Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 868 Gäste online

Neue Kommentare

Gerd Kruse zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo Frau Lampert,
ich war durch meine He...

Herby Neubacher zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Absolut richtig. Ich habe das gabnze Drama Elbphi...
Giulio zu „Die Spur”. William Blake und die Rache der Eigenbrötler : Prost Neujahr! Und danke für die vielen schönen...
Hubert Hoffmann zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Ein Prestige -Objekt für die oberen Zehntausend....
Feindt zu Hamburg: Ein Museum im Hafen: Ein schönes neues Museum und wo bleibt die Berü...

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

SternWywiol Galerie: „Ooops … I’m so sorry for the truth!“

Drucken
(168 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 08. September 2014 um 09:14 Uhr
SternWywiol Galerie: „Ooops … I’m so sorry for the truth!“ 4.6 out of 5 based on 168 votes.
SternWywiol Galerie

Die SternWywiol Galerie liegt an einem besonderen Ort in Hamburg, direkt an der Außenalster, gegenüber der „Plastik im Raum“ von Max Bill, direkt neben dem Atlantic Hotel und nur ein Bahndamm trennt sie von der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle.
Man will meinen, das sei bereits eine exklusive Eintrittskarte in das Kunstleben der Hansestadt. Wer aber Hamburg kennt, der weiß, ganz so einfach ist es nicht, um die Grundskepsis – die hier Hobby zu sein scheint – gegenüber Neuem zu vertreiben. Viele neugegründete Galerien und Kunstinstitutionen haben zunächst damit zu kämpfen, die Öffentlichkeit adäquat zu erreichen und wer keine Geduld hat, der verlege sein Betätigungsfeld in ein anderes Genre oder in eine andere Stadt.
Weitere Besonderheiten der Galerie sind: sie hat sich auf Skulpturen und Objekte spezialisiert – davon gibt es Deutschland nicht all zu viele. Und sie ist eingebunden in die Unternehmensgruppe „Stern-Wywiol“, deren Tätigkeitsfeld nicht primär mit bildender Kunst zu tun hat – Lebensmittelzusatzstoffe produziert die Firma.

Volkmar Wywiol, der die Stern-Wywiol-Gruppe 1980 aufbaute und längst die Hauptverantwortung an seinen Sohn Torsten übertrug, hat seine große Leidenschaft: die Kunst. „Schon als Schüler kam ich mit ihr in Berührung“, sagt der in Brandenburg geborene Firmenchef: „und ich habe mich selbst mit Skulptur beschäftigt. Eigentlich wollte ich Künstler werden und hatte auch schon ein Stipendium für die Landeskunstschule am Lerchenfeld.“ Wie so viele Künstler hätte auch er sich gegen den Widerstand seines Vaters durchzusetzen gehabt, doch er folgte schließlich seinem Rat „etwas handfestes“ zu lernen. „Er hatte Recht, denn ich habe dann Außenhandelskaufmann gelernt und konnte meine Kreativität ins Business überführen – und ich glaube, genau das war mein Erfolg! Nun, nach dem unternehmerischen Gelingen konnte ich darüber nachdenken, wieder direkt mit der Kunst zu tun zu haben. Obwohl – ich behaupte, dass auch jedes Unternehmen im Grunde ein Kunstwerk ist. Erfolgreiche Unternehmer sind nämlich kreative Unternehmer.“

Torsten Wywiol ergänzt: „Unser Kulturbeitrag ist nun in Hamburg in erster Linie die Galerie, die wir ins Erdgeschoss unseres Firmensitzes an der Alster einbauen konnten. Die beiden Kunsthistorikerinnen Kathrin Reeckmann und Christina Dickel, haben die Leitung übernommen und zeichnen für das Programm".

Und das kann sich in der Tat sehen lassen. Bisher wurden beispielsweise die Skulpturen von Yves Rasch, Werke der Balkenhol-Schüler Henning Schwarz und Anja Wiebelt sowie Objekte von Sibylle Waldhausen gezeigt.
Nun ist soeben die Ausstellung „Ooops … I’m so sorry for the truth!“ mit Arbeiten des in Berlin lebenden Künstlers Volker März eröffnet worden. März ist mit seiner Kunst kritisch, politisch, oft beißend sarkastisch und sehr scharfsinnig. Betritt man die Galerie so steht man auf einer Fußmatte, die nicht mit dem römischen Gruß SALVE willkommen heißt, dort steht SLAVE (Sklave) geschrieben.
„Äußerlich kommen meine Arbeiten auf den ersten Blick so harmlos daher“, sagt März, „aber mit der Beschäftigung und dem zweiten Blick sorgen sie dann für den notwendigen Sprengstoff.“ Er hätte zunächst nicht gewusst, ob die Galerie an dem schicken Ort mit Hotel Atlantic und Alsteridylle das richtige Umfeld für seine kritische Kunst sei, aber die Kontrastierung mache durchaus einen Reizfaktor aus. Außerdem hätten die Galeristinnen überzeugende Argumente gehabt und sind von den Werken überzeugt.

Volker März hat die Galerieräume umfänglichst bestückt. „Von mir aus hätten es gerne noch mehr Arbeiten sein können, damit sich der Betrachter regelrecht darin verliert“, betont der Künstler, „ein großer Teil meiner mitgebrachten Arbeiten ist hier gar nicht ausgestellt. Für mich ist diese Ausstellung ein Buch, ein Musical oder eine Oper, ein fortlaufender alltäglicher Prozess. So arbeite ich auch in meinem Atelier, eine Figur ergibt sich aus der anderen, das, was ich lese fließt tagtäglich mit ein, es gibt keinen Anfang und kein Ende.“
Der Themenbogen ist weit gespannt: Migration, Versklavung, Genderfragen sind künstlerisch ebenso bearbeitet wie die Themenzyklen „Die Gebrüder Buchenwald und Weimar“ und „Der Kafkaweg“.

„Die Selbstgefälligkeit, die es in der Kunst, aber auch in der Wirtschaft gibt, breche ich mit meinen Arbeiten auf. Die Metapher des Schlamms, der Geschichte überdeckt und in dem man die Wahrheiten suchen muss, spielt für mich eine zentrale Rolle. Deshalb benutze ich ja auch Ton als Material. Im Schlamm suche ich meine Themen und bin oft selbst überrascht, was ich dort finde. So bin ich auf das Thema des Arabisch-Muslimischen Sklavenhandels gestoßen, den es seit fast 1.500 Jahren gibt. Ich habe mich gefragt warum sich so wenige mit diesem Thema beschäftigen und vor allen warum das Thema so gar nicht aufgearbeitet wird, auch nichts Selbstkritisches in den entsprechenden Ländern hervorbringt. Andere meiner Themen sind in der Aufarbeitung, aber auch vielen immer noch oder schon wieder lästig. Ich will niemanden persönliche Vorwürfe mache, benenne die Dinge als Phänomene, spreche sie aus und setze sie mit meiner spielerischen künstlerischen Art und Weise um.“

Nicht alles in der Ausstellung ist Objekt, eine ganze Reihe von Acryl-Bildern, übermalten Fotos und eine provokante und tabubrechende Videoarbeit sind ebenfalls zu sehen.


Die Ausstellung „Volker März – Ooops … I’m so sorry for the truth!“
ist noch bis zum 17. Januar 2015 zu sehen, in der SternWywiol Galerie, An der Alster 81 in 20099 Hamburg.
Es ist ein umfangreiches Buch erschienen.

Weitere Informationen zur Ausstellung
Stern-Wywiol-Gruppe
Homepage von Volker März
Biographische Daten zu Volker März.


Abbildungsnachweis:
Header: Stern-Wywiol Galerie, An der Alster 81. Foto: Michael Bogumil
Galerie:
01. v.l.n.r. Volkmar und Torsten Wywiol. Foto: Marco Moog
02. v.l.n.r. Kathrin Reeckmann und Christina Dickel. Foto: Steven Haberland
03. Volker März; Stürzender Engel, gebrannter Ton (bemalt), Styrodur, 120x95x95 cm. Motiv des Buchcovers.
04. Volker März; Ich bin die Revolution, gebrannter Ton (bemalt), 58x24x34 cm
05. Volker März; Der Schatten auf der Sonne, Acryl auf Nessel, Durchmesser 100 cm
06. Volker März; Fly Papa Fly, gebrannter Ton (bemalt), 39x23x20 cm
07. Volker März; Sternschifftransport, Acryl auf Karton, 22,5x42 cm
08. Volker März; Chaos Boot, gebrannter Ton (bemalt), Holz, 17x66x8 cm
09. Volker März; Der Gelbe II, Acryl auf Karton, gerahmt, 22,5x26,5 cm
10. Volker März; Auf dem Weg das Vergessen auszuradieren, gebrannter Ton (bemalt), Styrodur, 4-tlg., Diverse Größen.

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Bildende Kunst > SternWywiol Galerie: „Ooops … I’m so so...

Mehr auf KulturPort.De

James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone
 James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone



Speckstreifen fliegen durch das Weltall, rote Lippenstifte und Atompilze verkünden das nahende Inferno, Butterstücke zerfließen in einer Pfanne, Spaghetti mit [ ... ]



„Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache
 „Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache



Joe Wrights eleganter Politthriller „Die dunkelste Stunde” ist das Gegenstück zu Christoper Nolans überwältigendem Suspense-Epos „Dunkirk”. Zwei Filme [ ... ]



Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde
 Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde



Im Opernhaus in Hamburg schallen Kinderstimmen durch die Gänge: Es ist wieder opera piccola-Zeit!
Bevor die Kinderoper im Februar auf die Bühne geht, ist im H [ ... ]



Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami
 Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami



Ernst Wolff: „Finanz Tsunami. Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht“
Es ist wie es einmal war und heute noch ist: Ein Ausspruch von Henry Ford, des  [ ... ]



Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach
 Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach


  War es Absicht, dass rund um das Fest der Liebe die Kölner Oper ausgerechnet Giuseppe Verdis Bühnenstück „Rigoletto“ – das 1851 den Wel [ ... ]



„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns
 „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns



Genialer Genre-Mix aus Neo-Western und Kleinstadt-Satire.
Manchmal ist es leichter einen Molotow-Cocktail zu werfen als zu weinen. Mildred Hayes (Frances McDorm [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.