Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 826 Gäste online

Neue Kommentare

Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

Hanno Edelmann: Das ganze Leben im Dienst der Kunst

Drucken
(51 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 26. August 2011 um 22:13 Uhr
Hanno Edelmann: Das ganze Leben im Dienst der Kunst 4.2 out of 5 based on 51 votes.
Hanno Edelmann: Das ganze Leben im Dienst der Kunst

Es gibt Maler, denen gebührt einfach Hochachtung. Nicht, weil sie so avantgardistisch sind, internationale Berühmtheit erlangten oder Rekordpreise erzielten.
Nein, vielmehr, weil sie ihr ganzes Leben in den Dienst der Kunst stellten. Unbeirrt und gradlinig ihren Weg gingen, alle Entbehrungen, zum Teil auch Schmähungen, auf sich nahmen, um sich und ihrer Kunst treu zu bleiben.
Hanno Edelmann ist so ein Maler. Lange schon war es recht still um ihn geworden, nun steht sein Werk wieder im Rampenlicht: In einer großangelegten Schau zeigt die Galerie im Elysée derzeit eine Auswahl seiner Gemälde, Aquarelle und Farb-Lithographien.

Hanno Edelmann ist ein Geschichtenerzähler. Der Hamburger Künstler malt nicht nur einfach Figuren vor stark farbigen, informellen Hintergründen. Er malt Menschen mit Schicksalen. Viele halten den Kopf nachdenklich geneigt oder in die Hände gestützt, andere erscheinen so beredt, dass man sie direkt zu hören vermeint. Die beiden „Kritiker“ beispielsweise, die sich vor einem Bild mit Strichmännchen unterhalten. Die blau-graue Männergruppe, die verschwörerisch die Köpfe zusammensteckt, um ein „Kleines Geheimnis“ zu teilen. Oder der alte Mann mit Hut vor gelbem Grund, gleich zum Auftakt der Schau, der auf einem blauen Zettel die Frage aufgeschrieben hat: „Was ist Kunst?“ - und nun den Besucher so eindringlich anschaut, als erwarte er von ihm die Antwort. Was diese Figuren eint, ist die Melancholie, die sie verströmen. Und ihr seltsam altertümliches Erscheinungsbild Das komplette Personen-Repertoire des 87-jährigen Künstlers scheint aus einer anderen Welt, aus einer anderen Zeit zu stammen. Aus den Romanen von Balzac und Fontane, Dostojewski und Tschechow. „Der 100ste Geburtstag“, ein illustres Trinkgelage um einen weiß gedeckten Tisch, scheint von den Sittengemälden alter Holländer inspiriert. „Das Picknick“ paraphrasiert eindeutig Manets „Frühstück im Freien“. Besonders jedoch kommt einem Chagall in den Sinn – und das nicht nur wegen der gleichen intensiv-leuchtenden Farbigkeit. In Edelmanns Gemälden tauchen immer wieder alte Männer mit dunklen steifen Hüten und langen weißen Rauschebärten auf - ganz ähnlich denen, die wir aus Chagalls Bildern kennen. Das mag damit zusammenhängen, dass Hanno Edelmann 1944 in russische Kriegsgefangenschaft geriet und auf seinem Marsch nach Sibirien mit eben jenem eindrucksvollen Typus Mensch zusammentraf, den schon der gebürtige Weißrusse Chagall in seinen Werken festhielt.
In dem kleinen Katalog, der zur Ausstellung an der Rothenbaumchaussee herauskam, schildert Hanno Edelmann ein Erlebnis von diesem Marsch, das sein ganzes weiteres Schaffen beeinflussen sollte: Unterwegs war der Trupp deutscher Soldaten tagelang in einer Baracke zusammengepfercht, ohne Brot und ohne Hoffnung. Da bat ihn ein Mitgefangener: „Mal uns doch etwas“. Aus Holzkohle und zerriebenem Ziegelstein mischte sich Edelmann die Farben und überzog die weiß gestrichenen Wände mit seinen Figuren. „Du hast uns mit deinen Bildern ein Stück Hoffnung geschenkt“, sagte daraufhin ein älterer Soldat zu ihm. „Aus der Not heraus gibst Du ihnen ein Stück neues Leben“.
Dieses Erlebnis, so Hanno Edelmann, hätte ihn nach dem Krieg „gegen alle Verführungen der abstrakten Kunst“ gefeit. Für ihn war fortan klar, was Kunst ist und was sie bewirken soll: Menschen berühren, indem er ihrem Geist und ihrem Körper Gestalt verleiht. Dass die reine Malerei, die pure Lust an der Farbe deshalb nicht zu kurz kommt, zeigen seine gestischen, zum Teil recht heftigen und unerhört lebendigen Hintergründe – ganz ohne Form.

„Hanno Edelmann – Malerei, Farblithografien, Aquarelle“, bis 20. Oktober in der Galerie im Elysée, Rothenbaumchaussee 10, Hamburg-Rotherbaum.

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Bildende Kunst > Hanno Edelmann: Das ganze Leben im Dienst der...

Mehr auf KulturPort.De

Philippe Quesne: Die Nacht der Maulwürfe – magische Farborigien
 Philippe Quesne: Die Nacht der Maulwürfe – magische Farborigien



Es gibt sie noch, die wundersamen Glücksmomente im Theater, die gestandene Kritiker (und Kritikerinnen) mit großen Augen dasitzen und staunen lassen wie Kinder [ ... ]



Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“
 Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“



Was für ein ungewöhnliches Stück! Eines? Nein: Was für drei ungewöhnliche Stücke – so intelligent, humorvoll und hintersinnig!
Mariano Pensottis „Lod [ ... ]



Vienna Vocal Consort: Nostre Dame
 Vienna Vocal Consort: Nostre Dame



Das Vienna Vocal Consort zählt seit Gründung im Jahr 2007 zu Österreichs renommiertesten Vokalensembles für Alte Musik. Deren neues Album „Nostre Dame“  [ ... ]



„Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit
 „Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit



Wie viel Tragik verkraftet ein Film in Zeiten von „Wonder Woman” oder „Atomic Blonde”? Tough ist angesagt, und viele Kritiker reagierten eher störrisch  [ ... ]



Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend
 Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend



Der Schlafrock war schwarz und nicht rot, wie am Vorabend in der Elbphilharmonie. Entsprechend seriös, ganz leise und melodisch der Einstieg.
Chilly Gonzales l [ ... ]



Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel
 Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel



Dass „die Tonkunst eine rührend-kurze Freude (ist), die aus dem Nichts entsteht und ins Nichts vergeht... eine kleine fröhliche Insel... die auf dem dunklen, [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.