Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 891 Gäste online

Neue Kommentare

Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

Emil Nolde - Puppen, Masken und Idole

Drucken
(122 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 02. März 2012 um 09:33 Uhr
Emil Nolde - Puppen, Masken und Idole 4.4 out of 5 based on 122 votes.
Emil Nolde - Puppen, Masken und Idole / Chinesische Porzellanfiguren

Kein anderer deutscher Maler seiner Zeit war mit so vielen unauflösbaren Widersprüchen verbunden wie er: Emil Nolde (1867-1956), Ausnahmeerscheinung, Kraftmaler und Verfechter einer „starken, gesunden, deutschen Kunst“ im Dritten Reich.
Seine dumpfe Deutschtümelei hat die Nachwelt immer wieder beschäftigt. Schließlich stand das Werk des Expressionisten in krassem Widerspruch zu seiner Haltung. Im Rückblick wirkt die Anbiederung an die Nationalsozialisten regelrecht schizophren, denn Noldes frühe Bilder waren geradezu durchtränkt von den Kulturen der Welt. Wie sehr der schleswig-holsteinische Maler außereuropäische Kunst liebte, wie sehr er sie wertschätzte und explizit behüten wollte, das zeigt nun die großartige Jubiläumsschau zum 50. Bestehen des Barlach Hauses im Hamburger Jenischpark.

Ein halbes Jahrhundert hat dieser Bau nun schon auf dem Buckel. Kaum zu glauben! In seiner zeitlosen Eleganz und Schlichtheit ist der weiße Kubus von Werner Kallmorgen zweifellos ein Meisterstück des nach wie vor unterschätzen Hamburger Architekten. Zum Jubiläum hier ausgerechnet Bilder eines Künstlers zu sehen, an den Ernst Barlach 1910 schrieb: „Sie wissen, dass ich zu Ihrer Malerei kein Verhältnis habe“, ist deshalb erst einmal erstaunlich und erschließt sich erst, wenn man weiß, das eine der Eröffnungsausstellungen 1971 in dem Museum Noldes „Ungemalten Bilder“ gewidmet waren. Schon damals war es Sinn und Zweck, die unbekannten Facetten des Malers vorzustellen, nun schließt sich der Kreis mit einer Gruppe von Bildern, die bislang erstaunlich wenig Beachtung fanden: Es sind die zwischen 1911 und 1929 entstandenen Stillleben mit exotischen Motiven aus aller Welt. Krude Bilder, die zum Teil verstören, ohne dass man auf den ersten Blick weiß, warum. Die exotischen Motive allein sind es nicht, schließlich setzten sich Anfang des 20. Jahrhunderts überall in Europa Künstler mit den Werken von Naturvölkern auseinander. Ihr Einfluss auf die moderne Kunst kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Emil Nolde war also voll im Trend, als er zwischen 1910 und 1912 den Bestand des Berliner Völkerkundemuseums zeichnete und anfing, eine eigene Exotika-Sammlung anzulegen. Diese Kollektion ist jetzt auch im Ernst Barlach Haus zu sehen: Afrikanische, ägyptische, asiatische, europäische und nord- und südamerikanische Figuren aller Art. Chinesische Pferdchen, tibetanische Buddhas, japanische Masken, barocke Madonnen, javanische Schattenspielfiguren und wunderbare Ahnenfiguren aus Neuguinea, die Nolde von seiner berühmten Südseereise (gemeinsam mit seiner Frau Ada 1913-1914) mitbrachte.
Doch wie ungewöhnlich ging er mit seiner exquisiten Sammlung um! Im Atelier kombinierte er daraus höchst unkonventionelle Stillleben, platzierte eine Holsteiner Kuh neben eine japanische Tänzerin; eine Wajang-Figur neben einen Strauß gelber Margeriten; oder eine Südseefigur neben die Tapisserien der Weberin Ada Nolde, seiner Frau.

Deutsche, europäische und außereuropäische Artefakte sind in diesen Bildern völlig gleichgestellt, das irritiert, selbst heute noch. Vor hundert Jahren kam es einer unerhörten Provokation gegenüber der Kolonialmacht Deutschland gleich, der Nolde übrigens unverblümt die Vernichtung der Kulturvölker vorwarf. So ist denn auch sein Gemälde „Der Missionar“ (1912) als offenkundige Kolonialismuskritik verstehen, denn die Titelfigur zeigt (anstelle eines christlichen Geistlichen) die zornige Maske einer koreanischen Wegefigur.
Doch 20 Jahre später, sicher schon unter dem Einfluss der Nationalsozialisten, behauptete der Künstler, er hätte sich nie bemüht „in die Exotische Kunst einzudringen“. Die Gegenstände seien für ihn einfach nur „interessantere Objecte als die üblichen Äpfel auf dem weißen Tuch“ gewesen. Kann es sein, dass Emil Nolde so „gedankenlos“ und oberflächlich malte? Kaum vorstellbar anhand der rund 70 kraftvollen Bilder und Zeichnungen dieser Ausstellung. Die Gemälde und Zeichnungen sprechen ihre eigene Sprache. Sie zeigen einen multikulturell ausgerichteten Künstler, der – so wirkt es jedenfalls – sehr bewusst und mit Nachdruck die Gleichstellung von europäischem und außereuropäischem Kunsthandwerk auf die Leinwand bannte. Damit war er seiner Zeit weit voraus.


Emil Nolde - Puppen, Masken und Idole
Noch bis zum 28. Mai 2012 zu sehen im Ernst Barlach Haus, Baron-Voght-Straße 50 in Hamburg.
Geöffnet: Di-So 11-18 Uhr, Fr. und Sa. bis 21 Uhr.
Es erscheint ein Katalogbuch mit zahlreichen, teils erstmals veröffentlichten Farbabbildungen bei Corso (ca. 176 Seiten, ca. 26,90 Euro).

Bildnachweis:
Header: Porzellanfiguren aus der Sammlung von Emil Nolde. © Nolde Stiftung Seebüll, Foto: Andreas Weiss
Galerie:
01. Emil Nolde: Der Missionar, 1912, Öl auf Leinwand, 79 x 65,5 cm. Privatsammlung © Nolde Stiftung Seebüll
02. Blumen und Wajangfiguren, 1928, © Nolde Stiftung Seebüll
03. und 04. Figuren aus der Sammlung Emil Nolde. © Nolde Stiftung Seebüll, Foto: Isabelle Hofmann
05. Dr. Karsten Müller, Leiter des Ernst Barlach-Hauses. Foto: Isabelle Hofmann

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Bildende Kunst > Emil Nolde - Puppen, Masken und Idole

Mehr auf KulturPort.De

Vienna Vocal Consort: Nostre Dame
 Vienna Vocal Consort: Nostre Dame



Das Vienna Vocal Consort zählt seit Gründung im Jahr 2007 zu Österreichs renommiertesten Vokalensembles für Alte Musik. Deren neues Album „Nostre Dame“  [ ... ]



„Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit
 „Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit



Wie viel Tragik verkraftet ein Film in Zeiten von „Wonder Woman” oder „Atomic Blonde”? Tough ist angesagt, und viele Kritiker reagierten eher störrisch  [ ... ]



Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend
 Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend



Der Schlafrock war schwarz und nicht rot, wie am Vorabend in der Elbphilharmonie. Entsprechend seriös, ganz leise und melodisch der Einstieg.
Chilly Gonzales l [ ... ]



Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel
 Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel



Dass „die Tonkunst eine rührend-kurze Freude (ist), die aus dem Nichts entsteht und ins Nichts vergeht... eine kleine fröhliche Insel... die auf dem dunklen, [ ... ]



Kassé Mady Diabaté – ein Ausflug in die westafrikanische Musik
 Kassé Mady Diabaté – ein Ausflug in die westafrikanische Musik



„La parole des anciens est secrée.“ (Das Wort des Ältesten ist heilig)

Das Mandingo-Reich (Manding) wurde im 13. Jahrhundert vom sagenhaften Mali-Kaiser [ ... ]



Rudi Stephan – Chamber Works and Songs
 Rudi Stephan – Chamber Works and Songs



Rudi Stephan (1887-1915) konnte sein Leben nicht lange leben, er konnte sein unglaublich großes musikalisch-kompositorisches Talent nicht vollständig ausreifen [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.