Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 886 Gäste online

Neue Kommentare

Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

Jos Letschert: Double Dutch

Drucken
(116 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 26. Oktober 2010 um 16:09 Uhr
Jos Letschert: Double Dutch 4.5 out of 5 based on 116 votes.
Jos Letschert: Double Dutch

Der Niederländer Jos Letschert präsentiert in der Galerie des Levantehauses an der Mönckebergstraße in Hamburg eine Auswahl seiner Bilder und Zeichnungen in der Ausstellung „Double Dutch“.
Der Titel umspielt unterschiedliche Assoziationen des doppelten Holländers. Double Dutch meint zum einen ein Kinderspiel mit zwei Springseilen, die von zwei Personen in Gegenrichtung zueinander bewegt werden und einer weiteren Person, die sich tänzerisch und rhythmisch dem vorgegebenen Takt der Seile springend unterordnen muss. Außerdem erklärt Jos Letschert augenzwinkernd, dass der Begriff für all jene verwendet wird, die wenig Sprachbegabung haben.

Primär gemeint sind jedoch seine zwei unterschiedlichen künstlerischen Auffassungen, die in der Ausstellung deutlich zu sehen sind. Da begegnet dem Betrachter einerseits die ungegenständliche Malerei, die sich zwischen abstrakter, architektonischer und amorpher Formgestalt bewegt und in der der Künstler auch die physikalischen Eigenschaften von unterschiedlichen Materialien thematisiert und anderseits einer Auswahl von Zeichnungen, die skurrile Portraits und Figuren darstellen. Die Zeichnungen bewegen sich zwischen Karikatur, Modezeichnung und expressiv-realistischen Charakterstudien.
Wie die berühmten zwei Seiten einer Medaille hat auch der Künstler zwei unterschiedliche und scheinbar eigenständige Haltungen.

Die Malerei lebt von Farbräumen, die Jos Letschert auf unterschiedliche Art und Weise und mit unterschiedlichen Mitteln auf die Leinwand bringt. Er selbst bezeichnet seine Arbeit als „Intuitiven Expressionismus“. Intuitiv deshalb, weil er seine Werke und den Bildaufbau nicht plant, sondern sich während des Arbeitsprozesses schrittweise erschließt. Besonders sichtbar wird das in den Schichtungen und Übermalungen, die Kombination von festen geometrischen Feldern, die man als Reminiszenz an die niederländische konkrete Kunst lesen könnte, gepaart mit amorphen Formen, die an die Werke der abstrakten Expressionisten, eines Mark Rothko oder Clifford Stills erinnern. In vielen Bildern findet man auf der Leinwand weitere Materialien wie Bambuspapier, Karton oder Kunststoff eingearbeitet, die er mit der Acrylfarbe und einem farbdichten Aufstrich regelrecht auf die Leinwand klebt. So wirken die Bilder – je nach Nähe des Auges des Betrachters sehr unterschiedlich in ihrer Konsistenz und ihrem Ausdruck. Der Künstler hat zumeist ein untrügliches intuitives Gespür für Form und Komposition, für Farbwirkung und Materialität. Allerdings darf der Künstler nicht zu routiniert und formalistisch werden, weil dann die Bilder Gefahr laufen ins Dekorative abzurutschen, was ihm durchaus hier und da in der Ausstellung unterläuft.

Besonders beeindruckend sind jene titellosen Bilder, bei denen der Künstler unterschiedliche physikalische Eigenschaften der Farbe aufeinander treffen lässt. Der Auftrag von wasserlöslicher Acrylfarbe auf einem ölhaltigen Untergrund, lässt die Farbe brechen. Es bilden sich Farbinseln, die wie aus der Vogelperspektive gemalt erscheinen – wie Kartographien und entrückte Landschaften. Aus der Entfernung sieht der Besucher eine Landschaft mit Horizontlinie und den Charakteristiken einer solchen, kommt man dichter an das Bild heran, verdreht sich regelrecht die Perspektive und man meint, von oben herab auf eine Landschaft zu blicken. Dieser perspektivische Bruch, diese Doppelwirkung funktioniert wie ein gekonnter Trick, das Gesehene zu hinterfragen und sich nicht darauf zu verlassen, was einmal erster Eindruck war.

Die Zeichnungen im Kabinettraum der Galerie sind von ganz anderem Kaliber. In großen, zusammenhängenden Blöcken präsentiert, ziehen sich gerahmte, aquarellierte Federzeichnungen an den Wänden entlang. Sie zeigen Portraits und Figuren, fragmentarisch, ironisch bis humorvoll überhöht und mit leichter, routinierter, teilweise unruhiger Feder gezeichnet. Im Weglassen von Elementen und dem gekonnten Setzen von Leerstellen wird die deskriptive, gezeichnete Situation noch stärker, weil der Betrachter sich selbst einbringen kann und die weißen Stellen auf den Blättern füllt. Einige Grafiken oszillieren zwischen Modezeichnungen der 1920er-Jahre, Skizzenblättern des Realisten George Grosz und etwas frechen, aber innovativen Überlegungen, was die Frau von Heute tragen könnte. Da hilft das humorvolle Wesen des Künstlers kräftig mit.


Jos Letschert (*1948) studierte Ende der 1970er Jahre an der Kunstakademie in Amersfoort Bildhauerei und Lehramt. Später arbeitete er als Projektleiter für Bildungsfragen und leitete viele Jahre die Forschungsabteilung des Nationalen Curriculuminstituts der Niederlande in Enschede. Parallel unterrichtete Letschert als Professor an der Universität Twente (Utrecht). Seit Mai 2010 ist er erimitiert und arbeitet ausschließlich als Maler und Zeichner in Bad Salzuflen bei Herford.

Ausstellung: Jos Letschert "Double Dutch", noch bis zum 20. November 2010.
Zu sehen in der Galerie im Levantehaus, Mönckebergstraße 7 (Obergeschoss), 20095 Hamburg.
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 12-19h, Sa. 12-18h

Bildnachweise: © Jos Letschert. Die Zeichnungen stammen aus der Publikation „Peters Diät“, Detmold, 2008.
Fotos: Beate Letschert.

 

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Bildende Kunst > Jos Letschert: Double Dutch

Mehr auf KulturPort.De

Philippe Quesne: Die Nacht der Maulwürfe – magische Farborigien
 Philippe Quesne: Die Nacht der Maulwürfe – magische Farborigien



Es gibt sie noch, die wundersamen Glücksmomente im Theater, die gestandene Kritiker (und Kritikerinnen) mit großen Augen dasitzen und staunen lassen wie Kinder [ ... ]



Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“
 Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“



Was für ein ungewöhnliches Stück! Eines? Nein: Was für drei ungewöhnliche Stücke – so intelligent, humorvoll und hintersinnig!
Mariano Pensottis „Lod [ ... ]



Vienna Vocal Consort: Nostre Dame
 Vienna Vocal Consort: Nostre Dame



Das Vienna Vocal Consort zählt seit Gründung im Jahr 2007 zu Österreichs renommiertesten Vokalensembles für Alte Musik. Deren neues Album „Nostre Dame“  [ ... ]



„Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit
 „Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit



Wie viel Tragik verkraftet ein Film in Zeiten von „Wonder Woman” oder „Atomic Blonde”? Tough ist angesagt, und viele Kritiker reagierten eher störrisch  [ ... ]



Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend
 Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend



Der Schlafrock war schwarz und nicht rot, wie am Vorabend in der Elbphilharmonie. Entsprechend seriös, ganz leise und melodisch der Einstieg.
Chilly Gonzales l [ ... ]



Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel
 Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel



Dass „die Tonkunst eine rührend-kurze Freude (ist), die aus dem Nichts entsteht und ins Nichts vergeht... eine kleine fröhliche Insel... die auf dem dunklen, [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.