Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 917 Gäste online

Neue Kommentare

Phil zu "A Ghost Story". Der wehmütige Minimalismus des David Lowery: Rooney Mara ist wirklich zu bewundern für ihren ...
Herby Neubacher zu Kopf-Hörer 19 - für den Advent geeignet: Ja, da war doch was mit dem Advent? Ach ja, da wu...
franky zu 10 Jahre Lichte Momente 2017 – Outdoor-Videoprojektionen in Osnabrück : Lichte Momente sind großartig und machen richtig...
Dr. Seán Ó Riain, Irische Botschaft, Wien zu Hamburg vergibt Förderpreise für Literatur und literarische Übersetzungen 2017: Ich gratuliere recht herzlich Frau Gabriele Haefs...
Herby Neubacher zu Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden: Die Geschmacklosigkeit schreckt wirklich heute vo...

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Architektur

Internationales Sommerfestival Kampnagel – zwei Künstlergruppen

Drucken
(90 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 10. August 2015 um 09:33 Uhr
Internationales Sommerfestival Kampnagel – zwei Künstlergruppen 4.2 out of 5 based on 90 votes.
Internationales Sommerfestival Kampnagel – Baltic Raw

Endlich mal ein Sommerfestival auf Kampnagel, in dem der Sommer mitspielt. Wer einen warmen Abend im Avant-Garten vor, in und zwischen den hölzernen Pavillons der Hamburger Künstlergruppe Baltic Raw verbringt, erlebt unter Umständen Spannenderes und Unterhaltsameres als in den hochgelobten Indoor-Veranstaltungen.

Kampnagelfans werden sich sicher erinnern: Zum Sommerfestival 2014 hatte die Hamburger Kunst- und Aktivistengruppe Baltic Raw die Rote Flora aus dem Schanzenviertel im Maßstab 1:3 nachgebaut und später als „24-Stunden-Aktionsraum“ EcoFAVELA für Lampedusa-Flüchtlinge genutzt. Nun ist der Bau umgestaltet worden zum Migrations-Welcome-Center und erinnert in seiner architektonischen Form wage an Frank Gehrys Walt Disney Concert Hall. Baltic Raw experimentiert seit Jahren mit Formen des Bauens und alternativen Raumkonzepten. Im Avant-Garten haben sie nun drei weitere modellhafte Holzpavillons aufgestellt, die an berühmte Bauwerke angelehnt sind und die ganz unterschiedlich bespielt werden. In das Burj Khalifa aus Dubai ist eine Fahrradwerkstatt eingezogen, den View Point aus der Hamburger HafenCity können die Besucher selbst erklimmen und das (schwer erkennbare) Sockelgeschoss der Europäischen Zentralbank in Frankfurt steht hier als „Haus der Darstellungskünste“, in dem sich die Hamburger „Underground-Avantgarde-Kunstfamilie JAJAJA“ für drei Wochen eingenistet hat. Ihre irrwitzige Performance um Geldnoten mit Electric Djembes und Eigenbau-Videokameras am zweiten Sommerfestivalabend war jedenfalls ein spannendes Erlebnis und mindestens ebenso unterhaltsam, wie die mit Vorschusslorbeeren überhäufte „dunkle Bühnenarbeit über zwischenmenschliche Gewalt“ von Douglas Gordon und Philip Venables in der K2.

„Bound To Hurt“ hört sich ja in der Tat recht bedrohlich an, doch der Schrecken kam mehr als verhalten über die Bühne. Douglas Gorden, bekannt geworden mit seiner Videoinstallation „24 Hour Psycho“, einer Auseinandersetzung mit Alfred Hitchcocks „Psycho“, gilt als einer der führenden bildenden Künstler unserer Zeit. 1996 erhielt der den renommierten Turner Preis, ein Jahr später nahm er an der Biennale in Venedig teil, weitere Auszeichnungen folgten, heute unterrichtet er Film an der Städelschule in Frankfurt am Main.

Seit seinem Studium an der Stade School of Art in London beschäftigt sich der gebürtige Schotte mit Kino-Ikonen, die er verfremdet. So legte er beispielsweise zwei Klassiker der Filmgeschichte, „Der Exorzist“ und „Das Lied von Bernadette“ auf einer freistehenden, durchscheinenden Leinwand spiegelverkehrt übereinander. Man darf also durchaus starke Bilder erwarten, wenn Gordon sich als Regisseur auf die Bühne wagt. Die blieben jedoch weitgehend aus. Besser gesagt: Blieben banal und fielen im Vergleich zu der Power-Musik des britischen Komponisten Philip Venables nicht weiter ins Gewicht. Gemeinsam mit dem deutsch-isländischen Kammermusik-Ensemble Adapter legte Venables er eine wahrhaft ohrenbetäubende Musik-Performance hin. Im Zentrum: Ruth Rosenfeld, eine großartige Sängerin und vielfältige Schauspielerin, die sich anfangs mit Taschenlampe unter einem weißen Laken rekelt, und in Hasstiraden und Vergewaltigungsphantasien ergeht. Man weiß von Anfang an, dass sich unter dem Laken auch ein Kind befindet (die neunjährige Saraa Sigrist, die am Schluss auch unter dem Tuch hervorkommt). Man sieht sie kaum, man hört sie mitunter schreien und flehen. Doch so recht will das wohl verstandene Grauen des Kindesmissbrauchs nicht die Herzen berühren. Emotional sind vielmehr die Hammer-Rhythmen von Adapter, die - gemeinsam mit Rosenfeld als Sängerin - populäre Songs von Carole King über Madonna bis zu Klaus Nomi in surreal anmutende Ausbrüche zwischen Liebe und Hass, Angst und Aggression übersetzen. Fazit: Ein starkes Konzert mit schwachen visuellen Reizen.

Baltic Raw "Wow!Tecture" und JAJAJA, bis 23. 8. Sommerfestival Kampnagel.
Weitere Informationen

Douglas Gordon / Philip Venables: Bound to Hurt
Weitere Informationen


Internationales Sommerfestival 2015
05. bis 23. August 2015
Tickets: +49 40 270 949-49 (Montag bis Samstag 13:00-19:00)
Kampnagel Hamburg, Jarrestraße 20 in 22303 Hamburg.
Programm


Abbildungsnachweis:

Header: Skizze zum Avant-Garten. Baltic Raw
Galerie:
01. "Wow!Texture"; Walt Disney Opera Aschenbecher, Baltic Raw
02. "Wow!Texture"; Europäische Zentralbank Becher, Baltic Raw
03. "Wow!Texture"; HafenCity View Point Tasse, Baltic Raw
04.
und 05. Douglas Gordon / Philip Venables: Bound to Hurt. Foto: Studio lost but found / Douglas Gordon / VG Bild-Kunst, Bonn.
06. und 07. Douglas Gordon / Philip Venables: Bound to Hurt © Studio lost but found / VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Foto: Ninon Liotet

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Architektur > Internationales Sommerfestival Kampnagel – ...

Mehr auf KulturPort.De

Johann Joachim Winckelmann – dem Stammvater der Archäologie zum 300. Geburtstag
 Johann Joachim Winckelmann – dem Stammvater der Archäologie zum 300. Geburtstag



Am 9. Dezember 2017 jährt sich der 300. Geburtstag von Johann Joachim Winckelmann.
Als Sohn eines armen Schuhmachermeisters 1717 in Stendal, Sachsen-Anhalt geb [ ... ]



„Drei Zinnen". Oder die Abgründe einer Kinderseele
 „Drei Zinnen



Jan Zabeil inszeniert sein subtiles, visuell virtuoses Familiendrama als verstörendes Survival-Epos.
Mag er eigentlich diesen kräftigen, sportlich durchtraini [ ... ]



Jhumpa Lahiri sagt: "Mit anderen Worten – Wie ich mich ins Italienische verliebte"
 Jhumpa Lahiri sagt:



Als die Pulitzer-Preisträgerin des Millenniumjahrs 2000 Jhumpa Lahiri vor zwei Jahren vom amerikanischen Ex-Präsidenten Barack Obama die "National Humanities M [ ... ]



Kopf-Hörer 19 - für den Advent geeignet
 Kopf-Hörer 19 - für den Advent geeignet



Überirdisch strahlend: Jarousskys Händel-Arien. Faszinierende Klangwelt: Olga Pashchenko spielt Beethoven-Sonaten auf dem Hammerklavier. Frühes Schauermärche [ ... ]



"A Ghost Story". Der wehmütige Minimalismus des David Lowery



"A Ghost Story" ist ein wundervoll fragiles Wesen, es nistet sich ein in unserer Erinnerung zwischen eigenen Sehnsüchten und Ängsten, vergangener Liebe und sch [ ... ]



10 Jahre Lichte Momente 2017 – Outdoor-Videoprojektionen in Osnabrück
 10 Jahre Lichte Momente 2017 – Outdoor-Videoprojektionen in Osnabrück



Vor genau zehn Jahren gründete die französische Kuratorin Valérie Schwindt-Kleveman das Videokunst-Festival „Lichte Momente“ in Osnabrück.
Das in Kooper [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.