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Bildende Kunst

Yuki Yamamoto: „Parallel Circles“

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Montag, den 05. November 2012 um 09:00 Uhr
Yuki Yamamoto: „Parallel Circles“ 4.6 out of 5 based on 195 votes.
Yuki Yamamoto: „Parallel Circles“

Der aus Japan stammende und in Berlin lebende Künstler Yuki Yamamoto präsentiert in seiner ersten Einzelausstellung in Europa, in der Mikiko Sato Gallery Hamburg, eine Auswahl seiner Werke der letzten Jahre.
Yamamoto wuchs auf der im Norden Japans gelegenen Insel Hokkaido, in einem kleinen, ländlichen Ort auf. Dieses Umfeld prägt den 31-jährigen Künstler bis heute, auch wenn er längt in der Großstadt lebt und arbeitet. Wenn er vom klaren, schwarz- und raumtiefen Sternenhimmel seiner Heimat erzählt, dann ist man mittendrin in der ersten Annäherung an seine Kunst. Es sind Bilder von unglaublicher Dichte, bestehend aus farbigen Kreisen und Punkten, die mit der Begrifflichkeit von Unendlichkeit spielen.

altDer Maler lässt seine Arbeiten in einem ausgesprochen aufwendigen Prozess entstehen. Auf unterschiedlich große Hartfaserplatten trägt er Acrylschicht auf Zwischenschicht, auf Farbschicht auf, schleift diese immer wieder ab, um schließlich, in einem letzten Arbeitsschritt, eine glänzende Oberflächenglasur aufzustreichen. Es kann Wochen dauern, bis die Werke vollständig durchgetrocknet sind. So präzise seine mit Hand gezogenen Kreisformen, die Raum- und Farbwirkung auch sind, so lassen sich bei einer ganzen Reihe von Bildern noch individuelle handwerkliche Spuren erkennen: Pinselduktus, Glasurverläufe und Schleifspuren.

Die Bildwerke zeigen zunächst nichts weiter als Ansammlungen von Kreisformen. Bei genauer Betrachtung fallen zunächst die Schichtungen ins Auge, die Tiefe suggerieren. Immer wieder wechselt der Künstler transparente mit milchig habtransparenten Schichten ab oder blockiert die Sicht vollkommen durch einen dichten und undurchlässigen Farbauftrag. Bis zu zehn Ebenen liegen übereinander. Die dadurch entstehenden Räume brechen Formen auf, lassen optische Raumillusionen ebenso zu, wie „trompe-l'œil“-Effekte.

Yuki Yamamoto vermittelt in seiner Malerei ein eigenständig funktionierendes und gleichzeitig rätselhaftes System, das an Fraktale erinnert. Dieses auf der Chaosforschung beruhende Verfahren besticht durch seine selbstähnliche, mathematische Dimension. Auch wenn die Werke zunächst nur daran erinnern, liegen dennoch auch definierbare, mathematische und serielle Elemente den Bildern zu Grunde. Immer wieder erkennt das Auge aus dem Gewirr der unterschiedlich großen farbigen Kreise und Punkte feste Strukturen. Sie können ein Dreieck, ein Quadrat oder ein Rechteck ergeben. Hier wird schließlich der Ausstellungstitel sinnhaft, denn die Reihungen, die sich alle auf einer bestimmten Tiefenebene befinden, sind in genauem Abstand parallel zueinander gemalt.
In einer ganzen Reihe von Bildern schafft der Künstler großflächig-runde Pole für das Auge, die mit den teilweise cremefarbigen oder leuchtenden Acrylschichten konkurrieren und dennoch Ruhe geben.

„In meiner Arbeit“, sagt Yuki Yamamoto „versuche ich persönliche Gefühle in eine abstrakte, aber allgemeingültige Sprache zu bringen“. Das schafft der Künstler durch mehrere malerische Tricks und Kniffe, die auf eine geradezu optimistische, ausbalancierte und idealistische Haltung verweisen. Die abstrakte Anhäufung der immer wieder gleichen Formen, die optischen Brechungen und Zwischenräume, die Überlagerungen und unterschiedliche prismatische Farbräume bringen in ihrer Fülle ein erzählerisches Moment hervor. Den Kreisen und Punkten scheint das Gesetz der Gravitation fremd zu sein, sie halten sich positioniert, suggerieren Beweglichkeit und definieren ihren Bewegungsraum für sich selbst. Sie treiben im Raum.

Im Begriff der Geschichte liegt die Schichtung eingewoben und bekommt damit eine weitere Dimension, nämlich die der Zeit. Diese lässt sich in unterschiedlichen Zuständen entdecken: neben den erwähnten Schichtungen, findet der Betrachter Zeit in Form von Reihungen, in einer kosmischen Vorstellung von Unendlichkeit sowie in einem real physischen Erfahrungsraum.
Yamamotos einzelne Bildtitel verweisen auf Faktoren, die im jeweiligen Bild entweder vermeintlich abwesend sind oder die trotz einer quantitativen Minderheit eine definierbare und wichtige Existenz erhalten. So sind in den Bildern, die mit „Invisible Spaces“ betitelt sind, durchaus sichtbare Räume vorhanden. Der Künstler gibt aber auch jenen Räumen eine Existenzberechtigung, die nicht sichtbar, aber vorhanden sind. Die sechsteilige farbige Serie „Dancing Grayzone“ nimmt das Spiel mit jenen kleinen Zwischenflächen auf, die im Gegensatz zu den eindeutig roten, blauen oder gelben Kreisen die geometrischen Formen verbinden sollen und sich wuchernd über den unterschiedlich farbigen Bildraum ziehen. „Gray Zone“ wird in der Medizin als große tumorartige Wucherung bezeichnet. Somit wird neben dem physischen auch zusätzlich ein pathologisches Problem thematisiert.

Yuki Yamamoto steht in einer verbindenden japanisch-europäischen Malereitradition und beherrscht das Spiel mit Distanz und Nähe, mit visuell-malerischen Tricks und Tiefe im Inhalt.


Yuki Yamamoto: „Parallel Circles“
ist vom 20. November bis 20. Dezember 2012 in der Mikiko Sato Gallery zu sehen.
Klosterwall 13 in 20095 Hamburg.
www.mikikosatogallery.com

Bildnachweis: © alle Yuki Yamamoto
Header: Detail aus The edge of invisible space, 2011, Acryl auf Hartfaser, 90x110 cm. Sammlung Itamuro Onsen Daikokuya.
Galerie:
01. Im Atelier von Yuki Yamamoto in Berlin. Foto: Claus Friede.
02. Dancing Grayzone (6 Teile), 2011, Acryl auf Hartfaser je 42x55 cm.
03. Invisible Space, 2011, Acryl auf Hartfaser, 33x42 cm.
04. Invisible Space, 2011, Acryl auf Hartfaser, 51x71 cm, Privatsammlung.
05. Invisible Space, 2011, Acryl auf Hartfaser, 19x23 cm, Privatsammlung.
06. Invisible Space, 2011, Acryl auf Hartfaser, 19x22 cm, Privatsammlung.
07. Invisible Space, 2011, Acryl auf Hartfaser, 20x54 cm, Privatsammlung.
08. Invisible Space, 2009, Acryl auf Hartfaser, 54x54 cm.
09. Ausstellung im Glogau AiR, Berlin-Kreuzberg.
10. Yuki Yamamoto bei der Arbeit. Foto: Mikiko Sato.
11. Yuki Yamamoto bei der Arbeit. Foto: Mikiko Sato.
12. Kleinformate auf dem Arbeitstisch des Künstlers. Foto: Claus Friede.
 

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