Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 513 Gäste online

Neue Kommentare

Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...
adarompf@gmx.de zu „Mahana – Eine Maori-Saga”. Zwischen Tradition und Tyrannei : In allen Facetten genaue Beschreibung des Films, ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

„Leichte Fieberanfälle. Dauerregen“ – Eine neue Biografie zu Lesser Ury

Drucken
(208 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Mirjam Kappes  -  Freitag, den 09. August 2013 um 09:50 Uhr
„Leichte Fieberanfälle. Dauerregen“ – Eine neue Biografie zu Lesser Ury 4.7 out of 5 based on 208 votes.
Lesser Ury: Leichte Fieberanfälle. Dauerregen.

Lesser Ury gehört zu den frühesten deutschen Vertretern des Impressionismus – und ist dennoch ein „vergessener“ Künstler, der lange Zeit nur eine Randposition im öffentlichen und wissenschaftlichen Interesse eingenommen hat.
Der in Berlin lebende Autor und Kunsthistoriker Boris von Brauchitsch hat sich Lesser Ury nun in einer neuen Biografie gewidmet, die das wechselhafte Leben des Künstlers kenntnis- und anekdotenreich illustriert.

Denkt man an den Künstler Lesser Ury, so kommen einem vielleicht als erstes seine Studien des Berliner Gesellschaftslebens um 1900 in den Sinn: Die zahlreichen Kaffeehausszenen, die er malte, das geschäftige Treiben der Menschen auf den Boulevards und Straßen, die Pferdekutschen, Omnibusse und Hochbahnen, die die aufstrebende Millionenstadt in ihrer wuseligen Emsigkeit auszeichneten, und die Lesser Ury von seinem Dachgeschossatelier am Nollendorfplatz, dem damaligen Herzstück des Vergnügungsviertels Berlins, beobachten konnte.
Oder aber man hat den Maler möglicherweise genau durch das Gegenstück seiner Arbeit kennengelernt: durch seine Blumenstillleben zum Beispiel, durch seine Landschaftsbilder der deutschen und italienischen Provinz, seine meisterliche Auseinandersetzung mit den Farbklängen und flirrenden Flächen, die auf dem Wasser tanzen.

Ury selbst dagegen soll seine religiösen Monumentalbilder für das Beste gehalten haben, was er je gemalt habe: Mit seiner Hinwendung zu biblischen Motiven, die er als Teil seines Spätwerks in gewaltigen Kollosalkompositionen entwarf, suchte der jüdische Maler nicht zuletzt Anschluss an die zionistische Gemeinde, da so gut wie alle seine Werke von der zeitgenössischen Künstlerszene und Presse fast ausschließlich nur mit Kritik überschüttet wurden.

So oder so: Deutlich macht schon allein dieses Spektrum des künstlerischen Schaffens, in welchen spannungsreichen Konflikten sich Lesser Ury Zeit seines Lebens befunden hat. Unter seiner Berufung, die ihm zugleich Segen und Fluch ist, soll er dauerhaft gelitten haben; auch die „fieberhafte Unrast“, mit der er diverse Städte in Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien und England bereiste, immer auf der – meist vergeblichen – Suche nach Anerkennung seines Schaffens, zeichnen das unbeständige Leben des Künstlers aus.

Der aus dem brandenburgisch-polnischen Provinznest Birnbaum stammende Maler zog bereits in jungen Jahren mit seiner Familie nach Berlin, scheiterte aber zunächst mehrfach dabei, in der Großstadt Fuß zu fassen. Und auch nachdem Lesser Ury durch die Schule der Düsseldorfer Kunstakademie und der Académie Royale des Beaux-Arts in Brüssel gegangen war, nachdem er in Paris erste Eindrücke der neuen Kunstströmung des Impressionismus gesammelt hatte, die er dann nach Aufenthalten in Flandern, Stuttgart, Karlsruhe und München mit zurück nach Berlin brachte, selbst dann bleib ihm die öffentliche Wertschätzung seiner Kunst versagt.

Die Gründe seines Außenseiterdaseins sind aber nicht ausschließlich im Werk von Lesser Ury zu suchen. Schuld war auch das eigensinnige, eigenbrötlerische Verhalten von Lesser Ury selbst; der Maler galt als verschroben, allürenhaft und schroff und machte sich dadurch nicht gerade viele Freunde. Eine Auseinandersetzung mit dem einflussreichen Künstler Max Liebermann führte darüber hinaus dazu, dass dieser Lesser Ury aus allen relevanten Künstlervereinigungen der Zeit herauszuhalten verstand. Erst spät, fast am Ende seines künstlerischen Laufbahn, wurden dem Maler wichtige Ehrungen zuteil.

Diesem wechselhaften Lebensweg von Lesser Ury, das auch heute immer noch ein Schattendasein neben Vertretern des deutschen Impressionismus wie Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth führt, hat Kunsthistoriker und Kurator Boris von Brauchitsch nun eine ebenso aufschlussreiche wie amüsante Biografie gewidmet. Auf knapp 120 Seiten zeichnet der Autor die Lehr- und Reisejahre des Künstlers, sein inneres Ringen mit dem eigenen Schaffen und das nach außen getragene Antrotzen gegen die ihm wenig freundlich gesinnte Künstlergemeinde nach. Dabei kann Brauchitsch mit fundierter Kenntnis der Quellenlage und umfassendem Hintergrundwissen glänzen, das er im Textfluss immer wieder durch eingeschobene Anekdoten aufzulockern zu verstehen weiß. Übersichtlich in Lebensabschnitte und Schaffensperioden eingeteilt und mit zahlreichen Illustrationen angereichtert, ist die Biografie „Lesser Ury. Leichte Fieberanfälle. Dauerregen“ auch für fachfremde Leser höchst lesenswerte unterhaltsame Bildungslektüre, ohne jedoch belehrend zu sein.


Lesser Ury: Leichte Fieberanfälle. Dauerregen.
Boris von Brauchitsch
Verlag: Edition Braus; Auflage: 1 (20. Juni 2013)
Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
ISBN-13: 978-3862280520

Bildnachweis: Detail des Buchcovers
Galerie: Buchcover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

„Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge
 „Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge



In seinem elegischen Nachkriegs-Epos inszeniert Regisseur François Ozon die schmerzhafte Verstrickung von Trauer, Träumen, Schuld und Liebe als deuts [ ... ]



Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer
 Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer



In der CD-Reihe „Neue Meister“ präsentieren Arash Safaian, Sebastian Knauer und Pascal Schumacher die Musik nach Motiven von Bach so, wie der Meiste [ ... ]



Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst
 Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst



Die Autorin dieses Beitrags ist begeisterte Reeperbahn Festival-Besucherin, schaut sich aber neben dem umfassenden Konzertangebot besonders gerne im „Arts& [ ... ]



Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Opernhit „ [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch
 Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch



„Manchmal fotografiert man die Welt, um sie und sich selbst besser verstehen zu können, eignet sich Dinge durch Abbilder an, um sie sich zu gegebener Zeit [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.