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Bildende Kunst

Markus Lüpertz: Bilder, Skulpturen, Texte – 1964 bis 2014

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Geschrieben von Christel Busch  -  Freitag, den 31. Januar 2014 um 11:29 Uhr
Markus Lüpertz: Bilder, Skulpturen, Texte – 1964 bis 2014 4.5 out of 5 based on 215 votes.
Markus Lüpertz: Bilder, Skulpturen, Texte – 1964 bis 2014

Einige Kritiker verspotten Markus Lüpertz als Malerfürst, als selbsternanntes Genie, Dandy mit dem Silberknauf am Gehstock, als egomanen Selbstdarsteller. Für andere ist er ein Ausnahmetalent.
Seine Werke genießen jedoch nationale und internationale Anerkennung. Er gehört zu den erfolgreichsten, aber auch umstrittenen Vertretern der deutschen zeitgenössischen Malerei. Zahlreiche Bronzeskulpturen sind im öffentlichen Raum präsent, seine Werke in renommierten Sammlungen und Museen des In- und Auslandes vertreten. Für profane und sakrale Bauten entwirft er Glasfenster, darunter die Fenster im Macchabäer Chor der Kirche St. Andreas in Köln.
Mit der Ausstellung "Markus Lüpertz - Bilder, Skulpturen, Texte – 1964 bis 2014" ehrt die Ernst Barlach Museumsgesellschaft in Wedel den vielseitigen, heute 73-jährigen Künstler mit einer Retrospektive.

Auf drei Etagen präsentiert das Haus großformatige Stillleben, Landschaftsbilder, Portraits und abstrakte Kompositionen sowie Skulpturen. Dazwischen hängen an den Wänden Auszüge aus seinen Reden zur Kunst und lyrische Dichtung.

Nach dem Kunststudium in Krefeld und Düsseldorf zieht Lüpertz Anfang der 60er-Jahre nach Berlin. Er widersetzt sich der in Berlin favorisierten Gegenstandlosigkeit, malt gegen den Zeitgeist figurativ. In expressiven Farben separiert er Fischgräten, Baumstämme, Stahlhelme, Schneckenhäuser und setzt sie monumental in Szene. Er selbst nennt das „dithyrambische Malweise". Eine eigene Wortschöpfung in Anlehnung an Friedrich Nietzsches Gedichtzyklus „Dionysos-Dithyramben". Lüpertz überträgt die Attribute Dionysos, des griechischen Gottes des Weines, des Rausches und der Ekstase, im übertragenen Sinn in seine Kunst und Malerei.
In seinem „Dithyrambischen Manifest" von 1968 heißt es „Die Anmut des 20. Jahrhunderts wird durch die von mir erfundene Dithyrambe sichtbar gemacht. Der Farbe keine Chance einräumen zu vertuschen, sich in den Vordergrund zu schieben oder Sand in die Augen zu streuen. Nichts darf vertuscht werden, alles soll sichtbar bleiben, die Ehrlichkeit ist gefordert. Die schöne Farbe ist gefährlich, da sie hilft."

Bereits seit den 1960er-Jahren widmet sich der Künstler dem Thema Landschaft. In ganz eigenem Malstil interpretiert er die Natur. In der Stille der schneebedeckten Landschaft liegt in „Charon III" ein Kahn am Ufer, im Hintergrund stehen Fachwerkhäuser im Birkenwald. Andere Landschaftsbilder sind geprägt durch eine reduzierte Farb- und Formensprache. Felder, Bäche, Wälder mit kahlen Bäumen und gefällten Baumstämmen kontrastieren mit farbigen Gittern.

Ab Mitte der 70er-Jahre erfolgt die Phase der „Stilmalerei", die sich an der abstrakten Malerei der 1950er-Jahre orientiert „Triumph der Linie" oder „IV Komposition (Surreal)". In diesen Kompositionen schweben amorphe Gebilde und voluminöse, abstrakte Formen auf der Bildoberfläche.

Parallel zu den Malereien entstehen Skulpturen. Lüpertz’ Faible für Helden der griechischen Mythologie ist bekannt: Atlas, Hermes, Merkur, Prometheus, Odysseus. Hier ist es Herkules, Sohn des Zeus und der sterblichen Alkmene. Nach seinem Tod wird er unsterblich und in die Götterwelt des Olymps aufgenommen. Gibt es möglicherweise eine Parallele – arbeitet der Künstler etwa an seiner eigenen Unsterblichkeit? „Ein Künstler existiert, um etwas für die Ewigkeit zu schaffen. Wenn man als Künstler daran zweifelt, diesen Beitrag liefern zu können, dann darf und sollte man nicht als Künstler arbeiten", erklärt Lüpertz 2009 im Gespräch mit Olaf Zimmermann, dem Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats.

Neben „3 Grazien" präsentiert die Ausstellung über zehn bemalte Kleinbronzen des Herkules. Die kopflastigen Plastiken, die unverkennbar die Gesichtszüge des Künstlers tragen, sind bunt bemalt, mit blauen Haaren und Bart, roten Lippen und schrägen Augen. Diese kleinformatigen, archaisch anmutenden Figuren sind Entwurfsmodelle einer Bronzestatue, die seit 2010 auf dem 80 Meter hohen Turm der ehemaligen Gelsenkirchener Zeche Nordstern thront „mit den Füßen auf der Historie, mit dem Gesicht in die Zukunft blickend". Der 18 Meter hohe, zwei Millionen Euro teure und 23 Tonnen schwere, einarmige Herkules mit dem Lüpertz’schen Gesicht, blauen Haaren und rotem Mund kratzt fast an den Wolken. Der Koloss ist unübersehbar; er soll zum Wahrzeichen der Stadt Gelsenkirchen und für das Ruhrgebiet werden. Seine enorme Höhe schützt ihn zudem vor Vandalismus. Ist doch in Salzburg Lüpertz’ „Hommage an Mozart", eine drei Meter hohe Figur mit einem Stummelarm, kleinen Brüsten, breitem Hintern, stämmigen Oberschenkeln und Beinen, auf dem Ursulinenplatz beschmiert und gefedert worden.

In Anlehnung an das mittelalterliche Parzival-Epos von Wolfram von Eschenbach und Richard Wagners letzter Oper „Parzival" zeigt die Ausstellung seine bekannte Bildserie „Männer ohne Frauen – Parsifal" aus den 90er-Jahren. Mit kräftigen Pinselstrichen abstrahiert der Maler männliche Köpfe mit langem Hals, die in Form und Mimik variieren. Vereinzelt verschwinden die Gesichter hinter Flächen und Farben oder Kreuzschraffuren.

Er komme von unten und wolle nach oben und das mit aller ihm zur Verfügung stehenden Energie, hat Lüpertz einmal gesagt. Er hat es geschafft. In Deutschland gehört er zu den wichtigsten Künstlern der zeitgenössischen Moderne, zu den Großverdienern. „Ein Künstler, der viel Geld für seine Bilder bekommt, muss nicht unbedingt schlecht sein", meint Lüpertz leicht ironisch. Es ist nicht zu leugnen, dass sein exzentrischer Lebensstil, die inszenierten öffentlichen Auftritte zu seiner Popularität beigetragen haben. Mit seiner medialen Präsenz in Presse und Fernsehen bastelt er zudem geschickt an seinem Image, um als Genie und Malerfürst in den Olymp aufzusteigen.


Die Retrospektive "Markus Lüpertz – Bilder, Skulpturen, Texte – 1964 bis 2014" läuft bis zum 27. April 2014 im Ernst Barlach Museum Wedel, Mühlenstraße 1, in 22880 Wedel.
Die Ausstellung ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
www.ernst-barlach.de


Abbildungsnachweis:
Header: Blick in die Ausstellung. Foto: Christel Busch
Galerie:
01. Plakat zur Ausstellung
02. Markus Lüpertz: „Charon III“, Mischtechnik auf Holz, 2010. © Markus Lüpertz und Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
03. Blick in die Ausstellung. Foto: Christel Busch
04. Markus Lüpertz; „Zelt 46 – dithyrambisch“, Leimfarbe auf Nessel, 1965. © Markus Lüpertz und Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
05. Markus Lüpertz; „Mantel - dithyrambisch III“, Leimfarbe auf Leinwand, 1972. © Markus Lüpertz und Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
06. Markus Lüpertz; „Schnecke“, Leimfarbe auf Leinwand, 1973. © Markus Lüpertz und Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
07. Markus Lüpertz; „Standbein - Spielbein rechts“, Öl auf Leinwand, 1982. © Markus Lüpertz und Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
08. Markus Lüpertz; „Männer ohne Frauen. Parsifal“, Tempera und Öl auf Leinwand, 1993. © Markus Lüpertz und Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
09. Blick in die Ausstellung. Foto: Christel Busch
10. Markus Lüpertz; „Stein an der Traun III“, Mischtechnik auf Holz, 2010. © Markus Lüpertz und Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
11. Markus Lüpertz; „Arkadien-Soldat“, Mischtechnik auf Leinwand, 2013. © Markus Lüpertz und Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
12. Markus Lüpertz; „3 Grazien", Skulptur, Bronze bemalt, Auflage 6, 2000. © Markus Lüpertz und Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York. Foto: Christel Busch.

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avatar Sigrid Heldt
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Gut geschrieben, klar formuliert und regt an zu einem Besuch! Danke Christel
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