Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 670 Gäste online

Neue Kommentare

C.Müller zu Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle: Erhalt des Kultursommers auf der Trabrennbahn Bah...
Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...

Anzeige


Meinung

Warum es in Hamburg keine Künstlerfamilien gibt

Drucken
(377 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 29. Dezember 2010 um 22:24 Uhr
Warum es in Hamburg keine Künstlerfamilien gibt 4.6 out of 5 based on 377 votes.

Auch ein zweiter wichtiger Vertreter der deutschen Literatur und des Journalismus kommt nur kurz nach Hamburg: Der Romantiker Heinrich Heine. 1816 zieht er nach Hamburg, wo er eine kaufmännische Ausbildung bei seinem Onkel Salomon Heine fortsetzt. Unter dem Pseudonym „Sy Freudhold Riesenharf” veröffentlicht Heine in Hamburg erste Gedichte – zunächst epigonale Reimereien im Stil des Minnegesangs, Vaterland und Heldentum gewidmet. Schließlich findet er durch seine leidenschaftliche, aber unerwiderte Liebe zu seiner Cousine Amalie einen eigenen Ausdruck. Es entstehen Gedichte, die zehn Jahre später im „Buch der Lieder“ zusammengefasst werden, darunter die Balladen „Belsazar“ und „Die Grenadiere“. Im „Hamburger Wächter“ schreibt er regelmäßig literarisch, feuilletonistisch und journalistisch.
Doch Hamburg steht auch für ihn nicht für die Kunst, sondern für das von ihm wenig geliebte Merkantile. Und überhaupt hat Heine keinen Bezug zur Hamburger Gesellschaft, er fühlt sich unwohl. Mit Unterstützung seines Onkels Salomon gründet er das Geschäft "Harry Heine et Comp. – kl. Bückerstr." Er spezialisiert sich auf englische Tuchwaren. Das Geschäft misslingt schon nach einem Jahr. Heine meldet Konkurs an und immatrikuliert sich an der Universität zu Bonn für ein Jurastudium. Er will danach zwar nach Hamburg zurückkehren, doch wegen der unerfüllten Liebe und den sich daraus ergebenden Schwierigkeiten und nach den judenfeindlichen Ausschreitungen 1819 und 1830 zieht er über Göttingen nach Berlin.
Zeitlebens behält Heine jedoch in Hamburg sein verlegerisches Zentrum bei Julius Campe.

200 Jahre später: Viele Medien und unter anderem Deutschlandradio Kultur betitelt im November 2010 eine Sendung mit: „Nur weg aus Hamburg - Die Kulturpolitik, die Abwanderung von Künstlern und so mancher Schließungsplan“. Hamburg kann offensichtlich keine Künstler halten, weder namhafte noch jene, die Humusarbeit leisten. Die Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle macht für eine gewisse Zeit dicht – nicht wegen fehlender Heizmöglichkeiten, sondern vermeintlich wegen fehlender Brandschutzklappen, ein Museum sollte ganz verschwinden. Ein Museumsdirektor soll mit seinem Gehalt für Verluste gradestehen, die eine finanziell katastrophal ausgestattete Museumstiftung verursacht und von der Politik nicht entscheidend gesund aufgestellt wird. Ein Schauspielhaus spart sich vom intelligenten Delphin zum kampfwilligen Hai.

Nun wäre all das nicht wirklich tragisch, wenn man wüsste, dass Hamburg im 2. Jahrzehnt des neuen Jahrtausends fähig wäre, Liebe zu den Künsten und Künstlern, Achtung und Vertrauen zu entwickeln. Vertrauen nicht nur ins Geld und Rechnen zu haben und nicht nur verbal auf (be)rechenbare Eventkultur zu setzen, sondern wirklich Neues zu erschaffen. Kreatives künstlerisches Arbeiten sollte großzügig zugelassen und gefördert werden - so muss die zukünftige Devise heißen. Hamburg sollte als wachsende Stadt eine Symbiose von Kultur, Journalismus und neuen Medien stärker und nachdrücklicher aufbauen, um die verpassten Chancen der Vergangenheit nicht zu wiederholen.
Hamburg darf sich auch durchaus der positiven Tradition des offenen Tores im Wappen von Altona erinnern, denn kultivierte Großzügigkeit zahlt sich auch aus!

Dies steht auf meiner Wunschliste für 2011 ganz oben.

Ihr Claus Friede

Foto "Lessingdenkmal" am Hamburger Gänsemarkt: Claus Friedealt

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar dagmar wirth
+1
 
 
die oper wird ja sehr gr0ßzügig unterstützt und die neue elbphilharmonie wohl auch, das sind halt alles prestigeobjekte, das mag der hamburger schon sehr, aber alles was nicht standesgemäß ist hat wohl keinen opulus, oder wie kann man das sehen? hamburg ist berlin gegenüber sehr konservativ! es gibt hier auch keinen wirklichen underground! trotzdem ist hamburg eine sehr schöne stadt, es fehlt halt das experimentelle, kampnagel war ja mal auf dem weg, in den 80ger jahren! einen guten rutsch ins neue jahr!!!
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar Heiko Langanke
+6
 
 
Es gibt wohl zwei "Hamburgs": das eine, in dem man über drei Generationen hier verwurzelt sein , plattdüütsch können und "leise" sein muß. Das ist eher dörflich. Man kennt sich, man arrangiert sich und man hat nichts gegen Kultur - aber eben auch nicht sonderlich für.
Und dann gibt es das Hamburg der Zugezogenen: die erwarten Weltstadt, sehen Widersprüche nicht als Problem sondern als Herausforderung, genießen Kultur und erwarten diese auch und sind doch immer "Gäste" ihrer Wahl-Heimat.
Frage ist nur, wer eigentlich die Mehrheit stellt ...
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken


 

Home > Kolumne > Meinung > Warum es in Hamburg keine Künstlerfamilien g...

Mehr auf KulturPort.De

„Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik
 „Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik



Er inspirierte Künstler wie Andy Warhol, Robert Mapplethorpe und die Village People, seine markanten erotischen Zeichnungen veränderten radikal das Selbstverst [ ... ]



Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem
 Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem



Gerade war sie noch beim Schleswig-Holstein-Musikfestival zu hören und debütierte – nun kommt zeitnah dazu ihr Debütalbum auf dem Markt. Gemeinsam mit Piani [ ... ]



Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel
 Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel



Es ist dunkel in der Hamburger Gralsburg, als Achim Freyer mit seiner „Parsifal“-Interpretation den Start in die neue Saison der Staatsoper zelebriert. Der 8 [ ... ]



Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage
 Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage



Wie kann ein Künstler heute ungebunden und frei arbeiten? Ungebunden ist durchaus möglich – frei arbeiten stößt aus unterschiedlichen Gründen an Grenzen.  [ ... ]



Maria Callas – zum 40. Todestag am 16. September 2017
 Maria Callas – zum 40. Todestag am 16. September 2017



Ingeborg Bachmann erahnte es Anfang 1956, als sie in der Mailänder Scala Maria Callas, die einzige Person erlebte, „die rechtmäßig die Bühne in diesen Jahr [ ... ]



Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks Hamburg: „Geld oder Leben – Nachdenken über Nachhaltigkeit“, ein Symposium
 Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks Hamburg: „Geld oder Leben – Nachdenken über Nachhaltigkeit“, ein Symposium



„So interessant und inspirierend! Das muss man unbedingt wiederholen!“
Der Tag war lang, acht Vorträge in fast zehn Stunden – doch die rund 50 Teilnehme [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.