Zum Anfang

Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 550 Gäste online

Neue Kommentare

Herby Neubacher zu Elbphilharmonie: routinierter Start im TV, Gänsehaut exklusive. Die Eröffnung im Fernsehen: Ich denke - und das wird sicher wieder nicht vero...
Dagmar Seifert zu Eröffnung der Elbphilharmonie: Bekenntnis zur Kultur verändert Hamburg: So klug zusammengefasst, lieber Hans-Jürgen Fink...
Dirk C. Fleck zu Eröffnung der Elbphilharmonie: Bekenntnis zur Kultur verändert Hamburg: Ein großartiger Artikel, herzlichen Dank an den ...
Herby Neubacher zu „Safari” – Tötungsakt als menschliche Nähe: Ich finde das allerhoechste Zeit das solche Dinge...
Claus Friede zu „Paterson” – Die Poesie des Alltäglichen: Aber natürlich fällt Rockmusik darunter!
...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

Jorge Rando – Passion. Neuer Expressionismus aus Spanien

Drucken
(117 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 22. März 2016 um 11:58 Uhr
Jorge Rando – Passion. Neuer Expressionismus aus Spanien 4.9 out of 5 based on 117 votes.
Jorge Rando – Passion. Neuer Expressionismus aus Spanien

Das Ernst Barlach Museum Wedel präsentiert den spanischen Künstler Jorge Rando, einen bedeutenden Vertreter des Neoexpressionismus in Spanien. Das Haus zeigt Blumen- und Landschaftsbilder, Darstellungen der Prostitution und der Passion, der Leidensgeschichte Christi. Themen, die den Künstler seit Jahren beschäftigen. Die farbintensiven, ausdrucksstarken Arbeiten spiegeln seine eigene bildkünstlerische Realität wider: „Die Kunst zu malen ist für mich die Kunst zu lieben. Ohne die Liebe können keine erhabenen Gefühle existieren, die es sind, die am Ende das Meisterwerk formen, von dem jeder Künstler träumt."

Während des spanischen Bürgerkrieges und der Franco-Diktatur stagnieren auf der iberischen Halbinsel Kunst und Kultur. Die damalige künstlerische Avantgarde – Pablo Picasso, Joan Miró und Salvador Dalí – emigriert nach Paris. Erst mit dem Tod von Diktator Francisco Franco 1975 findet eine überaus kreative Kunstszene Anschluss an die zeitgenössische Moderne. Zu den aktuellen Strömungen der spanischen Kunstlandschaft gehört der Neoexpressionismus, gehört der Maler und Bildhauer Jorge Rando.

Rando verlässt nach dem Philosophiestudium 1961 seine Heimatstadt Malaga und geht, kaum zwanzigjährig, nach Köln, wo er über zwei Jahrzehnte wohnen und arbeiten wird. Neben der Philosophie beschäftigt er sich mit der Malerei, insbesondere mit dem deutschen Expressionismus. Eine Stilrichtung, dessen expressive Farbgebung und spontane Pinselführung ihn fasziniert und emotional bewegt. Wassily Kandinsky, Franz Marc oder August Macke von der Künstlergemeinschaft „Blaue Reiter" sowie die „Brücke“-Künstler Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein oder Emil Nolde beeinflussen seinen eigenen Stil, eine spanische Rezeption des Expressionismus. Seine Werke reflektieren nicht nur sozialkritische und religiöse Themen, die Liebe zur Natur sondern auch seine tiefe Verbundenheit mit dem katholischen Glauben. Seit 1984 lebt er mit seiner deutschen Frau Margit wieder in Malaga, wo er sich ausschließlich seiner Kunst widmet.

Die Ausstellung im holsteinischen Wedel präsentiert rund 120 Exponate des Spaniers, großformatige Ölgemälde und kleinere, nur Bildausschnitte zeigende Aquarelle. Im Erdgeschoss des Hauses stehen Blumen-Stillleben und abstrakte Landschaftsbilder im Mittelpunkt. „Die Abstraktion steht für das Geistige, die Vertikalität für die Ausrichtung an einem Schöpfer", erklärt Kuratorin Heike Stockhaus die Landschaften. Gleichwohl, der Betrachter ist irritiert, versucht die vertikalen, farbintensiven Pinselstriche zu identifizieren. Sind es Bäume? Wälder? Das sich spiegelnde Sonnenlicht in einem Teich? Ein Wasserfall in Regenbogenfarben? Die Werke tragen keine Namen. „Ich male meine Bilder, gebe sie frei und jeder kann dann mit ihnen in den Dialog treten“, so der Künstler.

Im Obergeschoss empfangen den Besucher Szenen aus der Passionsgeschichte. In explodierenden Farben komponiert der Spanier den Leidensweg Christi: Das Kreuz variiert von intensivem Fuchsia bis hin zu dunklem Magenta-Rot. Farbflächen von caput mortuum – ein violettes Rot -, Grün, Blau, Rot und Gelb bilden Kontraste. Mit kräftigem Pinselduktus sind Formen und Figuren abstrahiert. Acht großformatige Ölgemälde und kleinere Aquarelle involvieren den Betrachter magisch in das Geschehen: Christus am Ölberg, die Opferung des Lammes, der gefangene Christus mit verbundenen Augen und Dornenkrone, Häscher mit spöttischer Miene, die an primitive Masken erinnern, die Kreuztragung und Kreuzabnahme.

Eine Leidensgeschichte in leuchtenden Kontrastfarben? Kein Problem für den spanischen Künstler, denn seine Leidensgeschichte will aus der Finsternis heraus treten und in das Licht der Hoffnung, der Glückseligkeit, der Liebe und der Wiederauferstehung eindringen. Hinzu kommt, das sein künstlerisches Vorbild Emil Nolde bereits in den 1920er-Jahren biblische Themen in expressiver Farbgestaltung gemalt hat.
Die Passionsgeschichte leitet über zu dem in den 80er-Jahren entstandenen Afrika-Zyklus im Nebenraum, welcher Leid und Elend, Gewalt, Krieg und Flucht der Menschen thematisiert. Angesichts neuer Flüchtlingswellen sind seine frühen Bilder beklemmend aktuell. "Anfangs war meine Malerei ein Aufschrei. Nun ist sie ein Gebet", sagt Rando über seine Arbeiten.

Beklemmend sind ebenfalls Randos Malereien aus dem Zyklus Prostitution, zu sehen im Untergeschoss des Museums. Seit Mitte der 90er-Jahre befasst er sich mit diesem Thema, das ihn bis heute begleitet. Es sind Darstellungen einer versteckten Realität, die sich in düsteren Zimmern, Gassen und Straßen abspielt. Dunkelhaarige und blonde, hübsche und hässliche Frauen. Nackte und bekleidete Frauen mit kurzen Röcken und hohen Absätzen, roter Tasche, grell geschminkt mit karminroten Lippen, die für Sex ihren Körper und ihre Seele an Freier verkaufen. Kinder und Jugendliche, die sich aus Leid und Armut prostituieren. Jorge Rando bedient sich der Leinwand und expressiver Farben, um sich mit den gesellschaftlichen Tabus der Kinderprostitution und weiblicher Prostitution auseinanderzusetzen. "Das Leben beginnt weder mit der Sklaverei der Prostitution noch endet es mit ihr", sagt er. "Lasst uns etwas tun! Seien wir nicht feige!"

Die sehenswerte Ausstellung „Jorge Rando – Passion. Neuer Expressionismus aus Spanien" des spanischen Künstlers ist bis zum 19. Juni 2016 im Ernst Barlach Museum Wedel, Mühlenstraße 1, 22880 Wedel, zu besichtigen.
Öffnungszeiten: di. bis so. 11-18 Uhr
www.ernst-barlach.de/wedel

Das Ernst Barlach Museum Ratzeburg zeigt vom 10. April bis zum 10. Juli 2016 die Ausstellung „Ernst Barlach - Jorge Rando. Begegnung".
Ernst Barlach Museum Ratzeburg, Barlachplatz 3, 23909 Ratzeburg
Öffnungszeiten: Di. bis So. 11-17 Uhr
www.ernst-barlach.de/ratzeburg

Die Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg setzt mit der Ausstellung „Jorge Rando – Passion. Neuer Expressionismus aus Spanien" den Dialog mit europäischen und internationalen Künstlern fort. Die Gesellschaft vergibt den Ernst Barlach Preis 2016 an den spanischen Künstler Jorge Rando.

Seine Heimatstadt Malaga ehrte den Künstler mit einem Museum: das Museo Jorge Rando. Ziel des 2014 eröffneten Hauses ist die Annäherung und Vertiefung der expressionistischen Kunst sowie die Förderung aktueller neoexpressionistischer Strömungen. In Kooperation mit der Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg zeigt das Museum bis zum 26. März 2016 Skulpturen und Grafiken des deutschen Expressionisten Ernst Barlach im Dialog mit der Malerei des spanischen Neoexpressionisten Jorge Rando.


Abbildungsnachweis:
Header: Blick in die Ausstellung zum Thema Passionsbilder. Foto: Christel Busch
Galerie:
01. O.T. 2005, Öl auf Leinwand, 122x122cm. Foto: Museum Jorge Rando, Malaga
02. O.T. 2002, Öl auf Leinwand, 110x97cm. Foto: Museum Jorge Rando Malaga
03. O.T., 1998, Öl auf Leinwand, 185x185cm. Foto: Museum Jorge Rando, Malaga
04. O.T. 2013, Aquarell, 38x35cm. Foto: Museum Jorge Rando, Malaga
05. Blick in die Ausstellung zum Thema Afrika. Foto: Christel Busch
06. O.T. 2006, Öl auf Leinwand, 146x114cm. Foto: Museum Jorge Rando, Malaga
07. O.T. 2006, Öl auf Leinwand 100x81cm. Foto: Museum Jorge Rando, Malaga
08. O.T. 2005-2006, Öl auf Leinwand 71x62cm. Foto: Museum Jorge Rando, Malaga
09. Blick in die Ausstellung zum Thema Horizonte. Foto: Christel Busch
10. O.T. 2015, Öl auf Leinwand, 230x320cm. Foto: Museum Jorge Rando, Malaga
11. Blick in die Ausstellung zum Thema Horizonte. Foto: Christel Busch
12. O.T. 2015, Aquarell, 35x40cm. Foto: Museum Jorge Rando, Malaga
13. O.T. 2012, Aquarell, 38x35cm. Foto: Museum Jorge Rando, Malaga
14. Jorge Rando mit Kuratorin Heike Stockhaus. Foto: Christel Busch.

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Bildende Kunst > Jorge Rando – Passion. Neuer Expressionismu...

Mehr auf KulturPort.De

Sie sind gefragt: Ihre ersten Erfahrungen mit und in der Elbphilharmonie
 Sie sind gefragt: Ihre ersten Erfahrungen mit und in der Elbphilharmonie


 
KulturPort.De möchte wissen, wie sie funktioniert – die neue Elbphilharmonie. Schreiben Sie uns! Wir sammeln Ihre seriösen Beiträge und Kommentare bis [ ... ]



Händels „Alcina“ – Operncoup mit Jaroussky, Petibon und Prohaska
 Händels „Alcina“ – Operncoup mit Jaroussky, Petibon und Prohaska



Mit Zauberei und Liebe gegen die Schrecken des Alters kämpft die Magierin Alcina einen verzweifelten Kampf. Händel schrieb für seine Barockoper zu dem Psychod [ ... ]



„Und nun ist Elphi erwacht.“
 „Und nun ist Elphi erwacht.“



Was für ein netter, was für ein sympathischer Satz! Bemerkenswert, dass Joachim Gauck schon den Kosenamen für Hamburgs gläserne Baukunstwerk  [ ... ]



Kathrin Röggla: „Nachtsendung“ – Unheimliche Geschichten aus der Gegenwart
 Kathrin Röggla: „Nachtsendung“ – Unheimliche Geschichten aus der Gegenwart



Ein Konferenzteilnehmer verschwindet. Ein Flugzeug hebt nicht ab. Eine Ferieninsel stirbt aus. Ein Kind errichtet eine Diktatur. Gewalt bricht aus.
Von diesen  [ ... ]



Elbphilharmonie: routinierter Start im TV, Gänsehaut exklusive. Die Eröffnung im Fernsehen
 Elbphilharmonie: routinierter Start im TV, Gänsehaut exklusive. Die Eröffnung im Fernsehen



Der erste Akkord, der erste große Abend in der Elbphilharmonie – das Eröffnungskonzert. Vom NDR live übertragen. Nicht einfach, diese Atmos [ ... ]



„La La Land” – Ein Plädoyer für uns träumende Narren
 „La La Land” – Ein Plädoyer für uns träumende Narren



„La La Land” ist hinreißend, unwiderstehlich. Das nostalgische Musical zwischen Moderne und Klassik, Romantik und Realität verzaubert Jour [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.