Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 1995 Gäste online

Neue Kommentare

tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...
Lothar zu „Axolotl Overkill”. Dialektik eines Enfant Terrible: Zugegeben ... ich fand das Buch recht grauenvoll,...
Lena Baal zu La Fura dels Baus: Die ‚Schöpfung’ in der Elbphilharmonie – tonbrillant, aber bildideenschwach: Wieder einige Fragen an den Autor dieser Zeilen, ...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

Harald Duwe. Heile Welt

Drucken
(142 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 01. August 2016 um 10:05 Uhr
Harald Duwe. Heile Welt 4.4 out of 5 based on 142 votes.
Harald Duwe. Heile Welt

Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte auf Schloss Gottorf in Schleswig-Holstein würdigt mit einer Retrospektive einen der bekanntesten norddeutschen realistischen Maler und Grafiker: Harald Duwe.
Die Ausstellung präsentiert rund einhundert Gemälde – thematisch geordnet nach Portraits, Landschaften, Körperstücke, Gewalt und Gesellschaft sowie Strand als soziale Bühne. Hinzu kommen Zeichnungen, Lithografien und Holzdrucke. „Heile Welt", wie es der Untertitel suggeriert, sucht der Betrachter in Duwes gesellschaftskritischen, provokanten und oftmals brutalen Bilderwelten allerdings vergeblich.
„Meine Bilder sind Produkte einer sowohl emotionalen wie rationalen Auseinandersetzung mit den Konflikten und Widersprüchen unserer Zeit. Sie bieten keine Lösungen, keine Botschaften an. Ich weiß nur, dass sie meine Einsichten, Abneigungen und Reaktionen, meine Zweifel, Ängste und Hoffnungen enthalten." (Duwe 1983)

Harald Duwe, 1926 im Arbeiterviertel Hamburg-Rothenburgsort geboren, ist seit 1975 Dozent an der Fachhochschule für Gestaltung in Kiel, heute Muthesius Kunsthochschule. Als SPD-Mitglied vertritt er die Ansicht, dass ein Künstler sich politisch und gesellschaftlich engagieren und Stellung beziehen müsse. Bereits in den Sechzigerjahren gehört Duwe zu den westdeutschen Realisten, welche sich kritisch mit der bundesdeutschen Nachkriegszeit auseinandersetzen. Als aufmerksamer Chronist verfolgt er die Frankfurter Auschwitz-Prozesse 1963 und 1965, malt die unvorstellbare Gewalt, wie sie in den Berichten von Zeitungen und dem Fernsehen veröffentlicht werden: ausgemergelte Insassen eines Konzentrationslagers, „Lager" von 1967, gefolterte Menschen an Eisenstangen hängend, mit Seilen verknotet, nackte Körper mit blutenden Wunden und austretenden Gedärmen "Graue Wand", 1968. Auffallend sind die großen Füße der Opfer, die Folterspuren und abgeschlagenen Glieder, das leichenblasse Inkarnat der Haut.

Schockierend „Das große Fleisch" von 1967. Drei menschliche Körper sind hier zum Schlachtvieh degradiert: Haut, Knochen, hervordringende Innereien erinnern an die Fleischbeschau im Schlachthof. Und an die Gemälde des irischen Malers Francis Bacon.

Duwes radikaler Realismus erregt Aufsehen, aber auch Ablehnung und offene Kritik. Gleichwohl malt er bis etwa 1969 gegen das Verschweigen an, gegen das Verdrängen der NS-Diktatur hin zu einer Heile-Welt-Ideologie der Nachkriegsgeneration. Nach der Auschwitz-Thematik widmet er sich gesellschaftspolitischen Themen: der Konsum- und Arbeitswelt, Gewalt, Militarismus und Kriegsgräueln, Demonstrationen gegen den Bau des Atomkraftwerkes Brokdorf und die atomare Aufrüstung der Nato, Industriewachstum und Umweltzerstörung sowie dem bürgerlichen Freizeitvergnügen. Duwes realistische Bildsprache wird differenzierter, farb- und detailfreudiger. In geradezu fotorealistischer Manie skizziert er menschliche Gesichter und Körper, Strandmüll, Autos, Häuser und Gegenstände.

Provokant sind die Strandbilder, welche die Wirtschaftswunderjahre der Ludwig Erhard-Ära festhalten: Fettleibige Wohlstandbürger stellen ihre nackten Körper zur Schau, präsentieren als Statussymbole Wohnwagen und Luxusautos, feiern ihre Freizeit mit Bier und Sekt, suhlen sich im verdreckten Wasser der Kieler Förde. Zwischen nackten Leibern und mit Müll bedeckten Stränden spielen Kinder, welche die Tristesse der sogenannten Strandidylle der Erwachsenen entlarven.

Beispielhaft hierfür stehen die Bilder „Selbstauslöser", „Camping", „Ein Denkmal am Strand" oder „Förde-Szenen" und „Ein Platz an der Sonne". Mit diesem Bildtitel greift Harald Duwe übrigens das Motto einer bundesweiten Lotterie für benachteiligte Kinder auf. Provokant auch seine Gesellschaftsbilder: Mit dem Slogan "Kaufen ist Leben" lockt ein Supermarkt zum ungehemmten Konsum, ein grell-buntes Bild wirbt für den Eintritt in die Bundeswehr „Soldatenleben – immer bereit".

„Die künstlerische Herausstellung der brutalen Seite des menschlichen Lebens ist niemals als Selbstzweck aufzufassen, sondern ist ein Mittel der Provokation für eine bessere Welt. Dafür ist die Bekämpfung der Heile-Welt-Ideologie notwendig", heißt es im Ausstellungskatalog. „Meine Bilder erregen Anstoß und möglicherweise Erschrecken. Die Provokation des Betrachters ist beabsichtigt", so Duwe 1981.

Harmonisch sind dagegen seine frühen Hafenbilder, bunte Zimmer, Bilder vom Elbe- und Meeresstrand sowie meisterhafte Portraits und Selbstbildnisse des Künstlers, mit denen der Rundgang durch die Ausstellung beginnt. Die Harmonie wird beim Studium seiner Gemälde von Dr. Hans Ploog, dem Schwiegervater des Malers, unterbrochen: Das Bild von 1976 zeigt den alten Herrn im Mantel in einem Sessel sitzend. Zwei Jahre später hält der Maler ihn als senilen Greis im Unterhemd fest.

Sehenswert sind im Obergeschoss die Farb- und Bleichstiftzeichnungen, Lithografien und Farbholzschnitte, welche die künstlerische Vielfalt Harald Duwes belegen, der 1984 im Alter von 58 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam.

Leichte Kost ist die Kunst Harald Duwes für den Betrachter nicht. Ein Besuch der Ausstellung ist dennoch sehr empfehlenswert, zeigt sie doch den Künstler als schonungslosen Chronisten der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte.

„Harald Duwe. Heile Welt" ist bis zum 30. Oktober 2016 im Landesmuseen Schloss Gottorf - Reithalle, 24837 Schleswig, zu sehen.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr. Sonnabend + Sonntag 10 bis 18 Uhr Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Das Buch kostet 24 € im Museumsshop.
www.schloss-gottorf.de


Abbildungsnachweis:
Header: Blick in die Ausstellung (Thema Gesellschaft). Foto: Christel Busch
Galerie:

01. Harald Duwe: An der Elbe mit Dampfer, 1953, Öl auf Hartfaserplatte, 27,5x37cm. Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen (Thema Landschaft)
02. Bombenopfer, 1982, Kohle und schwarze Kreide, 60,1x80cm. Privatsammlung (Thema Gewalt)
03. Blick in die Ausstellung (Thema Strand und soziale Räume). Foto: Christel Busch
04. Camping, 1971, Öl auf Leinwand, 150x100cm. Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen. Schenkung Heilwig Duwe-Ploog (Thema Strand und soziale Räume)
05. Strandbilder. Foto: Christel Busch
06. Frau im Plastikstuhl, 1968, Öl auf Leinwand, 180x130cm. Privatsammlung (Thema Körperbild)
07. Gesellschaft, Große USA-Allegorie, 1983/84, Öl auf Leinwand, 200x180cm. Privatsammlung (Thema Gesellschaft)
08. Selbstporträt mit Mütze, 1984, Öl auf Hartfaserplatte, 48x37cm. Privatsammlung (Thema Porträt).

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Bildende Kunst > Harald Duwe. Heile Welt

Mehr auf KulturPort.De

Telemann: Pietsch spielt die Fantasien für die Violine ohne Bass
 Telemann: Pietsch spielt die Fantasien für die Violine ohne Bass



Von der Lebenslust polnischer Spielleute über italienische und französische Anklänge bis zur neuen Musik des empfindsamen Zeitalters reicht der Bogen, den Tel [ ... ]



„The Party”. Apokalypse statt Canapés
 „The Party”. Apokalypse statt Canapés



Sally Potter besitzt ein untrügliches Gespür für die Absurdität menschlichen Leidens. Sie präsentiert „The Party” als hintergründige Farce über den Ve [ ... ]



„Anna Karenina“ – Erfahrungen eines ganzen Menschenlebens
 „Anna Karenina“ – Erfahrungen eines ganzen Menschenlebens



John Neumeiers jüngstes Ballett bei den 43. Ballett-Tagen in Hamburg umjubelt.

Es ist mitunter durchaus von Vorteil, eine Uraufführung zu verpassen. Mit etw [ ... ]



Morten Kargaard Septet: Zealand
 Morten Kargaard Septet: Zealand



Gut Ding will Weile haben, sagt ein deutsches Sprichwort. Von der Idee Morten Kargaards im Jahr 2012 bis zur Fertigstellung des Albums hat es fünf Jahre gedauer [ ... ]



National Ballet of China: Der Ruf der Kraniche und Maos Altlasten
 National Ballet of China: Der Ruf der Kraniche und Maos Altlasten



Mit Ausschnitten aus sechs opulenten neueren Produktionen beeindruckte das National Ballet of China in der Staatsoper Hamburg. Und vier kleine Choreographien pun [ ... ]



Transkulturelle Marmorausstellung „Metamorphic Resonance“ in der Toskana
 Transkulturelle Marmorausstellung „Metamorphic Resonance“ in der Toskana



Sommerzeit – Reisezeit? Auf den Spuren Michelangelos und der „Erschaffung Adams“ muss man nicht unbedingt wandeln. Denn bis zum 31. Juli ist in dem italien [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.