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Bildende Kunst

Cris Pink: „Offshore“ – nebulöse Lichtschleier in unzähligen Farbschichten

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Geschrieben von Isabelle Hofmann  -  Montag, den 25. November 2013 um 10:06 Uhr
Cris Pink: „Offshore“ – nebulöse Lichtschleier in unzähligen Farbschichten 4.3 out of 5 based on 180 votes.
Cris Pink: „Offshore“ – nebulöse Lichtschleier in unzähligen Farbschichten

Unter dem Titel „Offshore“ stellt die Hamburger Galerie Hengevoss-Dürkop erstmals Landschaften der auf Mallorca lebenden deutschen Künstlerin Cris Pink vor.
„Offshore“, ein geläufiger Begriff aus der Wirtschaftssprache, bedeutet im ursprünglichen Sinne „küstenfern“ – und die Landschaften von Cris Pink sind in der Tat fern der Küste: Bis auf wenige Ausnahmen dominieren Wasserlandschaften im Werk der gebürtigen Koblenzerin, die seit mehr als 30 Jahren auf Mallorca lebt.
Diese Landschaften sind keine Abbilder der Natur, keine Dokumente, auch wenn sie nach konkreter Anschauung vor Ort entstanden sind. Cris Pink reist viel und sie zeichnet auf ihren Reisen unentwegt. Zurück im Atelier jedoch löst sie sich von den naturalistischen Skizzen, entkleidet die Landschaft gleichsam ihrer Körperlichkeit und transformiert sie zu spirituell durchdrungenen Empfindungsräumen aus Licht und Farbe.

Licht und Wasser haben die Malerin seit ihrer Jugend fasziniert. Nach ihrem Studium – zuerst Modedesign in Hamburg, danach freie Kunst in Mainz – zog sie das unvergleichliche Licht des Südens nach Spanien. Seitdem spielt es in ihren Bildern eine zentrale Rolle. All ihren Werken wohnt ein inneres Leuchten inne. Mitunter ist es auch nur ein Glimmen und Schimmern, wie unter einer Wolkendecke. In den jüngsten Landschaften, „Luz y Calma“, „Moeris“ und „Tras la Lluvia“ scheinen verstärkt auch wieder die Farben des Nordens durch: nebulöse Lichtschleier in gebrochenen Pastellfarben, die an das diffuse Grau dänischer Landschaftsmaler des 18. und 19. Jahrhunderts erinnern.

Jedes einzelne dieser Gemälde besteht aus unzähligen Farbschichten, die wie abgelagerte Sedimente von der Entstehungsgeschichte der Landschaften künden. Mit zum Teil hauchzarten, fast transparenten Lasuren verleiht Cris Pink ihren deliktaten Farbteppichen eine fein-stoffliche Körperlichkeit, die von den wolkigen Farbkissen Gotthard Graubners ebenso inspiriert scheinen, wie von den monochromen Farbnebeln eines Marc Rothko.

Die Tatsache, dass die Künstlerin immer und immer wieder Wasser thematisiert, führt sie auf die unterschiedlichen Bedeutungsebenen zurück, die bei der Betrachtung von Wasserstücken mitschwingen, ohne dass wir uns oftmals dessen bewusst sind.
Die alten Germanen glaubten fest daran, dass die die Seelen der Ungeborenen und der Toten im Wasser ruhen. In Märchen und Mythen sind Spiegelflächen der Durchgang zur Unterwelt. Im Christentum ist Wasser Symbol von Reinheit und Reinigung und nach C.G. Jung Sinnbild für das Unbewusste schlechthin.
Cris Pink sind alle diese Konnotationen wohl bewusst. Sie hat nicht nur bildende Kunst, sondern auch Kunsttherapie studiert und dieses Wissen in ihre Bilder einfließen lassen.

In ihrer eigenständigen Auslegung der metaphysischen Malerei Georgio Morandis – des Flaschenmalers, der in seinen Stillleben das Rätsel um das Wesen der Dinge ergründen wollte - treffen das Unbewusste, die Wahrnehmung der Wirklichkeit und Selbstreflexion aufeinander und bilden gemeinsam eine zweite geheimnisvolle Wirklichkeit hinter den sichtbaren Dingen.
Deshalb erscheint es nur folgerichtig, dass sich ihre Formensprache auf dem schmalen Grat zwischen Abstraktion und Figuration bewegt. Die Materie bleibt im Ungefähren, Flüchtigen, fast Entmaterialisierten. Eben noch meint man figurative Bildinhalte wie Blätter, Blüten und Gräser auszumachen, schon lösen sie sich wieder in abstrakte Linien und Flächen auf.
Dieses permanente Changieren zwischen gegenständlicher und ungegenständlicher Malerei verleiht ihren Seelenlandschaften eine geheimnisvolle Poesie und meditative Kraft. Das Bild wird zum visuellen Mantra, zum Spiegel innerer Befindlichkeiten, der den Betrachter auf sich selbst zurückwirft.


Cris Pink, „Offshore“, ist bis zum 21. Dezember 2013 in der Galerie Hengevoss-Dürkop, Klosterwall 13, 20095 Hamburg zu sehen. Geöffnet: Mi.-Fr. 12-18 Uhr, Sa 12-14 Uhr u.n.V.

Cris Pink gründete in Palma die Designschule „Blau“, unterrichtete an der Helwan Universität in Kairo, an der Universidad de las Islas Baleares in Palma de Mallorca und im Auftrag der mallorquinischen Regierung in der renommierten Fundación Joan Miro. Die Liste der privaten und öffentlichen Kunstsammlungen, in denen ihre Gemälde vertreten sind, reicht von der Fundación Aena und dem Colegio de Abogados in Palma bis zum Forum Lindenthal in Köln und dem Koblenzer Stadtmuseum.


Fotonachweis:
Courtesy: Galerie Hengevoss- Dürkop. Fotos: Isabelle Hofmann
Header: Detail aus Luz y calma, 81x60 cm
Galerie:
01. Niebla sobre agua, 70x70cm
02. Weaving voices II, 190x160 cm
03. Murmullo, 116x90 cm
04. Luz y calma, 81x60 cm
05. Cris Pink

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