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Architektur

Schloss Rundāle – das lettische Versailles

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Geschrieben von Jan Kuchenbecker  -  Dienstag, den 08. Dezember 2015 um 10:56 Uhr
Schloss Rundāle – das lettische Versailles 4.9 out of 5 based on 67 votes.
Schloss Rundāle – das lettische Versailles

Schloss Rundāle (lettisch: Rundāles pils) befindet sich im Süden Lettlands, auf der fruchtbaren Ebene von Zemgale. Einst Sitz von Herzogen, heute ein Magnet für Besucher aus aller Welt – nicht nur im Sommer.

Wer nach Rundāle möchte, der fährt für lettische Verhältnisse relativ lange. Das Barockschloss liegt westlich von Bauska und damit rund eine Stunde von Riga entfernt. Rundāle, zu deutsch Ruhental, wird als das Versailles des Baltikums bezeichnet.
Veranlasst wurde der Bau von der russischen Zarin Anna Iwanowna (1693-1740) als Sommerresidenz von Ernst Johann von Biron (1690-1772), Herzog von Kurland und Semgallen. Der Grundstein wurde 1735 gelegt und die ersten Bauarbeiten dauerten rund 5 Jahre. Für den Prachtbau wurde der russisch-italienische Architekt und Baumeister Bartolomeo Francesco Rastrelli (1700-1771) beauftragt, der bereits die Pläne für den Winterpalast in St. Petersburg entworfen hatte.

130 Zimmer im Schloss und 320.000 Linden im Park
Jener ließ auch den Schlosspark im französischen Landschaftsstil anlegen und pflanzte dafür rund 320.000 Linden. Der Baron von Kurland konnte das Schloss allerdings nur kurz nutzen, denn er wurde nach dem Tod der Zarin wegen Prunksucht und Grausamkeit nach Sibirien verbannt. Jahre später, nach weiteren politischen Intrigen, konnte der Baron nach Rundāle zurückkehren und es gelang ihm, in einem zweiten Bauabschnitt, ab 1763 auch den Innenausbau von Rundāle fertigzustellen. Den Innenraum gestaltete dabei der Berliner Rokoko-Bildhauer Johann Michael Graff.

Der Verfall
Das Schloss wechselte nach dem Tod des Barons mehrfach die Besitzer und gelangte schließlich im Rahmen der lettischen Agrarreform von 1920 in den Besitz des neuen lettischen Nationalstaates. Dieser konnte nur wenig mit dem teuren Prunk anfangen und wandelte das Schloss in Wohnraum und eine Grundschule um. 1933 wurde schließlich das Schloss dem lettisch Historischen Museum übergeben.
Zu dieser Zeit erkannte man, dass aufwändige Renovierungsarbeiten am Schloss überfällig waren. Der Zweite Weltkrieg verhinderte jedoch einen raschen Beginn der Arbeiten und verschlechterte den Zustand dramatisch. Zu allem Überfluss wurde Ruhental nach dem Krieg – wie so häufig in der Sowjetunion – zu einem Heu- und Kornspeicher umgewandelt und damit ging schließlich der Großteil der Inneneinrichtung zugrunde. Eine eigens im Keller des Schlosses heute eingerichtete Ausstellung dokumentiert den Zustand vor der Restauration.

Die Restauration
Diese wurde schließlich ab 1972 angegangen, nachdem historisch versierte und engagierte Letten das Schlossmuseum Rundāle gegründet hatten.
Heute erstrahlt Rundāle weitestgehend wieder in altem Glanz. Leider muss man sich aber bewusst sein, das man quasi durch einen Neubau wandelt, überlebte doch kaum etwas die Jahrzehnte des Verfalls. Ferner ist im Schloss der Sitz einer Forschungsstelle für die ältere Kunstgeschichte Lettlands. Es beherbergt nicht zuletzt deshalb die Ausstellung „Kunstschätze im Schloss Rundāle ". Besucher können in ihr Exponate der Kunst Europas und des Ostens aus der Zeit von vier Jahrhunderten entdecken.

Schloss Rundāle
Rundale Palace Museum, Pilsrundale, Rundales pagasts, Rundales novads, LV-3921 Lettland

Weitere Informationen
Das Abschlusskonzert des Internationalen Barockmusik-Festivals Riga (13. bis 16. Juli 2016) findet im Schloss statt.


Abbildungsnachweis:
Header: Gartenfront von Schloss Rundāle im Winter. Foto: Chris Ogilvie. Quelle: Wikipedia CC.
Galerie:
01. Hauptansicht von Schloss Rundāle Haupteingang). Foto: JoMa. Public domain
02. Gemälde von Ernst Johann von Bühren (Biron), 18. Jahrhundert, Künstler unbekannt.
03. Schloss Rundāle, Innenhof. Foto: Marcin Szala. Quelle: Wikipedia CC BY-SA 3.0
04. Zelta Saal, nach dem Rokoko-Entwurf von J.M. Graff.
05. Schlosspark Rundāle, Foto: Greifen. Quelle: Wikipedia CC BY-SA 2.0

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