Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 854 Gäste online

Neue Kommentare

Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...
adarompf@gmx.de zu „Mahana – Eine Maori-Saga”. Zwischen Tradition und Tyrannei : In allen Facetten genaue Beschreibung des Films, ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

Hanno Edelmann: Das ganze Leben im Dienst der Kunst

Drucken
(50 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Isabelle Hofmann  -  Freitag, den 26. August 2011 um 22:13 Uhr
Hanno Edelmann: Das ganze Leben im Dienst der Kunst 4.2 out of 5 based on 50 votes.
Hanno Edelmann: Das ganze Leben im Dienst der Kunst

Es gibt Maler, denen gebührt einfach Hochachtung. Nicht, weil sie so avantgardistisch sind, internationale Berühmtheit erlangten oder Rekordpreise erzielten.
Nein, vielmehr, weil sie ihr ganzes Leben in den Dienst der Kunst stellten. Unbeirrt und gradlinig ihren Weg gingen, alle Entbehrungen, zum Teil auch Schmähungen, auf sich nahmen, um sich und ihrer Kunst treu zu bleiben.
Hanno Edelmann ist so ein Maler. Lange schon war es recht still um ihn geworden, nun steht sein Werk wieder im Rampenlicht: In einer großangelegten Schau zeigt die Galerie im Elysée derzeit eine Auswahl seiner Gemälde, Aquarelle und Farb-Lithographien.

Hanno Edelmann ist ein Geschichtenerzähler. Der Hamburger Künstler malt nicht nur einfach Figuren vor stark farbigen, informellen Hintergründen. Er malt Menschen mit Schicksalen. Viele halten den Kopf nachdenklich geneigt oder in die Hände gestützt, andere erscheinen so beredt, dass man sie direkt zu hören vermeint. Die beiden „Kritiker“ beispielsweise, die sich vor einem Bild mit Strichmännchen unterhalten. Die blau-graue Männergruppe, die verschwörerisch die Köpfe zusammensteckt, um ein „Kleines Geheimnis“ zu teilen. Oder der alte Mann mit Hut vor gelbem Grund, gleich zum Auftakt der Schau, der auf einem blauen Zettel die Frage aufgeschrieben hat: „Was ist Kunst?“ - und nun den Besucher so eindringlich anschaut, als erwarte er von ihm die Antwort. Was diese Figuren eint, ist die Melancholie, die sie verströmen. Und ihr seltsam altertümliches Erscheinungsbild Das komplette Personen-Repertoire des 87-jährigen Künstlers scheint aus einer anderen Welt, aus einer anderen Zeit zu stammen. Aus den Romanen von Balzac und Fontane, Dostojewski und Tschechow. „Der 100ste Geburtstag“, ein illustres Trinkgelage um einen weiß gedeckten Tisch, scheint von den Sittengemälden alter Holländer inspiriert. „Das Picknick“ paraphrasiert eindeutig Manets „Frühstück im Freien“. Besonders jedoch kommt einem Chagall in den Sinn – und das nicht nur wegen der gleichen intensiv-leuchtenden Farbigkeit. In Edelmanns Gemälden tauchen immer wieder alte Männer mit dunklen steifen Hüten und langen weißen Rauschebärten auf - ganz ähnlich denen, die wir aus Chagalls Bildern kennen. Das mag damit zusammenhängen, dass Hanno Edelmann 1944 in russische Kriegsgefangenschaft geriet und auf seinem Marsch nach Sibirien mit eben jenem eindrucksvollen Typus Mensch zusammentraf, den schon der gebürtige Weißrusse Chagall in seinen Werken festhielt.
In dem kleinen Katalog, der zur Ausstellung an der Rothenbaumchaussee herauskam, schildert Hanno Edelmann ein Erlebnis von diesem Marsch, das sein ganzes weiteres Schaffen beeinflussen sollte: Unterwegs war der Trupp deutscher Soldaten tagelang in einer Baracke zusammengepfercht, ohne Brot und ohne Hoffnung. Da bat ihn ein Mitgefangener: „Mal uns doch etwas“. Aus Holzkohle und zerriebenem Ziegelstein mischte sich Edelmann die Farben und überzog die weiß gestrichenen Wände mit seinen Figuren. „Du hast uns mit deinen Bildern ein Stück Hoffnung geschenkt“, sagte daraufhin ein älterer Soldat zu ihm. „Aus der Not heraus gibst Du ihnen ein Stück neues Leben“.
Dieses Erlebnis, so Hanno Edelmann, hätte ihn nach dem Krieg „gegen alle Verführungen der abstrakten Kunst“ gefeit. Für ihn war fortan klar, was Kunst ist und was sie bewirken soll: Menschen berühren, indem er ihrem Geist und ihrem Körper Gestalt verleiht. Dass die reine Malerei, die pure Lust an der Farbe deshalb nicht zu kurz kommt, zeigen seine gestischen, zum Teil recht heftigen und unerhört lebendigen Hintergründe – ganz ohne Form.

„Hanno Edelmann – Malerei, Farblithografien, Aquarelle“, bis 20. Oktober in der Galerie im Elysée, Rothenbaumchaussee 10, Hamburg-Rotherbaum.

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Ope [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch
 Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch



„Manchmal fotografiert man die Welt, um sie und sich selbst besser verstehen zu können, eignet sich Dinge durch Abbilder an, um sie sich zu gegebener Zeit [ ... ]



Saisonstart mit philharmonischem Glück und symphonischem Tiefgang
 Saisonstart mit philharmonischem Glück und symphonischem Tiefgang



Die Hamburger Philharmoniker mit Kent Nagano punkten bei ihrer Saisoneröffnung mit Brahms’ Erster. Die Symphoniker Hamburg holen mit Thomas Adè [ ... ]



OKRA – Piano & Field Recordings
 OKRA – Piano & Field Recordings



Die Okra, auch Gemüse-Eibisch, ist eine Gewächsart aus der Familie der Malvengewächse. Sie ist eine aus dem Hochland Ostafrikas stammende Pflanze, [ ... ]



Jonas Burgert – Hälfte Schläfe
 Jonas Burgert – Hälfte Schläfe



Die Hamburger Produzentengalerie in der Admiralitätsstraße zeigt bis zum 30. Oktober 2016 Werke von Jonas Burgert. Seit der Ausstellung „Geschichtenerzä [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live