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Bildende Kunst

Im Gespräch: Claus Friede mit dem Maler und Unternehmer Klaus Markert

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Geschrieben von Claus Friede  -  Freitag, den 19. März 2010 um 01:00 Uhr
Im Gespräch: Claus Friede mit dem Maler und Unternehmer Klaus Markert 4.5 out of 5 based on 108 votes.
CF: Sie sagten gerade, sie wollten so malen wie die Maler. Das ist ein Verweis auf andere Künstler. Wie malten denn die anderen und wo hatten sie Ihre Vorbilder?

KM: Meine Vorbilder waren Nolde, die Expressionisten Heckel, Kirchner und die französische Gruppe der ‚Fauves’. Damals, in den 1950er Jahren, gab es für mich noch nicht den Zugang zu Kunstbüchern und so blieb ich bei den zugänglichen Bildern, die eine besondere Kraft auf mich ausübten. Ich bin damals nie auf die Idee gekommen eines dieser Bilder zu kaufen. Meine Familie hätte das können. Und heute frage ich mich im Nachhinein warum ich das damals nie tat. Die Hamburger Galerie wie Commeter bot kleine Noldes an, aber auf die Idee diese zu kaufen bin ich nicht gekommen. Vielleicht habe ich gedacht: Das kann ich doch auch selbst... Schön und schrecklich eingebildet... (lacht)

CF: Nun klingt es bisher so, dass Ihr vorgezeichneter Lebensweg hätte sein können: Ich werde Maler. Sie sind nun hauptberuflich Unternehmer geworden. Gab es einen inneren Konflikt oder die Überlegung den Konventionen der Familie, des Vaters nicht zu folgen und Künstler zu werden? Oder anders gefragt: Sind Sie im Herzen Maler und im Verstand Unternehmer?

KM: Letzteres könnte man sagen! Aber einen Konflikt gab es eigentlich nicht. Schon früh wollte ich die Firmen meines Vaters übernehmen. Bereits als Kind erhielt ich meine Prägung - ich bekam Spielzeug, da stand mein Name drauf und selbst später auf den Autos, die ich geschenkt bekam, stand mein Name drauf. Ich habe es ganz normal empfunden, dass ich in einen kaufmännischen Beruf gehe. Ich wollte mir auch von Beginn an die Möglichkeit schaffen, Geld zu verdienen, denn ich sah schon schnell, welche finanziellen Probleme Maler hatten. Es gab in mir keinen Zweifel: Ich bin gern Kaufmann geworden, obwohl die Lehrjahre schrecklich für mich waren, weil ich mich nicht einfügen konnte. Aber diese Zeit ging dann auch vorbei und ich bin dann baldigst in verschiedene Firmen gegangen, machte Volontärzeiten und meinen Abschluss als Groß- und Außenhandelskaufmann. Nein, es gab keinen Konflikt. Mit meiner Malerei wollte ich auch etwas erreichen und leisten. Ich habe meine Werke auch früh gezeigt und ausgestellt. In den 1970ger Jahren kamen dann richtige Ausstellungen.

CF: Lassen Sie uns einmal auf Ihre Inhalte, auf die Motive zu sprechen kommen. Ich habe den Eindruck die Motivik ist mit den Orten Ihrer Biographie verknüpft. Sie zeigen Städte, in denen Sie waren, Landschaften, die Sie lieben sowie Gegenstände und Dinge, die Sie umgeben, sie zeigen den Sie umfassenden Kosmos... Und dann gibt es eine große Serie an informellen Bildern. Wann malen Sie was?

KM: Ich möchte mit den abstrakten Bildern anfangen. Ich habe lange darum gekämpft und bin erst recht spät, in den 1980er Jahren dazu gekommen, Bilder zu malen, die an die informelle Malerei erinnern. Ich fand das Abstrakte und die Informellen immer sehr anregend und spannend, konnte aber selbst noch keine zufriedenstellenden Bilder malen. Ich tat mich lange schwer damit.
Bei den Landschaften und Stillleben wollte ich das malen was mich umgab. Im Winter, wenn es kalt draußen war hab ich Stillleben und Interieurs gemacht und wenn das Wetter gut wurde bin ich in die Landschaft hinaus. Allerdings habe ich äußerst selten in der Natur gemalt – so wie das Klaus Fußmann macht – das ist mir nie gelungen und ich habe mich dann die paar Mal, wo ich es probierte, so eingesaut mit den Ölfarben, dass ich die Wut bekam. Außerdem bekam ich die Bilder auch nicht richtig transportiert wenn sie fertig waren, weil die Ölfarbe noch nass war.
1985 hab ich mal mit einem Freund in Südfrankreich vor der Natur gemalt und da dachte ich dann immer: Meine Bilder werden zu farbig. Ich habe lieber Zeichnungen angefertigt und fotografiert. Dann habe ich mich auch gewagt von einer Fotografie abzumalen. Gewagt deshalb, weil ich dachte dass die fotografierte Landschaft nicht das Wahre und Ehrliche sei.

CF:
Ihre Beschreibung bringt mich direkt zu meiner nächsten Frage. Ich würde gerne Ihr Verhältnis wissen von festhalten und loslassen können. Sie mussten sich wagen von Fotos zu malen, die taten sich schwer mit dem Informellen. Wann hatten Sie die Momente erreicht, loslassen zu können? Wann brauchten Sie den vermeintlichen Regeln nicht mehr zu folgen?

KM: Immer dann wenn ich etwas erkannt habe. Ich hatte den Vorteil viel zu reisen und die unterschiedlichsten Motive malen zu können und an anderen Orten sieht man Dinge auch anders. Und dann wurde ich von Dritten darauf hingewiesen als mir jemand sagte, ich könne ruhig auch von Fotografien malen.
Ich hatte kein Atelier, ich malte meistens im Kreis der Familie, in der Küche, unsere Kinder oder Freunde waren um mich herum und viele erinnern sich auch heute noch daran. Sie sagen: „Ich war dabei als dieses Bild entstand.“ Ich wollte mich nicht zurückziehen und musste auch nicht so konzentriert sein, dass mich andere gestört hätten. Ich habe auch zwischendurch dann aufgehört zu malen und dann wieder weiter gemacht. Und ich habe relativ schnell gemalt. Wenn mir dann einer die blöde Frage stellte: „Wie lange hast Du denn an einem solchen Bild gearbeitet?“, dann sagte ich die Wahrheit und hab mich geschämt, dass es nur eine Stunde war. Und prompt schrieb eine Zeitung zu meiner Ausstellung in Reinbek: Der Schnellmaler stellt aus.
Andererseits war ich beim Malen nie entspannt! Ich hab mich gemüht, war sauer über mich, wenn mir etwas nicht gelungen war. Ich habe immer höchsten Respekt vor Malern, die sich ein Ziel setzten und das auch erreichten. Ich hatte oft ein Zeil, wollte eine Landschaft malen, aber es konnte dann passieren, dass daraus ein Stillleben wurde.

CF: Ja, aber das ist meines Erachtens auch ein wichtiger Teil des Loslassen-Könnens. Und Sie haben offensichtlich nicht in einem ‚Elfenbeinturm’ gearbeitet. Der wiederum ist mit Kunsttheorie verknüpft. Ist Ihnen Theorie wichtig in der Malerei?

KM: Die Kunsttheorie spielt für mich überhaupt keine Rolle. Im Gegenteil. Ich habe einmal überlegt, ob ich mich am Lerchenfeld (Anm. der Red. Hochschule für Bildende Künste Hamburg) ausbilden lasse. Damals hatte der Maler Ivo Hauptmann dort eine führende Position und ich schätzte seine Bilder sehr, aber ich hatte die Furcht, dass am Ende nicht mehr das herauskommt, was ich gerne wollte, deshalb hab ich dann das Studium gelassen.


 

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