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Film
Benicio Del Toro: Begegnung mit einem zivilisierten Werwolf Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Dagmar Seifert   
Dienstag, den 09. Februar 2010 um 14:53 Uhr
Benicio Del Toro: Begegnung mit einem zivilisierten Werwolf

Interview-Tag im exklusiven Hotel Adlon in Berlin, sicherlich nicht der alleramüsanteste Teil des Schauspielerberufs. Trotzdem wirkt Oscar-Preisträger Benicio Del Toro ausgeglichen und sonnig, lächelt viel, lacht gern.

Gestern war er noch Che, politische Legende mit melancholischem Blick, heute ist er ein gefährliches Fabeltier und auch das wirkt bereits wieder wie die Rolle seines Lebens. Deutet nicht schon sein Name das Animalische an? Trägt er nicht an der rechten Hand einen riesigen silbernen Löwenkopf? (Und ist das etwa der, den im Film sein Bruder trug und den er dessen Verlobter überreicht als letztes Andenken?)

Möglicherweise steckt ja in dem ganz leicht blasierten Gentlemen, den er spielt, eine Prise seiner eigenen Vita. Benicio Del Toro stammt aus einer Upperclass-Familie in Puerto Rico, er hat ein erlesenes Internat in Pennsylvania besucht und später in den USA Wirtschaftswissenschaften studiert (zum Befremden seiner Familie, in der es als Tradition galt, Rechtsanwalt zu werden) bevor er die Familie noch mehr erschreckte, indem er auf Theaterwissenschaft umsattelte und anschließend renommierte Schauspielschulen besucht, unter anderem Stella Adler.
Vielleicht stammt seine achtsame, fast altmodische Höflichkeit aus seiner guten Kinderstube; vielleicht handelt es sich um spanische Grandezza.
Vielleicht mag er einfach Menschen.

In den vergangenen Jahren wurde Del Toro gern als lateinamerikanischer Brad Pitt gehandelt; eine gewisse Ähnlichkeit ist da schon, der aufgeworfene Mund, die kleine Nase, die kantigen Kiefern. Doch wo Pitt himmelblau blinzelt, liegen bei Benicio unter schwarzen Brauen gelbe Raubtieraugen.
In ungefähr einer Woche wird er dreiundvierzig und er sieht keinen Tag jünger aus, immer ein bisschen verwüstet und vergrübelt. Die dunklen Augenringe allerdings, beteuert er, kämen nicht vom wilden Leben, die hätte er schon als kleiner Junge gehabt.
Es macht ihm sichtlich Spaß, zu plaudern, er flicht kleine Anekdoten ein, er spielt mit seiner dunklen Stimme, die knurrt und murmelt und nuschelt, er deutet mittendrin, zur Verdeutlichung, winzige Sketche an.

Hören Sie hier ein paar O-Töne aus dem Kultur-Port.De Interview

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