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Architektur

„Plätze in Deutschland 1950 und heute“ – Schocktherapie für das kollektive Gedächtnis

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Geschrieben von Dirk Meyhöfer  -  Dienstag, den 02. Juni 2015 um 10:41 Uhr
„Plätze in Deutschland 1950 und heute“ – Schocktherapie für das kollektive Gedächtnis 4.8 out of 5 based on 120 votes.
Plätze in Deutschland 1950 und heute

Seit zwei Jahren tourt durch Deutschland eine aufwühlende Fotoausstellung über die Metamorphose der Stadt. Im Rahmen des 8. Architektur Sommers hat sie nun auch Hamburg erreicht.
Die Ausstellung stellt Photographien deutscher Plätze aus den 1950er Jahren aktuellen Aufnahmen vom gleichen Standort gegenüber, um Fehlentwicklungen und Versäumnisse bei der Stadtgestaltung aufzudecken.

Mittenmang! Der Hamburger Architektur Sommer dreht auf: Öfter als in den früheren Jahren versucht er den öffentlichen Raum zu erobern und die üblichen Orte der heiligen Museumshallen und elitäre Galerien zu ergänzen. Dafür steht nicht nur der „Bock auf dem Bismarck“, sondern auch eine Reihe anderer kleinerer Events. Zum Beispiel im Levantehaus an der Mönckebergstraße im Umfeld von Saturn, der Hauptpost und den Kaufhäusern: Hier ist die „Einschaltquote“ garantiert und die Wirkung nachhaltig. Das Thema der Fotoausstellung mit ausdrucksstarken Großformaten ist genau das, was vor dem Haus in der City liegt: deutsche Plätze und Straßen der Stadt im radikalen Wandel der letzten fünfzig Jahre. Seit dem Mittelalter spielen Plätze eine wichtige Rolle für das städtische Leben, ursprünglich waren sie Orte für den Handel, später Schmuckräume der Stadt zwischen oder vor den Rathäusern, anderen öffentlichen Gebäuden oder Kirchen. Schön und harmonisch – der Salon der Stadt.

Früher gaben die Ochsenkarren den Maßstab für die Straßen und Plätze an, heute hat die „verkehrsgerechte“ Stadt jeden Maßstab verloren
Schon immer waren Plätze auch Bühne, Knotenpunkte der Civitas und ihrer Wirtschaftsverkehre: mit Fußgängern, Pferden, Ochsenkarren, später kamen die Pferde-Omnibusse und dann die Straßenbahnen. Bis weit in die 1960er verlief alles ganz friedlich und koordiniert: „In den 1950er bis 1970er Jahren jedoch sorgte das Leitbild der verkehrsgerechten Stadt für massive Eingriffe in die Struktur vieler deutscher Plätze. Dem motorisierten Verkehr wurde die führende Rolle zugestanden. Stadtautobahnen, breite Straßendurchbrüche, sowie komplexe Systeme aus Hochstraßen, Tunneln und Rampen waren die Folge. Viele Plätze wurden zu reinen Verkehrsknotenpunkten ohne jegliche Aufenthaltsqualität“ steht in der Präambel der Ausstellung und damit sind auch 80 Prozent des Veränderungswahns beschrieben: „Plätze, die den Krieg unbeschadet überstanden hatten, wurden nun Opfer einer rigiden Stadtplanung, die sich an den funktionalen Ansprüchen des Automobilverkehrs orientierte und die historischen Strukturen und Maßstäbe unberücksichtigt ließ.“ Kurator Christoph Mäckler legt gern den Finger in die Wunde, und seine Botschaften kommen an, viele Vertreter der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens haben sich solidarisch mit dieser Ausstellung erklärt. Frage an Mäckler: Wer hat mehr zerstört der Zweite Weltkrieg oder die Jahrzehnte danach? Christoph Mäcklers Antwort ist eindeutig. „Es war nicht der Krieg!“

„Eine Stadt soll so gebaut sein, um die Menschen sicher und zugleich glücklich zu machen." (Aristoteles nach Camillo Sitte)
Der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler ist eine wirkungsmächtige Figur im Deutschen Städtebau und vor allem als Architekt vorbildlicher Büro- und Geschäftshäuser wie beispielsweise am Frankfurter Opernplatz bekannt geworden. Er ist Direktor des Deutschen Institut für Stadtbaukunst an der TU Dortmund und das hat 2013 eine Wanderausstellung konzipiert, die in allen großen deutschen Städten gezeigt wird: „Plätze in Deutschland 1950 und heute“. Das klingt eher klinisch sauber und dokumentarisch, aber wer die Besucher der Hamburger Ausstellung in der edlen Welt des Einkaufens an der „Möncke“ sieht, registriert rasch: Da passiert was in den Köpfen, ja in den Herzen, es wird auf dem ersten Blick sichtbar, wie Sehnsüchte nach Zeiten geweckt werden, als viele der Besucher Kind oder Jugendliche waren, mit einfachen schlichten Geschäftshäusern, so harmlos, dass es sie heute in dem jeweils anderen Bild der Fotopaare nicht mehr gibt. Man ahnt, es ist derselbe Ort, oder besser der gleiche, nur liegen Jahrzehnte der Zerstörung und des Vandalismus dazwischen; auf jeweils dem ersten Bild (Beispiel Bremer Bahnhofsplatz von 1962) fahren hübsche „Spielzeug“-Straßenbahnen, die das Wort Niederflur noch nie gehört haben, nostalgische Straßenprofile und -belege, entsprechende Reklame an Häusern und Bahnen sprechen einen liebevollen überkommenen Dialekt, den alle noch verstehen, aber keiner mehr spricht. Die Veränderungen sind radikal: Am Bahnhofsplatz von 2013 drängt sich eine fette Hochstraße ins Bild. Man begreift es schnell, selbst wenn auf den frühen Fotografien noch Kriegseinflüsse zu sehen sind, bleiben die Bilder stimmig, harmonisch, kleinteilig, und geben dem Menschen einen passenden Rahmen. Das jeweilige Alter ego zeigt fast immer das ganze Gegenteil. Da ist etwas aus dem Ruder gelaufen, die neuen Architekturen sprengen den Rahmen und der Maßstabgeber ist natürlich nicht mehr der Mensch, sondern das Auto. Das Hamburger Bildpärchen der Zerstörung stammt von der Esplanade. Ullrich Schwarz von der Hamburger Architektenkammer hatte vor einigen Jahren darüber eine umfangreiche Analyse eine Bauhistorikers im Hamburger Architekturjahrbuch veröffentlichen lassen, mit dem Ergebnis, dass dort, wo heute Hochhäuser die ursprünglich gründerzeitliche Einheit aufgerissen und konterkariert haben, nach Abbrüchen, die nicht kriegsbedingt waren.

„Stadträume sind Ausdruck unserer Kultur. Sie prägen unser tägliches Leben. Ihre Schönheit und Lebensfähigkeit zu fördern, muss ein grundlegendes Ziel unseres gesellschaftlichen Handelns werden!“ heißt es in den Begleittexten zur Ausstellung. Dass gerade die Freie und Abrissstadt Hamburg in diesen Zeiten sich wieder einmal wie die Axt in Wald benimmt (und gleichzeitig mit dem Kontorhausviertel und der Speicherstadt zum Welterbe drängt) zeigt sich rund um den Ausstellungsort, ja in der ganzen Stadt: Überall werden harmlos wirkende, aber harmonisch und maßstäbliche Bauten geopfert – weil wieder die Stadt aus dem Leim geht – meist der Gier und des Geldes wegen. Vielleicht führt ein Blick in die Ausstellung dazu, ein wenig länger über Stadt und ihr schönes Bild nachzudenken.

Plätze in Deutschland 1950 und heute - Eine Gegenüberstellung ist zu sehen bis 26.06.2015 im Levantehaus, Mönckebergstraße 7, in Hamburg.
Ganztägig geöffnet. Eintritt frei
Podiumsdiskussion am 10. Juni 2015 von 19 bis 21 Uhr
Mit: Prof. Jörn Walter (Oberbaudirektor Hamburg), Prof. Chrsitoph Mäckler (Direktor Deutzsches Institut für Stadtbaukunst an der TU Dortmund), Prof. Klaus Trojan (Architekturbüro Trojan Trojan + Paretner, Darmstadt). Moderation: Prof. Dr. Jörn Düwel (HafenCity Universität Hamburg).

Eine Ausstellung des Deutschen Instituts für Stadtbaukunde der TU Dortmund, in Kooperation mit dem Levantehaus Hamburg zum 8. Hamburger Architektur Sommer.
Weitere Informationen


Abbildungsnachweis:
Header: Hamburg Esplanade, 1957 (Staatsarchiv Hamburg) und 2015 (Foto: Gerrit Meier)
Galerie:
01. Bonn, Bahnhofsplatz; 1955: Stadtarchiv Bonn, Foto Bernhard Virnich; 2011: Foto: Detlef Podehl
02. Hannover Königsworther Platz; 1954: Historisches Museum Hannover, Foto: Heinz Koberg; 2014: Foto: Martin Henze
03. Halle/Saale Franckeplazu; 1950: Stadtrchiv Halle/Saale; 2012: Foto: Christina Kämmerer
04. Blick in die Ausstellung im Levantehaus. Foto: Lothar Braun
05. Blick in die Ausstellung. Foto: TU Dortmund

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