Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 745 Gäste online

Neue Kommentare

Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

Begegnungen: „art balear – encuentros“

Drucken
(147 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 03. September 2014 um 10:49 Uhr
Begegnungen: „art balear – encuentros“ 4.6 out of 5 based on 147 votes.
art balear - encuentros

Jahr für Jahr zieht es Heerscharen Deutscher nach Mallorca, knapp vier Millionen waren es allein 2013.
Umso erstaunlicher, dass die liebevoll als 17. Bundesland bezeichnete Baleareninsel als Hotspot zeitgenössischer Kunst so gut wie unbekannt ist. Kurator Claus Friede und der auf Mallorca lebende Designer Klaus Dorn wollen hier Abhilfe schaffen. Im Hamburger Kunstforum Markert Gruppe zeigen sie ab heute „art balear – encuentros“ mit Werken von Toni Barrero und Ñaco Fabré. Die Hamburger Schau bildet den Auftakt zu einer Ausstellungsreihe alle zwei Jahre, die künftig regelmäßige Begegnungen mit mallorquinischer Kunst in Norddeutschland ermöglichen will.


Beide sind Maler, beide arbeiten gegenstandslos. Wobei: Ñaco Fabré, der ältere von beiden, arbeitet auch mit Holz. Der Begriff Bildhauer oder Plastiker scheint bei dem 49-jährigen Künstler aus Palma de Mallorca jedoch fehl am Platz: Fabrés Holzarbeiten, aus Brettern oder Vierkanthölzern zusammengesetzt, wirken eher wie eine dreidimensionale Zeichensprache. Als hätten hier einige seiner kruden, kalligraphisch anmutenden Kritzeleien die Fläche verlassen, sich willkürlich zusammengeschoben oder konstruktiv zur Ordnung gerufen, um als grazile Körper den Raum zu erobern.

Ordnung und Unordnung – das sind die beiden Pole in Fabrés Gemälden. Geometrisch klar abgegrenzte Farbflächen, wie wir sie von den amerikanischen Abstrakten Expressionisten und Farbfeldmalern her kennen, einem Barnett Newman oder Ellsworth Kelly. Fabrés Flächen sind in gebrochenen Farben gehalten, Grau, Blau, Ocker, Rosé und jeweils ein Feld ist übersät mit filigranen, schriftzugartigen Spuren und kryptischen Wortfragmenten, die von Cy Twomblys feingeweblichen Skripturen inspiriert zu sein scheinen.

„Recuerdo del norte“ (2013), „Ich erinnere mich an den Norden“ heißt eines dieser Bilder. Das linke Drittel ist monochrom-flächig in dem warmen Skandinavien-Rot gehalten, in dem die typischen schwedischen Holzhäuser gestrichen sind, zweidrittel des Gemäldes sind in kühlem Grau unterlegt und mit eben jeden unleserlichen Krakeleien und Schraffuren versehen, die an Hauswänden und Schultafeln zu finden sind.
„Gut gegen Nordwind“ kommt einem in den Sinn, der Bestseller des österreichischen Schriftstellers Daniel Glattauer, dessen moderne Version eines Briefromans in E-Mail-Format von einer merkwürdig in der Schwebe gehaltenen Kommunikation handelt. Vieles bleibt unausgesprochen, rätselhaft im Ungefähren.

So ist es auch mit Fabrés Gemälde: Sie kommunizieren, aber auf eine lyrisch-zarte, fast ins metaphysisch driftende Art und Weise.
Stephane Mallarmé, der große französische Lyriker und Symbolist, wollte Gedichte schreiben, wie Maler malen, „nicht die Sache, sondern die Wirkung, welche sie hervorruft“ im Sinn. „Der Vers soll sich nicht aus Worten, sondern aus Absichten zusammensetzen“, schrieb Mallarmé „und alle Worte vor der Empfindung zunichte machen“. Fabrés Gemälde sind von dieser Poesie durchtränkt. Sie entspinnen einen Dialog, dessen innerer Sinn sich der Sprache entzieht.

Toni Barreros farbintensiven Bilder wirken demgegenüber ungleich energischer, zupackender, auch intuitiver und unmittelbarer. Mit heftigem Pinselduktus und schwungvoller Geste setzt der 44-jährige Künstler aus Sóller Flecken, Kreise und amorphe Strukturen auf die Leinwand. Der Bezug zu Tachismus und informeller Malerei ist nicht zu verleugnen. Großen Meister der Nachkriegskunst, Hans Hartung, Ernst Wilhelm Nay oder Emil Schumacher, mögen den jungen Mallorquiner Vorbild gewesen sein, sicher auch Antoni Tápies, der zweifellos wichtigste Vertreter des Informel in Spanien und der bedeutendsten Künstler der iberischen Halbinsel.

Gleichwohl wirken Barreros Gemälde – bis auf wenige Ausnahmen – ungleich ruhiger, bodenständiger, von ursprünglicher Einfachheit. Hier findet man keine hektischen Farbschlieren, keine nervösen Schraffuren, keine stürzenden Linien und Spiralen. Nein, Toni Barreros in vielen übereinander liegenden Schichten aufgebaute Malerei erscheint vielmehr auf eigentümliche Weise geerdet, gleichsam schwermütig und von archaischer Kraft.
Als erstes fallen die starken Kontraste ins Auge: Ein hellgraues Oval auf einem ultramarinblauen Grund; Eine violette „Eins“ auf Lindgrün; zwei schwarze Zeichen auf einer orange-ockerfarbigen Fläche. Diese Malerei will nichts als pure Malerei sein und doch bleibt der Blick an den Formen hängen, sucht man nach Analogien aus der gegenständlichen Welt, nach Körperhaftem oder zumindest nach einer Zeichensprache. Vergeblich. Die Elemente, denen Toni Barrero Gestalt verleiht, wollen nichts erzählen. Dafür scheinen sie aufgeladen von einer geheimnisvollen Magie, die den Betrachter unweigerlich in den Bann zieht.

„Auf Mallorca ist die Stille unergründlicher als anderswo“, hatte einst die französische Schriftstellerin George Sand geschrieben. Man möchte meinen, das gilt auch für die mallorquinische Kunst.


Die Ausstellung „art balear – encuentros“ ist zu sehen bis 30. November 2014,
im Kunstforum Markert Gruppe, Droopweg 31, 20537 Hamburg
Geöffnet nach Vereinbarung. Telefon: (04321) 87010
Anlässlich von "Add-Art - Hamburger Unternehmen öffnen ihre Türen für die Kunst" gibt es Führungen: Sa. 1. November 2014 um 14 und 16 Uhr und am So. 2. November 2014 um 15 und 17 Uhr (Anmeldung bis 25.10. erforderlich: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ).
Finissage: 30. November 2014 von 18 bis 20 Uhr.
Die Ausstellung wird unterstützt von: art balear excursiones / Instutut d'Estudies Baleárics / Instituto Cervantes / Hotel Barceló / Fondation Erica Sauter.

Abbildungsnachweis:

Header: Blick in das Atelier von Toni Barrero in Sóller.
Galerie:
01. Plakat der Ausstellung.
02. Ñaco Fabré: Estudio del lenguaje, 2012, Öl, Kohle, Graphit auf Papier, 70x200 cm
03. Ñaco Fabré: Recuerdo del norte, 2013, Öl, Graphit auf Leinwand, 65x81 cm
04. Ñaco Fabré: Sin titulo, estudios de color, 2013, Öl, Graphit auf Leinwand, 35x35 cm
05. Ñaco Fabré: Dispersión de planos, 2013, Holz, 45x90x30 cm
06. und 07.Toni Barrero: Serie V2, 2010-2014, Öl auf Holz, 39x58 cm
08. Toni Barrero: Sin titulo, 2012/2014, Mischtechnik auf Papier, 38x28 cm
09. Toni Barrero: Verde y moraito, 2014, Öl auf Leinwand, 130x130 cm.

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Bildende Kunst > Begegnungen: „art balear – encuentros“

Mehr auf KulturPort.De

Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“
 Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“



Was für ein ungewöhnliches Stück! Eines? Nein: Was für drei ungewöhnliche Stücke – so intelligent, humorvoll und hintersinnig!
Mariano Pensottis „Lod [ ... ]



Vienna Vocal Consort: Nostre Dame
 Vienna Vocal Consort: Nostre Dame



Das Vienna Vocal Consort zählt seit Gründung im Jahr 2007 zu Österreichs renommiertesten Vokalensembles für Alte Musik. Deren neues Album „Nostre Dame“  [ ... ]



„Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit
 „Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit



Wie viel Tragik verkraftet ein Film in Zeiten von „Wonder Woman” oder „Atomic Blonde”? Tough ist angesagt, und viele Kritiker reagierten eher störrisch  [ ... ]



Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend
 Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend



Der Schlafrock war schwarz und nicht rot, wie am Vorabend in der Elbphilharmonie. Entsprechend seriös, ganz leise und melodisch der Einstieg.
Chilly Gonzales l [ ... ]



Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel
 Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel



Dass „die Tonkunst eine rührend-kurze Freude (ist), die aus dem Nichts entsteht und ins Nichts vergeht... eine kleine fröhliche Insel... die auf dem dunklen, [ ... ]



Kassé Mady Diabaté – ein Ausflug in die westafrikanische Musik
 Kassé Mady Diabaté – ein Ausflug in die westafrikanische Musik



„La parole des anciens est secrée.“ (Das Wort des Ältesten ist heilig)

Das Mandingo-Reich (Manding) wurde im 13. Jahrhundert vom sagenhaften Mali-Kaiser [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.