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Architektur

Alte Synagoge Essen: Haus jüdischer Kultur

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(203 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 10. Januar 2011 um 17:55 Uhr
Alte Synagoge Essen: Haus jüdischer Kultur 4.6 out of 5 based on 203 votes.

Die Stadt schrieb 2005 einen Wettbewerb aus, mit dem Ziel, die Alte Synagoge in ein „Haus jüdischer Kultur“ zu verwandeln. Zwei Jahre, von 2008 bis 2010, dauerte der Umbau. Das Ergebnis ist mehr als überzeugend: Bauherr und Baumeister, Innengestalter und Landschaftsarchitekten haben einen großzügig wirkendes, luftiges, geradezu atmendes Haus geschaffen. Der Eindruck des Atmens kommt durch verschiedene Aspekte: Der Raum ist groß gedacht, klar strukturiert, farbig angenehm und nicht von Ausstellungsarchitektur verstellt. Wände wurden entfernt, hinter denen früher Verwaltungsräume waren, die nun in den großen Synagogenraum integriert sind.
Die Ausstellung gliedert sich in fünf voneinander abgesetzte Teile: „Quellen jüdischer Traditionen“, mit religiösen Artefakten wie beispielsweise Thorarollenfragmenten, einem Bar-Mitzwa-Set aus Kippa, Tallit und Tefillin. Ein Plan, der die jüdischen Festtage vom solilunaren Kalender zum Gregorianischen Kalender von 1900 bis 1950 abgleicht, ist dort ebenso zu finden wie Hochzeitsurkunden und Segenssprüche.
Der jüdische „Way of Life“, der von der Agentur für jüdische Kulturvermittlung verantwortet ist, zeigt jenen Bereich, der über das religiöse Leben hinausgeht, im Tanz, in der Musik, im Film, im Humor, im kosheren Essen und in der Kleidung. Hier ist die Vielfalt jüdischer Kultur besonders zu spüren.
Das Thema „Jüdische Feste“ ist auf der ehemaligen Frauenempore zu finden. Es beschäftigt sich zum Beispiel mit Pessach (Überschreitungsfest), Rosh Ha'Shanah (Neujahr), Jom Kippur (Tag der Umkehr), Sukkot (Laubhüttenfest) und Channukah (Lichterfest) und zeigt Insignien, von Leuchtern über Schofar-Hörner bis zu Shabbat-Kerzenständern sowie Kiddusch-Bechern.
Die „Geschichte des Hauses“ präsentiert sich auf der ehemaligen Orgelempore und die „Geschichte der jüdischen Gemeinde in Essen“ im neu zugänglichen Mezzanin.

Egal von welcher Sichtachse aus man den großen Innenraum wahrnimmt, er ist von überall her überzeugend, wirkungsvoll und einfach sehr schön. In ihm finden Veranstaltungen zu aktuellen und historischen Themen jüdischer Kultur statt sowie Konzerte und Vorträge. Das sorgt für einen lebendigen, facettenreichen und ‚pluralen’ Austausch. Ein Freundeskreis hat sich konstituiert und unterstützt die Aktivitäten.
Vom Eröffnungstag Mitte Juli bis Ende Dezember 2010 erlebten 37.000 Besucher das Haus – sie kommen nicht nur aus Essen und Umgebung – es sind Einzelbesucher und Gruppen, die überwiegend aus Orten zwischen Aachen und Paderborn sowie aus den angrenzenden Bundesländern anreisen.

altIm jüdischen „Way of Life“ findet der Besucher übrigens eine Drehscheibe mit verschiedenen Begriffen, die wir seit langem im Deutschen verwenden und deren Ursprung sich aus dem Hebräischen, teils aus dem Jiddischen ableitet. So auch der Begriff ‚Jubel’ (vom hebräischen Wort jowel), und der ist trotz des notwendigen Erinnerns im Haus der jüdischen Kultur angebracht.

Alte Synagoge Essen
Steeler Straße 29 / Edmund-Körner-Platz 1
45127 Essen
www.alte-synagoge.essen.de
Öffnungszeiten: täglich außer montags, 10 – 18h
Eintritt frei


Fotonachweis:
Header: Alte Synagoge Innenansicht 2011. Foto: © Claus Friede
Textbild: "Jod". Foto: © Claus Friede

Bildstrecke:
01. Damals, die Neue Synagoge, um 1914
02. Synagoge Innenansicht, Blick von der Frauenempore
03. Blick auf den Thoraschrein
04. Brennende Synagoge in Essen, 10. November 1938
05. Zerstörte Essener Innenstadt mit Blick auf Ruinen, die Synagoge und Friedenskirche, 1947
06. "Haus der Industrieform" (Eingang)
07. "Haus der Industrieform" (Innenansicht)
08. Umbau 1986 - 1988
09. Nach dem Umbau, die Dauerausstellung "Stationen jüdischen Lebens - von der Emanzipation bis zur Gegenwart"
10. Die Alte Synagoge mit neugestalteten Edmund-Körner-Platz (rechts), 2010
11: "Haus jüdischer Kultur", Innenansicht, 2011

Fotos 01-10: © Stadtbildstelle Essen / 11: © Claus Friedealt

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