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Bildende Kunst

Rolf Roses "Farbkörper" im Museum in Itzehoe

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Donnerstag, den 10. März 2011 um 17:40 Uhr
Rolf Roses "Farbkörper" im Museum in Itzehoe 4.6 out of 5 based on 123 votes.
Rolf Roses

Rolf Rose ist Maler, einer der wichtigsten und konsequentesten den ich kenne. Seine Werkschau im Wenzel-Hablik-Museum in Itzehoe ist zwar keine Retrospektive, aber sie gibt zumindest einen Einblick, in ein überaus spannendes Werk.
Rose kam erst spät und als Autodidakt zur Malerei. Der 1933 in Halberstadt geborene Künstler reiste als zwanzigjähriger nach Hamburg, um zehn Jahre später dann endlich das zu tun, was er schon als Schüler tun wollte: Kunst machen.

Claus Friede traf Rolf Rose in seinem Atelier, einer alten Mühle in Krempe, 50 km nordwestlich von Hamburg.

Claus Friede (CF): Warum stellst du als Künstler in einem Museum aus, das für Architektur steht?

Rolf Rose (RR): Zunächst ist da meine Beziehung zu meiner Kreisstadt, die Nähe zu Itzehoe. Außerdem kenne ich das Gebäude und die Räume noch aus der Zeit, als es das des Steinburger Künstlerbunds war. Und schließlich hat die Kunst eine Beziehung zur Architektur und umgekehrt. Das gilt für meine Arbeit, wie für die von Stefan Balkenhohl, der vor einiger Zeit dort ausstellte.
Ich bin seit 1980 im Landkreis Steinburg, habe mein Atelier hier, das ich mir in der Form in Hamburg nicht leisten könnte und habe dennoch die schnelle Verbindung nach Hamburg. Es ist also auch die Verbundenheit, die eine Rolle spielt.

CF: Und konkret der Architekturbezug?

RR: Wenzel Hablik ist, wie ich, hier hängen geblieben. Er hat hierher geheiratet, seine Architektur- und Möbelentwürfe erarbeitet und auch Bilder gemalt. Gute Werke dabei – nicht alles – aber das meiste sehenswert. Er war sehr gut aufgenommen und aufgehoben in seiner neuen deutschen Familie als Tscheche und konnte es sich bis zu seinem Tod leisten, qualitätsvolle Arbeiten zu entwerfen und herstellen zu lassen.

CF: Das mag sein, aber mir fällt gerade auf, dass seine Arbeit kontrapunktisch zu Schleswig-Holstein ist. Er stammte aus Böhmen und seine Werke sind von der Auffassung und dem Aussehen nach, dorthin gebunden. Er lebte in Brüx, einer hügeligen bis bergigen Gegend und seinen Arbeiten sieht man das an. Es ist vollkommen untypisch für Norddeutschland, behaupte ich. Ich kann sein Werk hier nicht wirklich verorten...

RR: Ja, stimmt. Ich bin auch nicht von hier, 1953 nach Hamburg gekommen und seit 1980 in Krempe. Ich fühle mich nicht als Schleswig-Holsteiner. Man wird ja auch nicht mal eben Hamburger, wie du weißt! Für Wenzel Hablik war das damals wohl schwierig im Anfang und er hat in seiner Arbeit seine Heimat weitergedacht. Ich bin hier aufgenommen und integriert. Aber richtig, in seinem Werk ist nichts Norddeutsches.

CF: Bei dir ist es anders, da gibt es keinerlei Verortung in deinem Werk.

RR: Ich komme aus dem Harz und der ist geprägt von Ein- und Durchwanderern, das hat auch auf mich früh gewirkt. Aber dann ziehe ich als zwanzigjähriger nach Hamburg und die Umstellung ist gigantisch gewesen. Wie alle Idioten habe ich gedacht, Hamburg liege am Meer... ja, so war es.
Ich hab mir Arbeit gesucht, mit zwei Ost-Mark in der Tasche. Ich bin erst einmal zur Sozialstation in der Nähe des Gänsemarkts gelaufen. Da erhielt ich dann eine Straßenbahnfahrkarte zur Humboldtstraße in Barmbek, denn dort lag das Bodelschwingh-Heim, indem ich erst einmal untergekommen bin. Zuerst hab ich als Zeitungsbote gejobbt – 16 Stunden mit Stadtplan in der Hand und das Fahrrad vorne und hinten voller Zeitungen; dann später als Packer gearbeitet und schließlich habe ich bei einer Versicherung angefangen. Durch einen Freund erhielt ich einen Job in einer Werbeagentur, in der ich bis 1964 blieb. In dem Jahr war ich 30 Jahre alt und ich musste mir überlegen, bleibst du nun ein Leben lang in der Werbung oder willst du was anderes tun. Ich entschied mich also für die Kunst. Das wollte ich bereits in der Schule machen, aber es gab für mich keine Möglichkeiten Kunst zu studieren, wie sollte man damit als Anfänger im Nachkriegsdeutschland überleben? Und dann komme ich auch noch aus einem bürgerlichen Haushalt. Da war das unüblich, man wurde Jurist oder Beamter, aber nicht Maler. Aber mit 30 wollte ich auch nicht, dass mir noch jemand sagt: Rose, Du wirst jetzt Zahnarzt! Nein, ich wollte das machen, was ich wollte und das war und ist eine sehr gute Entscheidung gewesen.
Ich habe aber eben nicht vier Jahre auf der Akademie verbracht. Da hätte ich zwar Freiräume gehabt, mit einer gewissen Leichtigkeit arbeiten und mir Zeit nehmen können. Aber seit den späten 1960er-Jahren ist das auf Kunsthochschulen schon anders gelaufen, die Fokussierungen auf den Markt und den Erfolg waren so mächtig. Für mich war die Auseinandersetzung mit Malerei wichtig. Ich musste mit mir selbst ins Reine kommen, um das zu finden, was ich machen wollte.
Erfindungen in der Malerei kann man sich nicht ausdenken. Ich glaube alles basiert auf Vorbildern, und man muss dann solange mit den Vorbildern arbeiten, bis man über sie hinwegkommt, um zu sich selber zu kommen. Und wenn man das geschafft hat, ist man schon mal sehr weit gekommen. Dann geht es erst richtig los, weil man noch woanders hinkommen muss: Bilder haben ihr Eigenleben! Es gibt nämlich ein Problem und das lautet: Ich weiß weder wo ein Bild anfängt, noch wo es aufhört. Das ist die Herausforderung, die das Bild an den Künstler stellt. Ich muss das Bild als eigenständiges Objekt begreifen – ich hätte fast Subjekt gesagt. Die Fertigstellung ergibt sich, wenn die Forderung des Bildes an den Maler als Aufgabe gelöst ist. Und genau dann bin ich dem Bild verhaftet und ich sehe das zum Schluss ganz genau.

CF: Das klingt wie die Kernaussage deiner künstlerischen Arbeit, die Quintessenz deines Werks, auch mit dem von dir angewandten "All-Over-Prinzip", über die Leinwand hinauszudenken...

RR: So ist es und ich bin absichtlich jetzt und hier auf das Thema gekommen, weil ich lange dachte: Na, da male ich nun ein tolles Bild, das haue ich da so hin und es ist dann ganz großartig. Daran glaube ich nicht mehr! Ich glaube weder an die große Idee, noch an den richtigen Zeitpunkt. Ich glaube nur an stetige, ruhige, gelassene Arbeit und manchmal an einen gewissen Druck und auch mal an Verzweiflung. Letztgenannte sind wichtig, damit es nicht langweilig wird. Diese Erfahrungswerte sind die, die prägen. Und die kann man als junger Mensch noch nicht haben, die erfährt man nur über einen langen intensiven Prozess. Erfahrungen in Kombination mit Flexibilität, Unvoreingenommenheit, Freiheit und zerstören können – all diese Dinge.


 

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