Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 882 Gäste online

Neue Kommentare

Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...
adarompf@gmx.de zu „Mahana – Eine Maori-Saga”. Zwischen Tradition und Tyrannei : In allen Facetten genaue Beschreibung des Films, ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

Klaus Peter Dencker: Sprachspiele - Konkret - Poetisch - Visuell

Drucken
(115 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Isabelle Hofmann  -  Dienstag, den 03. April 2012 um 10:20 Uhr
Klaus Peter Dencker: Sprachspiele - Konkret - Poetisch - Visuell 4.5 out of 5 based on 115 votes.
Klaus Peter Dencker: Sprachspiele - Konkret - Poetisch- Visuell

Kein bildender Künstler, kein Fotograf, kein Filmemacher oder Literat an Alster und Elbe kam zwischen 1985 und 2002 um ihn herum.
17 Jahre lang war Klaus Peter Dencker Leitender Regierungsdirektor der Hamburger Kulturbehörde und – bis auf Musik und Theater – so ziemlich für alles zuständig, was im Bereich Kultur anfiel. Was kaum jemand wusste: Der gebürtige Lübecker mit dem markanten grauen Bürstenschnitt führte ein Doppelleben. In Ahrensburg, seiner Wahlheimat vor den Toren der Hansestadt, legte Dencker den ungeliebten Beamten ab wie eine zu klein gewordene Jacke und widmete sich seiner wahren Profession, der Visuellen Poesie.

Das macht er auch heute noch: Als einer der international wichtigsten Autoren dieser Kunstform zwischen Text und Bild legte der 70-jährige jüngst die erste Enzyklopädie über „Optische Poesie“ bei De Gruyter vor. Von den prähistorischen Schriftzeichen bis zu den digitalen Experimenten der Gegenwart reicht dieses knapp 1.000 Seiten umfassende Kompendium, das mehr sein will, als nur eine Geschichte unterschiedlicher Entwicklungen und Strömungen. Es ist auch ein im Wortsinn schwerwiegender Beweis: Der promovierte Japanologe und Literaturwissenschaftler zeigt hier die Bedeutung und weitreichende Einflussname all jener bild-sprachlichen Formen Kinetischer, Konkreter und Visueller Poesie auf und unternimmt damit den Versuch einer grundsätzlichen Positionierung: „Immer wieder wurde diese Ausdrucksweise desavouiert. Ich will mit meiner Bestandsaufnahme zeigen, dass Optische Poesie eine ernstzunehmende Sache ist“. Also auch der Unsinn, der dabei verzapft wird. Denn dass beim kreativen Umgang mit Sprachmaterial der Spaß am Spiel ausschlaggebend ist, steht außer Frage. Dencker ist ein echter Homo Ludens. Seine Lust an der ästhetischen oder lautmalerischen Qualität eines Buchstaben, an der Veränderung und Verfremdung von Kontexten, beweist der begeisterte Hobby-Jazzer in eigenen Arbeiten ebenso, wie in den von ihm herausgegebenen Anthologien, „Deutsche Unsinnspoesie“, „Poetische Sprachspiele“ oder „Morgenstund hat kurze Beine“ (alle bei Reclam). Wenn er nicht gerade gefundenes Bildmaterial zu wunderbar poetischen, anspielungsreichen Collagen zusammenschneidet, klebt und dichtet – zu Textbildern, die teilweise an Dada, Schwitters oder die russischen Konstruktivisten erinnern – dann liest er oder macht Musik. Am liebsten macht er beides.

„Ich habe schon als Schüler Gedichte geschrieben“, so Dencker. „Kam in Kontakt mit der Wiener Gruppe um Gerhard Rühm und versuchte auf meine Art Literatur zu visualisieren“. Viel später erst habe er angefangen sich mit Theorie zu befassen, zu sammeln und zu forschen. Ein erstes Ergebnis erschien 1972 bei DuMont: „Textbilder - Visuelle Poesie international“. Die Monographie „Visuelle Poesie 1965-2005“, die zu seiner eigenen großen Ausstellung in Erlangen 2006 erschien (herausgegeben von der Kunstbibliothek Staatliche Museen zu Berlin), zeigt ein Foto von 1972, das den damaligen Lehrbeauftragten für deutsche Literaturwissenschaft und Film- und Fernsehkunde an der Uni Erlangen an der Seite von Peter Weibel, Timm Ulrichs und Jochen Gerz zeigt. Dieses Foto ist bezeichnend: Die Avantgarde aus Kunst und Literatur begleitete ihn auf allen beruflichen Stationen – als Redakteur und Filmemacher beim Saarländischen Fernsehen 1975-1985 (wo er übrigens die ersten Filme über Kurt Schwitters und George Grosz drehte), auch noch zwischen Anweisungen, Aktenbergen und Ausschüssen in der Hamburger Behörde. Denckers Arbeiten sind längst Bestandteil internationaler Sammlungen und Museen. Wird Zeit, dass er selbst die öffentliche Anerkennung erfährt, die ihm gebührt.

Fotonachweis: Alle Werke (c) Klaus Peter Dencker
Header: Detail aus "ARAKAWA - Under Construction", 2009
Galerie:
01. Portrait Klaus Peter Dencker. Foto: Isabelle Hofmann
02. - 06. "ANTINOMY" entstand 2003 in Zusammenarbeit mit dem japanischen Visuellen Poeten Hiroshi Tanabu (geb. 1938). Der Arbeitstitel ANTINOMY stammt von Tanabu. Die Arbeiten entstanden mit einem ersten Blatt von Tanabu, auf das ich mit meinem ersten Blatt antwortete, Tanabu antwortete dann mit seinem zweiten Blatt auf mein erstes Blatt und es folgte die Antwort auf sein zweites Blatt mit meinem zweiten Blatt usw. Auf diese Weise entstanden jeweils 5 Blaetter, von denen hier meine 5 Blaetter abgedruckt sind. Sie wurden veroeffentlicht In: Antinomy (Peace/War). Zusammen mit Hiroshi Tanabu.- Tokyo : (Tanabu-Edition Nr. 27), 2003.- 24 S. : Abb. (farb). 11 x 14 cm. Vorw. Japan und dt., Text engl., sowie in: Georg Poehlein, Da liegt der Himmel naeher an der Erde. Literaturlandschaft Franken. Weitra 2003, S. 39 ff. (sch/w) und schließlich in dem Band: Klaus Peter Dencker, AMBIGUITY & MORE. Sequences. Redfoxpress, Dugort, Achill Island, County Mayo/Ireland 2010. Das Blatt Nr. 5 in: PEACE/WAR. In: Vreme signalizma/The Times of Signalism. Ed. Miroljub Todorovic. Nish 2005, S. 103, sowie auf dem Bucheinband der Monographie: Klaus Peter Dencker, Visuelle Poesie 1965 - 2005 Bibliothek der Provinz, Weitra/A 2006.

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar Klaus Peter Dencker
+1
 
 
vielen dank sagt klaus peter dencker
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar Rainer Haarmann
+1
 
 
Bitte Grüße an Klaus Peter Dencker mit der Bitte eines Feedbacks nach langer Zeit per Mail. würde mich sehr freuen.
Dank - an wen auch immer von
Rainer Haarmann
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

„Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge
 „Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge



In seinem elegischen Nachkriegs-Epos inszeniert Regisseur François Ozon die schmerzhafte Verstrickung von Trauer, Träumen, Schuld und Liebe als deuts [ ... ]



Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer
 Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer



In der CD-Reihe „Neue Meister“ präsentieren Arash Safaian, Sebastian Knauer und Pascal Schumacher die Musik nach Motiven von Bach so, wie der Meiste [ ... ]



Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst
 Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst



Die Autorin dieses Beitrags ist begeisterte Reeperbahn Festival-Besucherin, schaut sich aber neben dem umfassenden Konzertangebot besonders gerne im „Arts& [ ... ]



Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Opernhit „ [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch
 Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch



„Manchmal fotografiert man die Welt, um sie und sich selbst besser verstehen zu können, eignet sich Dinge durch Abbilder an, um sie sich zu gegebener Zeit [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.