Zum Anfang

Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 1648 Gäste online

Neue Kommentare

Herby Neubacher zu Jordi Savall und die Routen der Sklaverei: Musik, die unter die Haut geht: Auf der DVD die Savall als Livekonzert veroeffent...
Gerd Freeland Zürich zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Hallo eine Super Ausstellung.
Weiter so, w...

Miko zu Zebra Katz: Ein queerer New Yorker Hip-Hop rappt die Elphie!: War auch im Konzert. C.Schiller beschreibt in ihr...
Cuckie zu Zebra Katz: Ein queerer New Yorker Hip-Hop rappt die Elphie!: Spannender Artikel, der für mich das Konzerterle...
Herby Neubacher zu Nigel Kennedy „Bach meets my World“ in der Hamburger Laeiszhalle: Das ist nur grausam wenn man so jemand wie diese ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

Paula Modersohn-Becker. Der Weg in die Moderne

Drucken
(88 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 06. März 2017 um 10:08 Uhr
Paula Modersohn-Becker. Der Weg in die Moderne 4.2 out of 5 based on 88 votes.
Paula Modersohn-Becker. Der Weg in die Moderne Foto U Perrey

Ihre Bilder seien ein „gemalter Schrei des Weibes nach dem Kinde“, urteilte der Kunsthistoriker Richard Hamann in den 1920er Jahren. Einem anderen Experten fehlte „weiblicher Geschmack und Zartgefühl“. Keine Frage: Paula Modersohn-Becker hatte es schwer mit ihrer Kunst. Gerade die sogenannten „Kunstkenner“ haben sie oft verklärt und schwer unterschätzt.
Im Bucerius Kunst Forum rückt Uwe M. Schneede, der ehemalige Direktor der Hamburger Kunsthalle, nun den Stellenwert dieser Ausnahmekünstlerin „mit klarem, nüchternen Blick“ zurecht und präsentiert sie als visionäre Wegbereiterin der Moderne in Deutschland.

Noch heute haben es Künstlerinnen schwer auf dem Kunstmarkt, wie muss es da erst um 1900 gewesen sein? An den Akademien waren Frauen noch nicht einmal zugelassen, durften nur teure Privatschulen besuchen. Im Wilhelminischen Kaiserreich war klar, wo eine Frau hingehört – an den Herd und an die Seite ihres Mannes. Wenn sich eine Künstlerin dagegen wehrt – und dann noch ein so tragisches Schicksal erleidet, wie Paula Modersohn-Becker (1876-1907), den viel zu frühen Tod nach der Geburt ihrer Tochter Mathilde – ist es wohl kein Wunder, dass „Sentimentalität und Schwulst“ (Schneede) die Rezeption des Werkes nur allzu oft geprägt haben. Hartnäckig hält sich das Bild der emotionalen Malerin aus Worpswede, die mit ländlich derbem und naivem Pinselstrich das „Frauenthema“ Nummer Eins, das Kind, auf die Leinwand bannt. Es scheint so passend zu sein für die melancholische junge Frau aus dem verträumten Moordorf vor den Toren Bremens.

Doch diese Sicht hat mit Paula Modersohn-Becker nur wenig zu tun. Jeder, der sich schon mal etwas eingehender mit ihrem Leben und Werk beschäftigt hat, weiß, dass sie Worpswede zwar geliebt hat, aber die Enge der Provinz (und ihre Ehe mit dem elf Jahre älteren Maler Otto Modersohn) auf Dauer nicht ertragen konnte. Paulas Stadt war Paris. In der Silvesternacht 1900, gerade 24 Jahre alt, brach sie das erste Mal in Europas pulsierende Kunstmetropole auf. Diese Stadt war für sie Befreiung und Offenbarung in einem. Zum ersten Mal war sie ungebunden, konnte nach Lust und Laune durch Museen und Galerien schlendern, Künstler, wie Gauguin, Van Gogh oder Matisse studieren, Cézanne und Rodin besuchen und Malunterricht in einer privaten Akademie im ‚Quartier Latin’ nehmen. Drei Mal kehrte sie noch für längere Aufenthalte nach Paris zurück, 1903, 1905 und 1906/07. Immer wieder schilderte sie in Briefen und Tagebüchern begeistert die Eindrücke und Begegnungen dieser Aufenthalte. „Die fremde Stadt mit ihren tausend Schwingungen“ wurde für Modersohn-Becker „ungefähr Lebensbedürfnis“, wie sie ihrer Mutter schrieb. Und nur einen Monat vor der tödlichen Embolie bezeichnete sie den damals noch unbekannten Cézanne in einem Brief an ihre Freundin Clara Westhoff als einen „von den drei oder vier Malerkräften…, der auf mich gewirkt hat wie ein Gewitter“.

Den Einfluss der französischen Avantgarde auf das Werk von Paula Modersohn-Becker hat die Bremer Kunsthalle bereits 2007 in einer aufsehenerregenden Ausstellung aufgezeigt. Die Hamburger Schau geht jetzt noch einen Schritt weiter: Sie stellt die Künstlerin nicht nur als eine der wenigen großen singulären Frauengestalten der Kunstgeschichte vor, sondern als eine völlig auf sich selbst gestellte Suchende, die zwischen zwei „grundverschiedenen Generationen deutscher Künstler gelebt und gearbeitet hat“ (Schneede). Die eine, die von Max Liebermann und Lovis Corinth, war ihr viel zu konventionell. Die andere, die Generation der Expressionisten, war noch gar nicht auf dem Schirm. Erst ab 1909 revolutionierten die Künstler der „Brücke“ und des „Blauen Reiter“ das Sehen in Deutschland. In diesem zwischenzeitlichen künstlerischen Vakuum musste Paula Modersohn-Becker ihren Weg also alleine finden und das tat sie in Auseinandersetzung mit französischen Kollegen. Es ist zwar nicht belegt, ob sie Picasso kannte und traf, doch es ist anzunehmen, denn es lassen sich erstaunliche Parallelen zwischen seiner Porträt-Auffassung und ihrer finden. Beide lösen sich gleichzeitig vom Abbild, hin zu einem maskenhaften Gesicht, das über den persönlichen Ausdruck hinweg einen Archetypus verkörpert. In der ausgezeichnet gehängten Schau kommt die Abkehr vom Individuum, hin zu der allgemeingültigen „großen einfachen Form“, die Modersohn-Becker suchte, klar und konzentriert zum Vorschein. Bislang war die „Entdeckung“ afrikanischer Stammeskunst um 1906 und die damit verbundene Neuerung der Kunst an die Avantgarde in Paris geknüpft. Bilder, wie „Kniender Mädchenakt vor blauem Vorhang“ (106/07), „Burstbild Lee Hoetger“ (1906) oder „Selbstbildnis nach halbrechts, die Hand am Kinn“ (1906) machen klar, dass auch eine Deutsche dabei war – zeitgleich und auf Augenhöhe.

Paula Modersohn-Becker. Der Weg in die Moderne
Zu sehen bis zum 1. Mai 2017 im Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt 2, 20095 Hamburg
Eintritt 9 €, erm. 6 €, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei.
Weitere Informationen


Abbildungsnachweis:
Header: Blick in die Ausstellung Paula Modersohn Becker. Der Weg in die Moderne im Bucerius Kunst Forum, 2017 Photo: Ulrich Perrey
Galerie:
01. Portrait der Künstlerin
02. Zwei Mädchen in weißem und blauem Kleid, sich an der Schulter umfassend, 1906
03. Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag, 1906
04. Stillleben mit Goldfischglas, 1906
05. Selbstbildnis nach halbrechts, die Hand am Kinn, Sommer 1906
06. Blick in die Ausstellung Paula Modersohn Becker. Der Weg in die Moderne im Bucerius Kunst Forum, 2017 Photo: Ulrich Perrey
07. Don Quichote, 1900
08. Zwei Mädchen an einem Birkenstamm stehend, um 1902
09. Kopf eines blonden Mädchens mit Strohhut
10. Mädchenbildnis mit gespreizter Hand vor der Brust, um 1905
11. Mädchen in rotem Kleid vor Sonnenblume, 1907
12. Lee Hoetger und Clara Haken
13. Birkenstämme
14. Blick in die Ausstellung Paula Modersohn Becker. Der Weg in die Moderne im Bucerius Kunst Forum, 2017 Photo: Ulrich Perrey

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar Lena
0
 
 
Was Frau Isabelle Hofmann da schreibt, stimmt haargenau!
Ich war selbst, gleich am Anfang, in der Ausstellung und es ist wirklich erstaunlich, wie modern und eigenwillig Paula M.-B. arbeitet. Auch der sw Film, der im Obergeschoß im Bucerius läuft, über ihre Aufenthalte in Paris, der mit ihren Briefen und vielen Porträits der Künstlerin selbst unterlegt ist, ist sehr beeindruckend.
Tolle Ausstellung, toller Artikel! Danke!
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Bildende Kunst > Paula Modersohn-Becker. Der Weg in die Modern...

Mehr auf KulturPort.De

Shot in the Dark – Bilder von blinden Fotografen
 Shot in the Dark – Bilder von blinden Fotografen



Zunächst herrscht Verwunderung, ja Irritation, vor allem bei Menschen, die sich nicht professionell mit Bildern befassen: Blinde FotografInnen – ist das n [ ... ]



Hinreißend elegant: Niklas Schmidt spielt die Cello-Suiten von Bach
 Hinreißend elegant: Niklas Schmidt spielt die Cello-Suiten von Bach



Niklas Schmidt, Hamburger Cello-Professor und Motor des International Mendelssohn Festivals Mitte September, hat ein Opus magnum vollendet: Seit kurzem ist die z [ ... ]



China Moses: Nightintales
 China Moses: Nightintales



Der britische Pianist John Taylor behauptete einmal: „Was die Leute dafürhalten, ist meistens gar kein Jazz.“ Er hatte ja so recht! Und das gilt [ ... ]



Traumspiel mit Traumstimmen in der Staatsoper: Die Frau ohne Schatten
 Traumspiel mit Traumstimmen in der Staatsoper: Die Frau ohne Schatten



Symbolbefrachtet, rätselhaft – Regisseur Andreas Kriegenburg sortiert in der Staatsoper Hamburg „Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strau [ ... ]



Nipplejesus von Nick Hornby im Ohnsorg – „Kunstkritik“ endlich auch auf Platt!
 Nipplejesus von Nick Hornby im Ohnsorg – „Kunstkritik“ endlich auch auf Platt!



Nipplejesus von Nick Hornby ist nun endlich auch muttersprachlich im Norden angekommen! Seit einer Woche kann man das Stück über das eigenwillig-skurrile bis e [ ... ]



Jordi Savall und die Routen der Sklaverei: Musik, die unter die Haut geht
 Jordi Savall und die Routen der Sklaverei: Musik, die unter die Haut geht



Wie kann man heute noch die Geschichte der Sklaverei erfahrbar machen? Eine Geschichte, bei der aus purer Geldgier Menschen aus Afrika nach Süd- und Nordamerika [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.