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Haure Madjid: Das Ornament als Paradoxie der Erscheinung

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Geschrieben von Necmi Soenmez und Haure Madjid  -  Mittwoch, den 03. November 2010 um 00:31 Uhr
Haure Madjid: Das Ornament als Paradoxie der Erscheinung 4.4 out of 5 based on 80 votes.
Haure Madjid: Das Ornament als Paradoxie der Erscheinung

Seit 2008 vergibt die in Düsseldorf ansässige und mit einer Repräsentanz in Abu Dhabi arbeitende Lepsien Art Foundation eine Patenschaft an einen der Stipendiaten des internationalen Förderprogramms junger Kunst in Düsseldorf. Nach der Malerin Larissa Bart (2008/09) und dem aus Taiwan stammenden Bildhauer Yin Ming-Ming (2009/10) erhielt der Irakische Maler und Zeichner Haure Madjid die diesjährige Patenschaft.
In seinen Werken stellen Ornamente ein wichtiges Thema dar. Seine aktuellen Arbeiten sind durch florale Zeichnungen, arabeske Linien und Ornamente geprägt. „Für mich ist das Thema Ornament in der Malerei insoweit interessant, als dass es seine universelle und autonome Sprache nicht verliert. Anfang des 19. Jahrhunderts beeinflussten Ornamente den romantischen Maler Philipp Otto Runge, und zu diesem Zeitpunkt hat die Geschichte des Ornaments in der europäischen Malerei begonnen. Bis jetzt fasziniert das Ornament die Künstler, egal woher sie stammen“, so Haure Madjid.

Auf Grund seiner außergewöhnlichen Leistungen und Werksbeiträge in der Künstler-Edition 2009/10 erhielt er nun die Patenschaft der Lepsien Art Foundation. Im Rahmen der Patenschaft wird Haure Madjid eine eigene Siebdruck Edition mit 5 Werken, limitiert in 30er Auflage im Format 70 x 100 cm erarbeiten und über die Lepsien Art Foundation exklusiv herausgeben. Die Edition erscheint im Frühjahr 2011.

„Haure Madjid hat bei den Künstlereditionen, die im Rahmen des Förderprogramms 2009/10 zusammen mit den anderen Stipendiaten erstellt wurden außerordentliche Werksbeiträge geleistet und künstlerische Schaffenskraft, Qualität und Talent bewiesen. Die Lepsien Art Foundation möchte ihn in diesem Bereich weiterhin nachhaltig unterstützen und fördern. Wir freuen uns auf einen interessanten Austausch und sind äußerst gespannt auf die entstehende Edition im Rahmend der Patenschaft“, so Eigentümer und Direktor Christian Lepsien.

Der Kurator Dr. Necmi Soenmez sprach mit dem Künstler Haure Madjid über das „Das Ornament als Paradoxie der Erscheinung“

Necmi Soenmez (NS): Du hast auch in Sulaimaniya im Irak Kunst studiert. Wie waren deine ersten Eindrücke an der Kunstakademie Düsseldorf?

Haure Madjid (HM)
: Während des Studiums im Irak mussten wir viel zeichnen, und als Studienaufgaben mussten wir die Arbeiten von Künstlern wie Da Vinci, Michelangelo, Raffael, El Greco, Rubens, Velazquez, Vermeer u. a. kopieren. Das war meine erste Begegnung mit der europäischen Kunst, Kunstgeschichte und der Malerei. Meine letzten Arbeiten im Irak waren beeinflusst von der deutschen expressionistischen Malerei. Die erste Erfahrung an der Kunstakademie Düsseldorf war sehr positiv. Ich war sehr erstaunt über die Freiheit und den freien Geist. Das war eine sehr gute Erfahrung. Ich bin froh, dass ich dort studiert habe.

NS: Deine aktuellen Arbeiten sind durch florale Zeichnungen, arabeske Linien und Ornamente geprägt. Wie waren deine früheren Arbeiten? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen früheren und jetzigen Kompositionen?

HM: Ich habe mich immer für das Ornament interessiert, aber während meines Studiums in Düsseldorf und auch danach habe ich angefangen mich mit dem Thema intensiver auseinanderzusetzen. Meine Arbeiten aus dieser Zeit bestehen eher aus geometrischen Formen. Ich habe ein Ornament als Vorlage für meine Arbeit verwendet. Das Ornament ist als Fragment einer Arabeske entnommen und wurde auf eine großformatige Leinwand vergrößert. In meinen frühen Arbeiten existierten die Kompositionen schon, bevor ich mit dem Malen begonnen habe. Aber in meinen jetzigen Arbeiten ist der Prozess eher umgekehrt. Ich beziehe mich auf eine bestimmte Arbeit aus verschiedenen Epochen des Ornaments, nehme sie aber nicht als Vorlage, sondern lasse diese Arbeit auf mich wirken, dann fange ich mit dem Malen an. Wenn ich mit dem Bild fertig bin, bin ich häufig sehr überrascht, was für ein Bild entstanden ist. Inhaltlich haben die Arbeiten durch das zugrundeliegende Ornament Gemeinsamkeiten, aber die Umsetzung der Idee ist sehr unterschiedlich.

NS: Geprägt von den Kriegserlebnissen im Irak und inspiriert von dem Color-Field-Painting und von Künstlern wie Philip Taaffe, Bernard Frieze und Fabian Marcaccio hast du zu einer ganz interessanten Bildsprache mit amorph-organischen Formen und kleinteiligen Strukturelementen gefunden. Hier sieht man eine gewisse Symbiose zwischen Ost und West, zwischen klassischer islamischer Kunst und Gegenwartskunst. Wie gehst du mit solchen Interpretationen um?

HM: Natürlich spielt meine Herkunft auf verschiedenen Ebenen eine große Rolle in meinen Arbeiten. Die Kriegserlebnisse prägen die Menschen auf verschiedene Art und Weise. In den Arbeiten von Künstlern spiegeln sich solche Erfahrungen bewusst oder unbewusst wider. Ich werde es dem Betrachter überlassen, inwieweit er in meinen Arbeiten solche Momente wahrnimmt. Die erwähnten Künstler vertreten für mich sehr interessante Positionen in der zeitgenössischen Malerei, weil sie neue und radikale Perspektiven in der Malerei eröffnet haben. Für mich ist das Thema Ornament in der Malerei insoweit interessant, als dass es seine universelle und autonome Sprache nicht verliert. Ich verstehe meine Kunst nicht als eine Verbindung zwischen Ost und West und kann deshalb Begriffe und Interpretationen wie Brücke,
Dialog etc. nicht nachvollziehen. Anfang des 19. Jahrhunderts beeinflussten Ornamente den romantischen Maler Philipp Otto Runge, und zu diesem Zeitpunkt hat die Geschichte des Ornaments in der europäischen Malerei begonnen. Bis jetzt fasziniert das Ornament die Künstler, egal woher sie stammen. Mich fasziniert sowohl das Ornament mit seiner langen Geschichte als auch die europäische Kunst.

NS: Wenn man die Details deiner Arbeiten genau anschaut, sieht man zwischen den üppigen Blumenmustern verschiedene „Schichten“, die sich wiederum an organischen Strukturen orientieren. Zwischen diesen Elementen entwickeln sich oft „unheimliche Momente“, die der Betrachter nicht genau identifizieren kann. Wie entstehen solche Momente und wie sollen sie interpretiert werden?

HM: Ich weiß auch nicht, wie solche Momente entstehen. Ich vermute, es hat viel mit meinem Arbeitsprozess zu tun. Ich habe eine leere Leinwand vor mir, ich beginne mit dem Malen, ich habe aber keine genaue Idee, wo das Bild anfangen und enden soll. Ich tauche in das Bild ein. Während der Arbeit verliere ich die Orientierung, das Einzige, woran ich mich halten kann, ist diese kleine notizartige Skizze, die ich vorher gezeichnet habe, und der Prozess des Malens selbst, darauf konzentriere ich mich. Darüber hinaus gibt es meine kritische Interpretation des Themas Ornament und meine Zweifel an der Vorstellung vom Ornament als Utopie des paradiesischen Gartens. Philip Taaffe sagt über seine Bilder: „Ich stelle mir einen Ort vor, den es nicht gibt, und dieser Ort wird zum Gemälde. Das ist der Ort, den ich bewohnen will. Beim Arbeiten an den Bildern empfinde ich diese sehr stark als einen bewohn baren Ort“. Ich empfinde meine Bilder demgegenüber als Orte, die nicht bewohnbar scheinen. Sie zeigen Orte, die keine bestimmten Definitionen zulassen.

NS: Ich habe einige Zeichenblöcke in deinem Atelier gesehen. Beruhen deine großformatigen Leinwände auf Zeichnungen?

HM: Die Zeichnungen sind für mich wie kleine Notizen und Einleitungen für meinen gesamten Arbeitsprozess. Die Zeichnungen sind keine unmittelbaren Vorlagen für meine großformatigen Leinwände, aber ohne diese Notizen kann ich mir nicht vorstellen, die Arbeiten entstehen zu lassen.


 

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