Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 810 Gäste online

Neue Kommentare

Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Architektur

Schauraum Bischofsburg - das älteste Steinhaus Hamburgs

Drucken
(169 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 09. März 2012 um 14:55 Uhr
Schauraum Bischofsburg - das älteste Steinhaus Hamburgs 4.7 out of 5 based on 169 votes.
Schauraum Bischofsturm - das älteste Steinhaus Hamburgs

Seit Generationen werden die Hamburger als „Pfeffersäcke“ gescholten, dabei gibt es keine Stadt in Deutschland, die es in Punkto Bürgersinn mit den Hanseaten aufnehmen könnte.
Schließlich ist Hamburg „Stifterhauptstadt“ - mehr als tausend Stiftungen für Bildung, Kunst und Kultur sind zwischen Alster und Elbe ansässig und die Reihe großzügiger Unternehmerpersönlichkeiten ist lang: Kurt A. Körber ließ die Deichtorhallen zum Kunstzentrum umbauen. Helmut und Hannelore Greve schenkten der Stadt einen Universitätsanbau und Verleger Gerd Bucerius das Kunstforum am Rathausmarkt. Keine Stiftung, aber eine ganz ungewöhnliche Partnerschaft zwischen einem Unternehmer und dem Archäologischen Museum ist im Falle der „Bischofsburg“ zustande gekommen.


Gleich hinter der Mönckebergstraße, zu Füßen der Hauptkirche St. Petri am Speersort, liegt das Fundament des ältesten Steinhauses Hamburgs. Heinz Bräuer, Chef der Bäckereikette Dat Backhus, hat seine jüngste Filiale auf dem Denkmal eröffnet – und es damit seinem jahrzehntelangen Schattendasein entrissen.

In unmittelbarer Nähe von St. Petri ließen sich vor über 1000 Jahren die ersten Bauern, Handwerker und Händler nieder. Hier stand vermutlich um 817 die Hammaburg, die Keimzelle Hamburgs. Und hier entdeckte man 1962 einen gewaltigen Steinring von 19 Metern Durchmesser, der ausnahmsweise einmal nicht gleich beseitigt wurde (wie so vieles in der „Freien- und Abrissstadt Hamburg), sondern erhalten blieb und als „Schauraum Bischofsburg“ zur Außenstelle des Archäologischen Museums in Harburg erklärt wurde.
 

Und nun befindet sich der Bischofsturm also im Untergeschoss einer Bäckerei. Das klingt erst mal ziemlich abenteuerlich. Schließlich handelt es sich um das wohl bedeutendste Baudenkmal aus Hamburgs Frühzeit - und man fragt sich unwillkürlich, ob die Würde des Ortes mit einer Backstube vereinbar ist. Die Bedenken lösen sich jedoch in Luft auf, sobald man das lichtdurchflutete Geschäft in dem von akyol kamps : bbp Architekten entworfenen St. Petri-Hof erblickt: Dieser Raum, der sich zur Straße hin mit einer hohen Glasfassade öffnet und an der rückwärtigen Wand von einem Verkaufstresen gesäumt ist, entspricht viel weniger einer Bäckerei, als einem schicken Museumscafé. Gleich hinter dem Eingang lenkt eine großzügige Treppe aus Glas und Stahl den Blick in die Tiefe, zu dem imposanten Ring aus unbehauenen Findlingen, in deren Mitte nun kleine runde Tische und grüne Freischwinger zum Verweilen einladen. Man sitzt Mitten in Hamburgs Vergangenheit, kann sich inspirieren lassen von Geschichte und Geschichten und erfährt ganz nebenbei, was Harburg an archäologischen Sonderausstellungen zu bieten hat. Neben den Findlingen selbst sind die originalgetreuen Nachgüsse zweier 1000 Jahre alter Domglocken die größte Attraktion. Standvitrinen präsentieren archäologische Funde aus dem Domplatz vom Mittelalter bis zum Barock und ein Flachbildschirm zeigt in Endlos-Loops Bilder von Ausgrabungen. Kurz: Dieser Ort ist ein idealer Treffpunkt für archäologisch interessierte Touristen und Stadtführungen - zumal die „wichtigsten Voraussetzungen“ erfüllt sind: „Es gibt was zu Essen und ein Klo“, so Rainer-Maria Weiss augenzwinkernd.

Für den Direktor des Archäologischen Museums ist die Zusammenarbeit mit Dat Backhus „ein echter Glücksfall“. Weiss hat noch gut die unwirtliche Situation im ehemaligen Gemeindehaus St. Petri vor Augen: „Der Schauraum Bischofsburg hatte den Charakter eines Kellers, schwer zu finden und nur über eine schmale Stiege zu erreichen“. Deshalb war Hamburgs Chefarchäologe auch nicht traurig über den Verkauf und Abbruch des Gebäudes, in dem sich u.a. das gläserne Studio von Radio Hamburg befand: „Das war kein großer Verlust. Meine einzige Sorge galt dem Denkmal. Es sollte auf keinen Fall im Heizungskeller eines Bürogebäudes verschwinden“. Damit das nicht passiert, wurden dem Investor drei Auflagen erteilt: 1. Das Denkmal darf nicht beschädigt werden. 2. Es muss öffentlich zugänglich bleiben. Und 3. Die Öffnungszeiten dürfen nicht eingeschränkt werden. Weiss strahlt: „Durch Dat Backhus werden unsere Vorgaben sogar noch übertroffen – die Bäckerei öffnet bereits um 7 Uhr morgens“.

Die größten Schwierigkeiten, die es zu meistern galt, boten jedoch die Bauarbeiten selbst. „Jeder Schüler, der es wagte, auf die Steine zu klettern, wurde früher zusammengestaucht - und jetzt wurde darüber ein achtstöckiges Gebäude abgerissen.“ Allein die Vorstellung trieb dem Museumsmann „Schweißperlen auf die Stirn“. Was Wunder, dass er auf maximale Schutzmaßnahmen bestand. Zuerst wurde das Denkmal mit einer Plane zugedeckt, danach der gesamte Kellerraum mit Sand zugeschüttet. Um die Lasten der Bagger und Baufahrzeuge besser zu verteilen, kamen zwei Zentimeter dicke Stahlplatten auf die Sandschicht. Eine Konstruktion, die sich bewährte. Als das neue Gebäude stand und der Sand wieder abgesaugt wurde, stellte Weiss erleichtert fest, dass lediglich „ein paar Steine heruntergekullert waren“.

Die bisherige Deutung des Turmfundaments als Überrest des steinernen Hauses von Erzbischof Bezelin-Alebrand (1035-1043), wie sie die Analen der Hamburger Kirchengeschichte nahelegen, ließ sich jedoch nicht beweisen. Ganz im Gegenteil: Die These ist widerlegt. „Bei den umfassenden Ausgrabungen im Vorfeld des benachbarten Kita-Neubaus von St. Petri konnten wir 2008 endlich größere Flächen öffnen und mit modernen Untersuchungsmethoden die zum Bischofsturm zugehörigen Schicht-Pakete sauber datieren und dokumentieren“, erzählt der Altertumsforscher. Demnach stammen die Findlinge nicht aus der Zeit des Bischofs, sondern aus dem späten 12. Jahrhundert und könnten Teile der Stadtbefestigung oder ein Stadttor gewesen sein. „Wir sitzen hier unmittelbar neben der Steinstraße, der ältesten, mit Steinen gepflasterten Straße Hamburgs und dem Heidenwall, der alten Stadtbefestigung. Da liegt die Interpretation als Stadttor oder Torbefestigung sehr nahe“.
Eines hat sich allerdings nicht geändert der „Bischofsturm“ bleibt nach wie vor das älteste Steingebäude Hamburgs und Dat Backhus kann mit Fug und Recht werben: „Beginnen Sie ihren Tag, wo Hamburg begann“.


Bischofsturm in Dat Backhus, Speersort 10, 20095 Hamburg Mo-Fr. 7-19 Uhr, Sa 7-18 Uhr. Telefon: (040) 3037 4063
Jeden ersten Montag im Monat findet von 16.30 -18 Uhr ein Rundgang statt, der Einblicke in die Zeit mittelalterlicher Burganlagen zwischen Rathaus, Nikolaikirche und Domplatz gibt. Treffpunkt: Dat Backhus, Speersort 10. Kosten: 3 Euro pro Person

Bildnachweis:

Header: Fundamentreste Bischofsturm, 1962
Galerie: Innenraumaufnahmen "Bischofsturm" am Speersort. Fotos: Helms-Museum, alle anderen Isabelle Hofmann.

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Architektur > Schauraum Bischofsburg - das älteste Steinha...

Mehr auf KulturPort.De

Philippe Quesne: Die Nacht der Maulwürfe – magische Farborigien
 Philippe Quesne: Die Nacht der Maulwürfe – magische Farborigien



Es gibt sie noch, die wundersamen Glücksmomente im Theater, die gestandene Kritiker (und Kritikerinnen) mit großen Augen dasitzen und staunen lassen wie Kinder [ ... ]



Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“
 Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“



Was für ein ungewöhnliches Stück! Eines? Nein: Was für drei ungewöhnliche Stücke – so intelligent, humorvoll und hintersinnig!
Mariano Pensottis „Lod [ ... ]



Vienna Vocal Consort: Nostre Dame
 Vienna Vocal Consort: Nostre Dame



Das Vienna Vocal Consort zählt seit Gründung im Jahr 2007 zu Österreichs renommiertesten Vokalensembles für Alte Musik. Deren neues Album „Nostre Dame“  [ ... ]



„Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit
 „Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit



Wie viel Tragik verkraftet ein Film in Zeiten von „Wonder Woman” oder „Atomic Blonde”? Tough ist angesagt, und viele Kritiker reagierten eher störrisch  [ ... ]



Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend
 Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend



Der Schlafrock war schwarz und nicht rot, wie am Vorabend in der Elbphilharmonie. Entsprechend seriös, ganz leise und melodisch der Einstieg.
Chilly Gonzales l [ ... ]



Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel
 Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel



Dass „die Tonkunst eine rührend-kurze Freude (ist), die aus dem Nichts entsteht und ins Nichts vergeht... eine kleine fröhliche Insel... die auf dem dunklen, [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.