Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 953 Gäste online

Neue Kommentare

Dr. Seán Ó Riain, Irische Botschaft, Wien zu Hamburg vergibt Förderpreise für Literatur und literarische Übersetzungen 2017: Ich gratuliere recht herzlich Frau Gabriele Haefs...
Herby Neubacher zu Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden: Die Geschmacklosigkeit schreckt wirklich heute vo...
Sabine Carbon zu „Karl Marx, Das Kapital“. Eine Hommage im Museum der Arbeit: Bei zu viel Text hilft vielleicht unser Kinderbuc...
Sabine Albrecht zu Neues Angebot der Kunstmeile Hamburg: Der 3-Tage-Kunstmeilenpass: Guten Tag,
ich suche nach einer Erklärun...

B.F.Schwarze zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo, Frau Lampert,
leider gibt es nicht ...

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

Felice Varini in Osnabrück: Trapeze, Dreiecke, Bögen und ein Zirkeltanz

Drucken
(93 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 26. Juni 2017 um 08:19 Uhr
Felice Varini in Osnabrück: Trapeze, Dreiecke, Bögen und ein Zirkeltanz 4.4 out of 5 based on 93 votes.
Felice Varini in Osnabrück: Trapeze, Dreiecke, Bögen und ein Zirkeltanz

Der Schweizer Künstler Felice Varini wurde 1952 in Locarno geboren, lebt und arbeitet seit 1980 in Paris. Seit Ende der 70er-Jahre arbeitet er an Projekten im öffentlichen Raum und kreiert optisch-malerische Installationen in Innenräumen.

Für die „Friedensstadt“ Osnabrück erarbeitete Varini mehrere Werke: eines für den Außenraum und zwei für den Innenraum der einstigen Dominikanerkirche, die zur Kunsthalle Osnabrück gehört. In der Regel sind die Werke des Marcel Duchamp-Preisträgers aufwendig, so auch hier, denn Varini arbeitet mit dem Raum in einer faszinierenden Art und Weise, die erst in vollem Umfang wahrnehmbar wird, wenn man sich vor Ort befindet. Dokumentation schwierig.

Über einen vorher definierten und festgelegten Raum, der wie eine Art Geburtskanal funktioniert wird der Besucher zu einem einzigen Punkt geführt, auf dem das Werk plötzlich zweidimensional erscheint: ein Trompe-l'œil, das Auge wird getäuscht. Der Bildinhalt reduziert auf eine Ebene und wird zu einem flächigen Bild, zumindest erscheinen die malerisch wirkenden geometrischen Figuren wir freischwebende Körper.

Mit Hilfe eines großen sogenannten Gobo-Projektors, der wie ein lichtstarkes Dia-Vorführgerät funktioniert, wird die geometrische Gestalt angelegt und von dessen Standpunkt aus – etwa auf Augenhöhe eines erwachsenen Menschen – in den Raum projiziert, später dann auf Hauswände, Fassaden und Dächer farbig aufgetragen, geklebt – in diesem Fall vier blaue ineinandergreifende Kreisformen. Mittels Hebebühnen und Bergsteigerausrüstung wurde von Varini und seinen Assistenten zehn Tage lang die blaue Intervention aufgebracht.
Verlässt man den Idealblickpunkt so zerfällt das Bild in lange Streifen, verzerrten Abrundungen und nicht weiter decodierbare Muster. Die Komposition dekonstruktiviert sich in merkwürdige, nicht mehr nachvollziehbare Fragmente.
Der Idealstandpunkt befindet sich neben dem Dom St. Peter (Große Domsfreiheit) und die Blickrichtung verläuft entlang der Straße Markt auf die Außenfassade der Chorseite der protestantischen Marienkirche.

Das von Valérie Schwindt-Kleveman (freie Kuratorin) in Kooperation mit Julia Draganović (Kunsthalle Osnabrück) kuratierte Projekt ist nicht allein durch die Machart, den Aufwand, die Durchführung und die visuellen Effekte für jedermann so mitreißend, es ist auch künstlerisch von besonderer Bedeutung. Varini lotet nämlich den Raum als optisches sich permanent veränderndes Handlungsfeld aus. Er nimmt für (s)ein letztlich malerisch gedachtes Bild eine Idee der dreidimensionalen gotischen Skulptur auf, die lediglich eine einzige Schauseite hat und sonst nur Nebenseiten. In der Transformation definiert sich eben lediglich an einem einzigen präzis festgelegten Standpunkt eine Art Auflösung und damit auch eine Erlösung. Um diese aber zu begreifen, verlangt der Künstler von seinem Publikum sich physisch und psychisch zu bewegen, den Raum quasi selbst zu erarbeiten, sich in den Fragmenten zurecht zu finden und auf Entdeckungstour zu gehen. Der Raum der sonst durchschritten oder gar durcheilt wird, entwickelt sich so zu einem vollkommen neuen Wahrnehmungsraum und verbindet bauliche und urbane Ensemble mit zeitgenössischer Kunst.
Lange Zeit befinden sich die Besucher im Kunstwerk selbst, um dann den klassischen Blickmoment – und vermeintlich einzig wahren – auf die vier geschlossenen Kreise genießen zu können. Das Spiel mit den Distanzen ist wie eine Metapher für die Annäherung an Kunst per se, dessen Wechsel Betrachter schon immer ausgeliefert waren und sind: dort, das Kunstwerk – hier, der Betrachter (Distanz) oder Betrachter im Kunstwerk oder gar als Teil des Kunstwerks (Nähe). Was allerdings parallel passiert ist auch ein Wechsel der Dimension. In der Distanz wird das Werk zwei-, in der Nähe dreidimensional.

Auch im Innenraum funktionieren Felice Varinis Arbeiten in gleicher Weise. Die 20 Meter hohen und 50 Meter langen Doppel-Installationen im Kirchenschiff der Kunsthalle sind ebenfalls abhängig von Raum und Standpunkt. Aus einem undefinierbaren farblichen Form-Ensemble ergibt sich ein exakt geometrisches Bild aus verschiedenfarbigen Dreiecken und Trapezen. Blickt man von der entgegengesetzten Raumseite, so schaut der Besucher auf riesige hell orangefarbene, vollständig und unvollständig geschlossene Kreise, die mit den gotischen Deckenbögen in einen Dialog treten. Die Symbiose zwischen Architektur, Raum und Malerei wirkt eindringlich.
Das Spiel mit der Auflösung und (Wieder-)Herstellung der Zentralperspektive, die kommunikativen Aspekte des Werks, die Verbindung des ehemaligen geistigen Raums mit einem heutigen künstlerischen Ort sind nicht nur formal-historisch zu sehen, sondern in gleicher Weise als Erlebnis- und Wahrnehmungsraum, der zudem nach der Bildung von kulturellen, religiösen und säkularisierten Gemeinschaften fragt. So ist es auch kein Wunder, dass das Werk im Zusammenhang mit dem diesjährigen Reformationsjubiläum als Beitrag zu finden ist. Außerdem verbindet sich das Werk mit anderen, in der Kunsthalle bereits fest installierten Arbeiten anderer Künstler. Es werden jedoch glücklicherweise keine Konkurrenzen geschaffen.


Felice Varini
Die vier Blauen Kreise am Marktplatz Osnabrück sind bis November 2017 zu sehen, die Farbinstallationen in der Kunsthalle Osnabrück bis Januar 2018
Kuratiert von Valérie Schwindt-Kleveman
Weitere Informationen
Weitere Informationen zum Künstler

Zur Ausstellung erscheint eine Broschüre mit Glossar und einem Vermittlungsprogramm gefördert durch die Felicitas und Werner Egerland Stiftung.
Die Ausstellung findet in Zusammenarbeit mit den Freunden der Kunsthalle Osnabrück e.V. statt. Diese erhielten Förderung und Unterstützung durch die Stiftung der Sparkasse Osnabrück.  die COLLEGIUM Vermögensverwaltung AG und die H. Peschke Bedachungs GmbH. Förderer der Kunsthalle sind das Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur und die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte. Die Kunsthalle Osnabrück bedankt sich bei der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim für die Unterstützung.


Abbildungsnachweis:
Header: Felice Varini, Trapeze und Dreiecke auf den Spitzen, Kunsthalle Osnabrück, 2017, Courtesy the artist. Foto: Claus Friede
Galerie:
01. und 02. Felice Varini: Vier Blaue Kreise, Aufbauphase, Courtesy the artist. Fotos: Claus Friede
03. Felice Varini: Vier Blaue Kreise, Ausbesserungsarbeiten, Courtesy the artist. Foto: Claus Friede
04. Felice Varini: Vier Blaue Kreise, Aufbauphase, Courtesy the artist. Foto: Valérie Schwindt-Kleveman
05. Felice Varini, Aufbauphase, Kunsthalle Osnabrück, 2017. Foto: Angela von Brill
06. Detail. Foto: Angela von Brill
07. Felice Varini, Trapeze und Dreiecke auf den Spitzen, Bögen und Zirkeltanz, Kunsthalle Osnabrück, 2017, Courtesy the artist. Foto: Angela von Brill
08. Felice Varini, Trapeze und Dreiecke auf den Spitzen, Kunsthalle Osnabrück, 2017, Courtesy the artist. Foto: Angela von Brill
09. Felice Varini, Trapeze und Dreiecke auf den Spitzen, Kunsthalle Osnabrück, 2017, Courtesy the artist, Foto: Claus Friede.
alt

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Bildende Kunst > Felice Varini in Osnabrück: Trapeze, Dreieck...

Mehr auf KulturPort.De

Das Chinesenviertel auf Hamburg St. Pauli
 Das Chinesenviertel auf Hamburg St. Pauli



„Haus bei Haus ist von der gelben Rasse bewohnt, jedes Kellerloch hat über oder neben dem Eingang seine seltsamen Schriftzeichen. Die Fenster sind dicht verh [ ... ]



Studio Braun: „Der goldene Handschuh“ im Deutschen Schauspielhaus
 Studio Braun: „Der goldene Handschuh“ im Deutschen Schauspielhaus



Was Kult ist, muss nicht unbedingt gut sein. Heinz Strunk ist Kult und tut alles dafür, dass es so bleibt. Egal, auf welchem Niveau. Sein blutrünstiger Bestsel [ ... ]



Dschungelbuch für Kinder – ganz eng am Original
 Dschungelbuch für Kinder – ganz eng am Original



Das Hamburger Theater für Kinder im Allee Theater, das in dieser Spielzeit seinen 50. Geburtstag feiert, bezaubert mit einer fantastischen Version des „Dschun [ ... ]



„Detroit” – Kathryn Bigelows Blick zurück im Zorn
 „Detroit” – Kathryn Bigelows Blick zurück im Zorn



Furioser Politthriller als Chronik staatlich autorisierter Gewalt.
Detroit, 25. Juli 1967. Hinter der Bühne des legendären Fox-Theatres fiebern Leadsinger Lar [ ... ]



Kopf-Hörer 18
 Kopf-Hörer 18



Alexander M. Wagner ist 22 Jahre jung. Er brilliert bei TYXart mit Tschaikowskys b-Moll-Klavierkonzert und präsentiert seine eigene zweite Symphonie. Außerdem  [ ... ]



Andreas Brandhorst: „Das Erwachen“ – Maschinenintelligenz außer Kontrolle
 Andreas Brandhorst: „Das Erwachen“ – Maschinenintelligenz außer Kontrolle



Dieser Thriller hat es in sich. „Das Erwachen“ bestätigt all unsere Ängste und Befürchtungen: Maschinenintelligenz (MI) bemächtigt sich der Künstlichen  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.