Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 1990 Gäste online

Neue Kommentare

tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...
Lothar zu „Axolotl Overkill”. Dialektik eines Enfant Terrible: Zugegeben ... ich fand das Buch recht grauenvoll,...
Lena Baal zu La Fura dels Baus: Die ‚Schöpfung’ in der Elbphilharmonie – tonbrillant, aber bildideenschwach: Wieder einige Fragen an den Autor dieser Zeilen, ...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

„Der Horst Janssen Archipel“

Drucken
(65 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 18. Mai 2016 um 10:05 Uhr
„Der Horst Janssen Archipel“ 4.4 out of 5 based on 65 votes.
„Der Horst Janssen Archipel“

Kein bildender Künstler, das ist wohl sicher, hat die Tatsache, dass er „nicht mehr kann“, so genüsslich in aller Öffentlichkeit verkündet, wie er. Zu seinem 50. Geburtstag, so Horst Janssen (1921-1995), habe er sich eine „impotentia totalis“ geschenkt. Dass dieses zweifelhafte Glück seine künstlerische Omnipotenz keineswegs schmälerte, zeigt das Altonaer Museum nun in der großangelegten Ausstellung „Der Horst Janssen Archipel“.

Freund und Biograph Stefan Blessin hat ihn einmal als den „anstrengendsten Narr, den es je gab“ bezeichnet. Er selbst sah sich gern als Faun und Lüstling, als triebgesteuertes Urviech, das Damen auf Empfängen gern ins Dekolleté grabscht und mit dreckigen Fingern in der Sauce Hollandaise nach Spargel angelt. Ach, was gibt es doch für schöne Anekdoten über Horst Janssen!

Mit „pornographischen Blättern" schockierte er zu Beginn der 60er-Jahre die feine Hanseatische Gesellschaft, Werkgeschichte und Skandalchronik gingen über Jahrzehnte Hand in Hand. Janssen brauchte die Frauen, um zu arbeiten. Er brauchte den Rausch, die Höhenflüge, die wilde, qualvolle Wollust, der in unausweichlicher Konsequenz stets Abstürze folgten und mit ihnen neue, bis zur Besinnungslosigkeit wütende Schaffensperioden, in denen sich der Unausstehliche seine Pein von der Seele pinselte.

Kein anderer norddeutscher Künstler jener Zeit war so exzentrisch, selbstverliebt und ausschweifend. Keiner war so versoffen, eklig, charmant und brachial. Keiner hatte einen ähnlich hohen Unterhaltungswert. Und die Hamburger Society liebte ihn dafür. Na, sagen wir mal lieber so: Einerseits wollte sich jeder mit seiner Gesellschaft schmücken, andererseits war Vorsicht geboten. Janssen war ein großes Kind, das seine Launen mit Vorliebe an Freunden ausließ. Sie wurden mitten in der Nacht einbestellt, wüst beschimpft und beleidigt, oder umgarnt und beschenkt. Wenn Janssen gut drauf war, war er ungeheuer großzügig, dann verteilte er freigiebig Zeichnungen und Drucke oder setzte sich hin und zeichnete sein Konterfei auf einen Hundert-D-Mark-Schein.

Kurz, er war ein „großer Spieler“, wie der Historiker und Freund Joachim Fest einmal feststellte. Nicht nur dem Charakter nach, sondern auch in Bezug auf die künstlerischen Medien, die er ausprobierte: Radierungen, Zeichnungen, Aquarellen, Holz- und Linolschnitte, Fotografien – seine Experimentierfreude war schier grenzenlos, das Werk, das er hinterließ (rund 20 000 Zeichnungen und 3000 Radierungen) von einem Umfang, den man schon als inflationär bezeichnen kann.

Ab Mitte der 60er-Jahre bis zu seinem Tod 1995 war Horst Janssen in Hamburg praktisch omnipräsent - das ist wohl auch der Grund, warum man in den vergangenen Jahren so wenig von ihm hörte: Man konnte ihn einfach nicht mehr sehen.

Umso größer ist das Vergnügen, jetzt, nach zwanzig Jahren, einmal wieder durch eine so opulente Janssen-Schau zu spazieren und den guten alten Bekannten noch einmal aus der Distanz zu begutachten. Die Kooperation mit dem Horst-Janssen-Museum Oldenburg und dem Hamburger Filmemacher Hinrich Lührs macht es möglich, in der Tat ein ganzes Archipel zu bestaunen. Ein Archipel ist eine Inselgruppe und genau so präsentiert sich das (wort)gewaltige Werk des genialischen Alleskönners auch nicht chronologisch, sondern thematisch gruppiert.
Von frühen Farbholzschnitten und Feinstrichzeichnungen über die zentralen Selbstporträts bis hin zu eher beiläufig entstandenen Polaroids und einer Auswahl seiner illustrierten Korrespondenz breitet diese mit sichtbar viel Liebe und Mühe kuratierte Ausstellung das gesamte Schaffen des „Phänomen Janssen“ aus. Nur die Landschaften sind ausgeklammert, doch die braucht man auch nicht, um Genialität und Stilvielfalt des Jahrhundertzeichners vor Augen zu führen. Der Fokus liegt auf den Selbstporträts und den Erotica, beides Themen, die von Anbeginn – und das macht diese Ausstellung sehr schön deutlich - viel mehr als den Eros „die Unterströmung seines Werks“ (Biograf Hennig Albrecht) offenbaren – Todesangst und Todessehnsucht.
„Der Horst Janssen Archipel“
Zu sehen im Altonaer Museum, Museumsstraße 23, 22765 Hamburg, bis 3. Juli 2016,
Öffnungszeiten: Di-So 10 -17 Uhr, Eintritt 7.50 Euro, bis 18 Jahren frei.
Alles Infos unter www.altonaermuseum.de

YouTubeVideo: Der Horst Janssen Archipel


Abbildungsnachweis: © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Header: Detail aus Horst Janssen, Selbst, 1970, Radierung, Galerie und Verlag St. Gertrude
Galerie:
01. Horst Janssen, How to hang Janssen – eine Anleitung, 1990, Bleistift und Aquarell, Galerie und Verlag St. Gertrude
02. Horst Janssen, Gruss an Birgit Jacobsen, 1974, Radierung, Galerie und Verlag St. Gertrude
03. Horst Janssen, Sie war die Schönste im Lande, 1969, Strichätzung in zwei Farben, Claus Hüppe Stiftung
04. Horst Janssen, Zu Paranoia, Selbst, 1982, Pastell, Sammlung Brockstedt
05. Horst Janssen, Dies möchte ich nicht sein, 1981, Bleistift und Pastell, Galerie Brockstedt
06. Horst Janssen, Zu Paranoia, Es werden ... Idiotenfragen gestellt, 1981, Collage und Gouache, Galerie Brockstedt
07. Horst Janssen, Wir wollen Janssen seh’n!, o. J. , Kugelschreiber über Postkarte, Galerie und Verlag St. Gertrud.

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Bildende Kunst > „Der Horst Janssen Archipel“

Mehr auf KulturPort.De

Telemann: Pietsch spielt die Fantasien für die Violine ohne Bass
 Telemann: Pietsch spielt die Fantasien für die Violine ohne Bass



Von der Lebenslust polnischer Spielleute über italienische und französische Anklänge bis zur neuen Musik des empfindsamen Zeitalters reicht der Bogen, den Tel [ ... ]



„The Party”. Apokalypse statt Canapés
 „The Party”. Apokalypse statt Canapés



Sally Potter besitzt ein untrügliches Gespür für die Absurdität menschlichen Leidens. Sie präsentiert „The Party” als hintergründige Farce über den Ve [ ... ]



„Anna Karenina“ – Erfahrungen eines ganzen Menschenlebens
 „Anna Karenina“ – Erfahrungen eines ganzen Menschenlebens



John Neumeiers jüngstes Ballett bei den 43. Ballett-Tagen in Hamburg umjubelt.

Es ist mitunter durchaus von Vorteil, eine Uraufführung zu verpassen. Mit etw [ ... ]



Morten Kargaard Septet: Zealand
 Morten Kargaard Septet: Zealand



Gut Ding will Weile haben, sagt ein deutsches Sprichwort. Von der Idee Morten Kargaards im Jahr 2012 bis zur Fertigstellung des Albums hat es fünf Jahre gedauer [ ... ]



National Ballet of China: Der Ruf der Kraniche und Maos Altlasten
 National Ballet of China: Der Ruf der Kraniche und Maos Altlasten



Mit Ausschnitten aus sechs opulenten neueren Produktionen beeindruckte das National Ballet of China in der Staatsoper Hamburg. Und vier kleine Choreographien pun [ ... ]



Transkulturelle Marmorausstellung „Metamorphic Resonance“ in der Toskana
 Transkulturelle Marmorausstellung „Metamorphic Resonance“ in der Toskana



Sommerzeit – Reisezeit? Auf den Spuren Michelangelos und der „Erschaffung Adams“ muss man nicht unbedingt wandeln. Denn bis zum 31. Juli ist in dem italien [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.