, behaupten gar, der Film sei trivial, die Vermutung liegt nahe, dass sie nur negativ auf den Umgang mit dem Sujet reagieren und dabei vergessen: Ein Widerstandskämpfer ist kein Terrorist.

Georg Elser verbirgt mit Mühe seine Erschütterung, als er hört, dass sein Attentat fehlgeschlagen ist, unschuldige Menschen sterben mussten. Die intensivsten Szenen sind die Verhöre durch den Chef der Kriminalpolizei Arthur Nebe (Burghart Klaußner) und den Leiter der Gestapo Heinrich Müller (Johann von Bülow). Die Vernehmungen haben auf den ersten Blick wenig Klaustrophobisches, meist keine dunklen bedrohlichen Gewölbe, hier wird gequält, gefoltert bei Tageslicht mit beängstigender Selbstverständlichkeit und fast heiterer Skrupellosigkeit. Ein metallenes Bettgestell, glühendes Handwerkzeug. Alles handlich, praktisch, effizient, schnell aufgebaut, dazu noch eine Emailleschüssel für Blut und Erbrochenes. Schonungslos zeigt Hirschbiegel den Sadismus des Systems, will daran erinnern, so oder ähnlich werden genau in diesem Moment unzählige Menschen in anderen Ländern der Welt gefoltert. Der Zuschauer kann sich nicht entziehen, Wegsehen ist keine Option, denn das ist das Thema des Films: die Gleichgültigkeit einer Gesellschaft damals wie heute. Man begreift aber auch die Angst derer, denen der Mut damals zur Rebellion fehlte. Wenn es heißt Verhör mit verschärften Mitteln, verzieht sich die Protokollführerin auf den Flur, wartet draußen mit steinerner Miene bis die gellenden Schreie verstummen. Später wird sie dem Häftling ein Foto seiner Freundin Elsa zustecken, dass er von nun an wie einen Schatz hütet.

Am Anfang schweigt der Häftling noch beharrlich, kontert höchstens den Hitlergruß mit „Mahlzeit”, dann führen seine Peiniger Elsa in den Verhörraum. „Jetzt erklären Sie ihrem Mädchen, warum sie das getan haben.” Eine Aufforderung in boshaft jovialem Ton. „Wo kommt sie hin,” fragt Elser, und wie zu erwarten, antwortet Nebe: „Das hängt ganz von Ihnen ab”. Erst die Konfrontation mit seiner großen Liebe und die Androhung von Sippenhaft, bringen ihn zum Reden. Grandios Christian Friedel in der Rolle des erfolglosen Widerstandskämpfers, er spricht ruhig, wohl überlegt, etwas hölzern, ein stiller, kluger, zurückhaltender und geschickter Taktiker, den alle unterschätzen. Er würde nie um Gnade betteln, erklärt geduldig die Motive für das Attentat, gibt zu Protokoll, dass er zwar KPD gewählt habe, aber nie Mitglied der Kommunistischen Partei war. Er ist zu der Erkenntnis gelangt, dass Hitler schlecht für Deutschland sei. Wirtschaftlich gehe es den Menschen unter den Nationalsozialisten miserabel, die Arbeiter verdienen immer weniger, er rechnet auf Heller und Pfennig vor, dass mit solchen Löhnen man kaum überleben kann. Elser sah, dass überall aufgerüstet wurde, wusste, der Krieg würde sie alle vernichten. Durch seine Tat wollte er größeres Blutvergießen verhindern. Den Anschlag habe er ganz allein geplant und durchgeführt, betont er immer wieder, doch das glaubt ihm keiner.

Die kammerspielartigen Verhörszenen sind statisch, ohne Schwenks oder Kamerafahrten, in diesem Raum gibt es kein Entrinnen. Sie werden von Rückblenden in  die Vergangenheit unterbrochen: Georg Elser in der dörflichen Gemeinschaft mit Freunden am See, heiter, unbeschwert. Eine lichtdurchflutete Idylle in warmen Farben. Als der Protagonist jung war, mag er mit den Kommunisten sympathisiert haben, sein Gerechtigkeitsbewusstsein ist stark ausgeprägt, ansonsten scheint er eher unpolitisch, spielt lieber Akkordeon oder tanzt Tango. Elser ist gläubiger Protestant, kommt aus einfachen Verhältnissen, wird Kunstschreiner, ein begabter Tüftler. Die Frauen fliegen ihm zu, nach festen Bindungen steht ihm nicht der Sinn. Er liebt seine Freiheit, entflieht früh der Enge des Heimatdorfes, geht in die Schweiz, arbeitet dort zuletzt bei einem Uhrmacher. Doch dann schreibt ihm die Mutter, sie braucht ihn, der Vater, ein Säufer hat die Firma ruiniert, auch die Felder müssen verkauft werden. Aus Pflichtbewusstsein kehrt Elser in die Heimat zurück, versucht zu helfen, malocht in den Hüttenwerken als Schweißer. Er verliebt sich in die verheiratete Elsa. Deren Ehemann trinkt, ist gewalttätig.

Das Dorf verändert sich, Hakenkreuze überall, nicht nur als Fahnen. Juden werden ausgegrenzt, Kommunisten kommen ins Lager. Die Atmosphäre ist vergiftet von nationalsozialistischen Hetzparolen und verlogenen Versprechungen. Harmlose Burschen verwandeln sich in der braunen Uniform zu kaltblütigen Schlägern. Der einst gesellige Elser hält sich jetzt abseits, beobachtet nur. Mitten auf dem Marktplatz wird die Rathausangestellte Lore zur Schau gestellt mit geschorenen Haaren, einem Pappschild um dem Hals: „Ich bin am Ort das größte Schwein und lass mich nur mit Juden ein”. Der Film macht Schluss mit dem Mythos, keiner habe etwas gewusst. Am Ortseingang weist ein Schild darauf hin: „Juden unerwünscht!” „Irgendjemand muss den Wahnsinn doch aufhalten“, sagt Elser. „Ja, irgendjemand, aber das müssen Andere machen, das Ausland, Generäle“, entgegnet sein Freund, der ihn früher einmal feige nannte, weil er sich nicht prügeln wollte. Hier wird der Protagonist zum einsamen Helden, er weiß, man kann nicht warten bis es zu spät ist. Ein volles Jahr plant und experimentiert er, fährt am 8. November 1938 nach München, um den Ort für seinen potenziellen Anschlag auszuspähen, notiert sich die Maße der Räumlichkeiten. Aus den Hüttenwerken lässt er nach und nach 250 Pressplättchen Sprengstoffpulver mitgehen. Die nötigen Dynamitstangen entwendet er nachts aus dem Steinbruch.

Weder Nebe noch Müller glauben ihm, dass nur er für das Attentat verantwortlich ist. Elser wird weiter aufs Grausamste gefoltert, damit er endlich seine Hintermänner preisgibt. Anhand detaillierter Zeichnungen und dem nachgebauten Modell der Bombe demonstriert er die Funktionsweise des von ihm konstruierten Zündmechanismus. Obwohl es keinerlei Hinweise auf Mittäter gibt, will Hitler nicht akzeptieren, dass Elser allein gehandelt hat. Auf seine Anordnung wird der Häftling unter Drogen gesetzt und hypnotisiert, um so an die Namen der Drahtzieher heranzukommen. Nebe beeindruckt die Standhaftigkeit Elsers, er versucht Müller zu überzeugen: „Du kannst nicht mehr aus ihm herausbringen als die Wahrheit.” Der Chef der Gestapo widerspricht: „Wir legen die Wahrheit fest”. Unwillkürlich fühlt sich der Zuschauer an Guantanamo und Abu-Ghuraib erinnert. Hitler vertrat in der Öffentlichkeit die Auffassung, der britische Geheimdienst stecke als Auftraggeber und Financier hinter dem Anschlag. Dass es einem einfachen Handwerker fast gelungen war, ihn auszuschalten, konnte der Diktator nicht akzeptieren. Mit zynischem Stolz erklärt Elser seinen Peinigern „Sie werden lachen. Es hätte auch keiner mitgemacht.” Bis zu seinem Tod ist der Widerstandskämpfer im Konzentrationslager, die meiste Zeit in Isolationshaft. Dort erfährt Elser vom Tod Nebes, der als Mitwisser der Verschwörung vom 20. Juli 1944 wegen Hochverrats in Plötzensee hingerichtet wird. Die Aufsicht hat der Leiter der Gestapo, Heinrich Müller.

Der parteilose Pazifist, er hätte eigentlich genau wie Stauffenberg und die Geschwister Scholl eine Kultfigur im Nachkriegsdeutschland werden müssen. Doch genau das Gegenteil geschah. Warum? Oliver Hirschbiegel vermutet „peinliche Betroffenheit”. Elser hat keinen akademischen Background, ist nicht Mitglied einer politischen Partei, ein einfacher Handwerker. Seine Zivilcourage, sein Mut beweist, der Tyrann hätte gestürzt werden können. Elser verfolgte im Gegensatz zu den Attentätern vom 20. Juli keine eigenen Interessen. So ist er der personifizierte Vorwurf all denen gegenüber, die behaupteten, sie hätten nichts von den Gräueltaten Hitlers gewusst. Und wenn, dann hätte man sich der Übermacht beugen müssen. Es ist mehr als „peinliche Betroffenheit”, es ist eine Frage des Gewissens, der Mitschuld. Jeder Einzelne kann aufstehen, nein sagen. Es ist eine Frage des Mutes. Wer ihn nicht hat, sollte zumindest ehrlich sein. Stattdessen wurden Georg Elser und seine Familie verunglimpft, diffamiert, verleumdet. Schon kurz nach der Tat vermuteten manche einen fingierten Anschlag, um die Popularität Hitlers zu steigern. Die Tatsache, dass es nie zu einem Prozess kam, verstärkte die Gerüchte. Die Verschwörungstheorien hielten sich auch noch nach dem Kriege. Der evangelische Theologe Martin Niemöller, führender Vertreter der bekennenden Kirche, war selbst ihm KZ gewesen. Er behauptete, Elser sei SS-Unterscharführer und hätte das Attentat vorgetäuscht. Unvorstellbar, wie schmerzhaft solche Anschuldigungen für die Familie des Betroffenen waren. Haftentschädigung gab es für Elsers Schwester, Marie Hirth, nie. 1958 entdeckte der Historiker und Politologe Lothar Gruchmann das Vernehmungsprotokoll des Widerstandskämpfers, 1970 wurde es erstmals veröffentlicht und 2009, um weitere Dokumente ergänzt.


Originaltitel: Elser
Regie: Oliver Hirschbiegel
Darsteller: Christian Friedel, Katharina Schüttler, Burghart Klaußner, Johann von Bülow, Felix Eitner
Produktionsland: Deutschland, 2015
Länge: 114 Minuten
Verleih: NFP marketing & distribution
Kinostart: 9. April 2015

Fotos & Trailer: Copyright NFP marketing & distribution

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