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Bildende Kunst

Jörn Pfab – Facetten des Spätwerks

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Montag, den 10. September 2012 um 11:30 Uhr
Jörn Pfab – Facetten des Spätwerks 4.5 out of 5 based on 207 votes.
Jörn Pfab – Facetten des Spätwerks

Die kleine, aber feine Ausstellung „Jörn Pfab – Facetten des Spätwerks“ im Studio der Galerie Klassische Moderne des Landesmuseums Schloss Gottorf erinnert an den Hamburger Bildhauer Jörn Pfab (1925-1986).
Die Schau präsentiert Entwürfe und Modelle von Monumentalskulpturen, Statuetten, Zeichnungen und Prägedrucke sowie Unikate und Multiples in Neusilber. Neben diesen kleinformatigen Exponaten stehen im Park der Schlossinsel drei seiner monumentalen Plastiken. Daneben existieren in Hamburg an markanten Plätzen im öffentlichen Raum etwa 16 Skulpturen des Künstlers.

Seit rund fünf Jahrzehnten sammelt das Landesmuseum Exponate des Norddeutschen Bildhauers, die sich durch Neukäufe und Nachlässe kontinuierlich erweitert haben. Die aktuelle Schau fokussiert auf die späten Arbeiten des Künstlers aus den 1970er- bis 1980er-Jahren. Zum besseren Verständnis seines künstlerisches Schaffens, ein kleiner Rückblick auf seinen Lebensweg. Jörn Pfab, 1925 in Hamburg geboren, absolvierte zunächst eine Lehre als Steinmetz. Nach Kriegsende studierte er bei Edwin Scharff an der Landeskunstschule in Hamburg Bildhauerei. Sein bevorzugtes Medium war Bronze, aus der er gegenständliche Figuren, Statuen und Portraitköpfe modellierte. Zu seinen Frühwerken gehört die „Große Stehende“, eine Bronzestatue aus den Jahren 1957/58, welche heute im Alsterpark Hamburg/Höhe Milchstraße steht. Nach Studienaufenthalten in Griechenland, der Türkei, Marokko und Spanien veränderten sich Material und seine Formensprache. Inspiriert durch das ständig wechselnde Licht- und Farbenspiel südlicher Länder, wandte sich Pfab Edelstahl –  korrosionsfreiem Chrom-Nickel-Molybdänstahl – sowie Cortenstahl als Materialträger seiner Skulpturen zu.

1961 von seinen Studien nach Hamburg zurückgekehrt, machte er einen Lehrgang zum Schweißer und bezog ein neues Atelier in Wedel/Holstein. Parallel zum Wechsel des Werkstoffes, entwickelte er eine abstrakte, an der Stereometrie orientierten Formensprache, die in ihrer amorphen Form der Natur, explizit der floralen Pflanzen- und Baumwelt entlehnt war. Ab etwa 1970 komponierte er geometrische, dreidimensionale Objekte aus Kugeln, Scheiben, Würfeln und Quadraten sowie Zylindern und Pyramiden. Der Charme seiner großformatigen Stahlskulpturen liegt nicht nur im gestalterischen Design, sondern auch in den glatten, polierten Oberflächen, welche das Licht einfangen und - abhängig vom Lichteinfall und dem Blickwinkel des Betrachters - eine irisierende, schimmernde Oberflächenstruktur erzeugt. Pfabs Wirkungskreis beschränkte sich auf Norddeutschland. Umso überraschender ist es, dass er Ende der 70er Anfang der 80er-Jahre eine Reihe von Ausstellungen in Japan hatte. Der Künstler starb mit 61 Jahren, 1986 in Hamburg an Lungenkrebs.

Haben die in den Kabinetten gezeigten Modelle „Segelturm“, „Räumliche Stele“ oder „Keim“ aus seinen frühen Jahren noch raue Oberflächen und geschweißte Nähte, sind die abstrakten Konstruktionen der 70er- und 80er-Jahre „Entwurf für eine veränderbare Skulptur, 1976“ oder „Kleiner Mauerreiter“ von 1979 oder „Tor III, 1982“ oberflächenpoliert und die Schweißnähte so geglättet, dass der Eindruck eines gegossenen Modells entsteht. Ein Highlight der Schau ist ohne Zweifel die kleine Stahlskulptur „Yelmo“. Ein Helm von 1984/86, der durch seine abstrahierte Form und den technoiden Glanz an alte Ritterhelme erinnert. Die „Maske“ aus Eisenblech entstand 1985, ein Jahr vor seinem Tod. Ein unheilvolles Omen, denn sie erinnert mit dem verzerrtem Mund und den starren Augen an eine Totenmaske. Das größte Exponat der Ausstellung ist „OPD II“ von 1985/86, das Modell einer monumentalen Skulptur für das Postsparkassenamt in der City Nord. Zahlreiche Vorzeichnungen und Modelle unterschiedlichster Größe sind zu diesem Projekt erhalten geblieben. Die Monumentalskulptur besteht aus zwei linsenartigen Raumkörpern, wobei die obere nach hinten versetzte Hälfte - in der Frontalansicht betrachtet - ausgehöhlt und mit einer Profilierung strukturiert ist. Pfab konnte seine Arbeit aus Krankheitsgründen nicht mehr fertig stellen. Sie wurde von Manfred Ebert vollendet und 1987 aufgestellt.

Zu seinem Spätwerk gehören nicht nur die erwähnten Ausstellungsstücke, sondern auch diverse andere Modelle, Zeichnungen und Entwürfe, Schmuck, ein Schachspiel sowie Statuetten und Portraitköpfe. Letztere sind aus kleinen Stahlpartikeln zusammengeschweißt.

Was wäre die kleine Schau im Studio der Galerie Klassische Moderne ohne die drei großen Objekte im Skulpturenpark des Schlosses, die mit ihrer Monumentalität die originale Größe der Modelle vermitteln. Die liegende Skulptur „Ohne Titel“ von 1978 wird flankiert von zwei hoch aufragenden Skulpturen „Großer Mauerreiter, 1979/80“ und „Quadrolog, 1980/81“, welche die Parkanlage dominieren. Seit 1981 gibt es das Projekt „Kunst im öffentlichen Raum“ der Hamburger Kulturbehörde. Von Jörn Pfab existieren rund 16 Skulpturen im urbanen Stadtraum. „Als gelungen würde ich die Skulptur dann bezeichnen, wenn sie dem Platz, dessen Teil sie ist, zur Raumidentität verhilft“, so der Künstler 1984 zu seinen aufgestellten Objekten. Allen Liebhabern seiner Kunst sei daher ein Spaziergang durch Hamburg zu empfehlen. So sind unter anderem an folgenden Standorten seine Stahlobjekte zu finden: Gewerbeschule KFZ Technik/ Hammer Weg, Schule am Turmweg 33, Fleethofplatz, Colonaden/Neuer Jungfernstieg, SAGA/Tilsiterstraße 69, SAGA/Alaskaweg, SAGA/am Fischmarkt, ehemalige Oberpostdirektion/Überseering 30 sowie am früheren Postsparkassenamt/Überseering 26 und am Schöpfwerk Hohenwisch.


Die Ausstellung „Jörn Pfab – Facetten des Spätwerks“ ist bis zum 3. Februar 2013 zu besichtigen. Im Studio der Galerie der Klassischen Moderne, Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte Schloss Gottorf, Schlossinsel 1, 24837 Schleswig Ein Katalog „Jörn Pfab – Form im Raum“ ist erhältlich.
Öffnungszeiten: 31. März bis 30. Oktober, Mo-Fr 10-17 Uhr und Sa-So 10–18 Uhr November, Di–Fr 10–16 Uhr und Sa, So, Feiertag 10–17 Uhr
www. schloss-gottorf.de

Fotonachweis:

Header: OPD II 1985-87 (beendet von Manfred Ebert), Chrom-Nickel-Molybdänstahl, WV I 288, Überseering 26 (ehemals Postsparkassenamt), Hamburg

Galerie:
01. Yelmo, 1984-86, Chrom-Nickel-Molybdänstahl und Eisen, WV I 257
02. Fotini 1985, Chrom-Nickel-Molybdänstahl, WV I 278
03. Flor Urbana (Modell II) 1976, Chrom-Nickel-Molybdänstahl und Eisen, WV I 176
04. Quadrolog 1980/81, Chrom-Nickel-Molybdän- und Cortenstahl, WV I 228 | Gottorfer Skulpturenpark. Foto: Christel Busch
05. Große Stehende 1957/58, Bronze, WV I 52, Freie und Hansestadt Hamburg, Alsterpark, Harvestehuder Weg 15
06. Keim 1962, Chrom-Nickel-Molybdänstahl, WV I 90, Freie und Hansestadt Hamburg, Schule am Turmweg
07. Flor Urbana 7, Chrom-Nickel-Molybdän Foto: Kulturbehörde Hamburg
08. KFZ Technik, Freie und Hansestadt Hamburg Foto: Kulturbehörde Hamburg
09. Atlas 1970/71, Chrom-Nickel-Molybdänstahl, WV I 140, Freie und Hansestadt Hamburg, Colonnaden / Neuer Jungfernstieg

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avatar Dr. Heinrich Heldt
+1
 
 
Wieder einmal ein spannendes und anspruchsvolles Thema sehr gut aufgearbeitet. Bravo, es hat
mir Spaß gemacht. He
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