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Bildende Kunst

Ernst-Hermann Ruth: „Helmut Schmidt meets Barack Obama“

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Geschrieben von Claus Friede  -  Donnerstag, den 17. September 2015 um 10:00 Uhr
Ernst-Hermann Ruth: „Helmut Schmidt meets Barack Obama“ 4.7 out of 5 based on 102 votes.
Ernst-Hermann Ruth: „Helmut Schmidt meets Barack Obama“

Die Homepage des Photodesigners Ernst-Hermann Ruth ist zweigeteilt, so als ob eine Leben über dem Bruchstrich existiert und eines darunter: Enter Ruth-Photodesign steht oben, Enter Ruth-Painting steht unten.

Der Mann muss ein aufregendes und rasantes Leben haben, denn er fotografiert seit Jahrzehnten formschöne Superkarossen der großen Automobilhersteller vor formschöner Baukultur und in atemberaubend schöner Landschaft und Stadtschaft. Der in Gauting bei München lebende Ruth, der viel in der Welt herumgekommen ist und an sehenswerten Bildbänden über Australien und Bali mitwirkte, beschäftigt sich neben seiner fotografischen Arbeit seit vielen Jahren mit besonderen Druck- und Malereitechniken. Einen Ausschnitt seines künstlerischen Schaffens zeigt er in der Galerie des Levantehauses an der Hamburger Mönckebergstraße.

Unter dem Titel „Helmut Schmidt meets Barack Obama“ sind in der überschaubaren Galerie ausschließlich Werke aus dem Zyklus zu sehen, in dem er die beiden Politiker in recht unterschiedlichen Grundstimmungen schwarz-weiß fotografiert hat – teilweise direkt vom Bildschirm seiner Fernsehers – und hat diese anschließend digital überarbeitet. Den bekannten medialen Bildwirkungen versucht Ernst-Hermann Ruth etwas entgegenzusetzen. Die in unterschiedlichen Situationen gezeigten Politikerfotos sind allesamt überarbeitet, teilweise verfremdet, auf Umrisslinien reduziert worden, übermalt und in abstrakt räumlich-emotionale Zustände versetzt. Einerseits bewahrt Ruth so den individuellen Ausdruck der Menschen Schmidt und Obama, andererseits kann er ihn aber auch unterstützen und navigieren. Der Betrachter versteht schnell, dass es inhaltlich dem Photodesigner gar nicht um Politik oder Politiker geht, sondern um die menschlichen und emotionalen Momente, die ein Gesichtsausdruck in sich trägt und ganze Bände erzählen kann. Bis auf eine Ausnahme entsteht in der Ausstellung zwar dabei keine konkrete Narration, aber der Betrachter ist in die Lage versetzt, eine direkte emotionale Kommunikation zu sich selbst aufzubauen.

Die besagte Ausnahme zeigt ein Bild mit dem betend wirkenden Profil Obamas, welches überdimensional vor der Abendsilhouette steht und sich mit einem Gefangenenlager zu vereinen scheint. Da wird der Stacheldrahtzaum zur Halskrause. Es ist auch eines der wenigen narrativen Bilder, das einen Titel trägt: „Guantanamo“.

Auch die großen Gesten sind auf die Bildern zu finden, siegessicher streckt Barack Obama seine „Yes we can“-Hand in den Himmel, doch irgendwie hat die Realität diesen Mann längst eingeholt und das löst auch in der Ausstellung Diskussionen aus. Ruth schafft es – und hier liegt eine Stärke – Kommunikation innerhalb und jenseits der Bildinhalte zu evozieren.

Formal fällt auf, dass er sowohl malerischen Duktus als auch haptische analoge Druck- und Malverfahren simuliert oder einsetzt. „Digi-Art mit Acryl“, nennt der Photodesigner seine Technik. Jedes Werk ist trotz der Druck- und Fotoverfahren ein unikat.

Betritt man den Raum, so ist ein ganz klein wenig Atelieratmosphäre zu spüren, was der Ausstellung gut tut, denn die Werke sind nicht allein in Augenhöhe an der Wand aneinandergereiht, sondern auch auf Staffeleien und auf dem Boden stehend, an die Wand gelehnt. Für Besucher lockert das die sonst so übliche „White Cube“-Ästhetik auf, zum anderen verändert sich durch die auf dem Boden stehenden Bilder das eigene körperliche Verhältnis zum gezeigten und unterbricht wohltuend die sonstige Reihung. In dieser präsentierten Form verlieren die Werke weder ihren inhaltlichen Zusammenhang, noch wirken sie unentschlossen in ihrer Präsenz. Der dialogische Kontext der Bilder untereinander bleibt also gewahrt.

HELMUT SCHMIDT meets OBAMA
Zu sehen noch bis zum 2. Oktober in der Galerie im LEVANTEHAUS (1. OG), Mönckebergstr. 7 in 20095 Hamburg
Geöffnet täglich außer So.12-19 Uhr; verkaufsoffener So: 27.9. von 13-18 Uhr
Eintritt frei
Eine Ausstellung vom Forum Kunst&Dialog, Dr. Evamaria Brehm.
Die Werke sind zu erwerben und liegen preislich zwischen 3.000 und 4.500 Euro
Homepage des Photodesigners Ernst-Herman Ruth
Homepage vom Forum Kunst&Dialog


Abbildungsnachweis: Alle © Ernst-Hermann Ruth
Header: Collage aus zwei Bildern; links Schmidt #122 und rechts Obama #111
Galerie:
01. Schmidt #115, 90x90cm.
02. Obama #118, 120x140cm.
03. Schmidt #130, 80x90cm.
04. Obama #121, 100x180cm.
05. Schmidt #137, 100x80cm.
06. Obama #129, 140x210cm.
07. Schmidt #117, 90x90cm
08. Obama #131, 85x140cm.

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