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Architektur

Zaha Hadid: „Parametric Tower Research“

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Geschrieben von Carolin Peiseler  -  Dienstag, den 12. Juni 2012 um 10:30 Uhr
Zaha Hadid: „Parametric Tower Research“ 4.4 out of 5 based on 237 votes.
Zaha Hadid Parametric Tower

Nichts Geringeres als einen „epochalen Paradigmenwechsel in der Architektur“ postulierte Patrik Schumacher, Geschäftspartner der Pritzker-Preisträgerin Zaha Hadid.
Im Rahmen seines Vortrages, der als Vernissage-Auftakt am 7. Juni in der Akademie der Freien Künste stattfand wurde eine Ausstellung im Rahmen des hamburger Architektur Sommers eröffnet. Über die Innovationskraft der parametrischen Architektur kann sich nun bis zum 25. Juli 2012 jeder anhand der ausgestellten Arbeiten im AIT-ArchitekturSalon selbst ein Urteil bilden.

Ein faszinierendes Konzept: Die vier Subsysteme (tragendes Skelett, Fassade, Nutzfläche bzw. Geschosse sowie Navigationselemente wie z.B. Aufzüge) reagieren intelligent auf interne Differenzierungen der einzelnen Subsysteme. Diese gesetzmäßigen Wechselbeziehungen stellen einen erkennbaren Zusammenhang innerhalb des Gebäudes dar, eine regelbestimmte Komplexität ineinander verschränkter Bereiche entlang der vertikalen Achse. Die Orientierung innerhalb des Gebäudes wird unter anderem durch die Fensterform und Fenstergröße erleichtert, die entsprechend der differenzierten Exponiertheit des Gebäudes hinsichtlich Sonnenlicht, Temperatur, Wind und Regens gestaltet sind sowie bezüglich der Nutzungsvorgabe des Bereichs und der Positionierung innerhalb des Etagenverlaufs. Ein intelligentes System der Ordnung mit direktem Bezug zum Leben im Gebäude.

Die Diskussion über die universelle Relevanz des Parametrismus in Bezug auf die Gesamtheit der gebauten Umwelt wurde seitens des Publikums leidenschaftlich auf dem Weg von der Akademie der Freien Künste zum nahen AIT ArchitekturSalon fortgesetzt: Intelligente Differenzierung anstelle rigider Repetition serieller Objekte – wer würde sich das nicht angesichts einfallsloser, kostenoptimierter Bausünden wünschen? Im Parametrismus dagegen erzeugen flexible Konfiguration und organische Formensprache in der Innen- wie Außenwahrnehmung der Gebäude den Eindruck von natürlicher Schönheit und Eleganz. Form und Funktion der Bau-Elemente stehen in direkter Korrelation zu einander. Eine Änderung hier zieht ganz automatisch eine Angleichung an anderer Stelle nach sich. Bei Louis Sullivan folgte die Form noch dienstbar der Funktion – hier scheinen Form und Funktion gleichberechtigt miteinander zu interagieren. Aber werden in Zukunft nicht Überlegungen hinsichtlich der Ressourcenschonung und ganz allgemein des ökologischen Bauens die Ideenwelt der Formensprache in die zweite Linie verbannen? Großartig, wenn dann die bewohnten Skulpturen eine ähnlich überwältigende Ausdruckskraft besitzen, wie die aktuell realisierten singulären Projekte des Büros Zaha Hadid! Doch ein auf die Stadtplanung ausgedehnter Parametrismus hätte wohl bei ähnlicher Aufgabenstellung der Gebäude nur sehr subtile Änderungen für die einzelnen Objekte aufzuweisen. Die Varianz optimaler Lösungen ist nun mal begrenzt. Was jetzt als Solitär – wie beispielsweise die Dancing Towers in Dubai – ein bewunderndes Raunen beim Betrachter auslöst, wäre flächendeckend eine „schöne neue Welt“ ohne Spontanität, ohne Überraschung und ohne Umwege, die zu einem beglückenden, nie gesuchten Ziel führen. Und nicht zuletzt bleibt die Frage: Wenn alles für den Ist-Zustand in Perfektion bis in den letzten Winkel durchplant wurde, wo bleibt dann der Frei-Raum für ein Werden?

Die Ausstellung im AIT (Adresse: Bei den Mühren 70) zeigt die Urzelle der Architektur-Idee Parametrismus sowie einige ausgewählte Arbeiten des international renommierten Büros Zara Hadid, die einen staunen lassen, was konsequent durchdachte Architektur zu leisten vermag. Auch wer der Idee eines universalgültigen Parametrismus kritisch gegenüber steht, wird fasziniert sein von der Dynamik, dem kreativen Mut und der ansteckenden Energie der Modelle, Pläne und multimedialen Präsentationen des avantgardistischen Architektur-Teams um Zara Hadid! Der AIT-ArchitekturSalon Hamburg wurde eigens für die Ausstellung mit weichen schwarzen Stoffen, weißen Membranen und silberfarbenen Zeichnungen neu gestaltet. Ein außergewöhnlicher Rahmen für die Präsentation eines außergewöhnlichen Architekturbüros.

Zaha Hadid: „Parametric Tower Research“
AIT ArchitekturSalon Hamburg
Bei den Mühren 70
20457 Hamburg
Öffnungszeiten: Di+Mi 11-17 Uhr, Do+Fr 11-20 Uhr, Sa 13-17 Uhr.

Weiterführende Links:
www.ait-architektursalon.de
www.architektursommer.de
www.zaha-hadid.com
www.patrikschumacher.com

Fotonachweis: Alle Fotos Copyright AIT Architektur Salon und Zaha Hadid, London

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