Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 791 Gäste online

Neue Kommentare

Olivgrüner, harter Mann zu „Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge: Lubitsch? Na klar, das Szenario kam mir doch glei...
Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Meinung

Filmfest Emden-Norderney: Die Kartographie

Drucken
(140 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Claus Friede  -  Freitag, den 04. Juni 2010 um 14:11 Uhr
Filmfest Emden-Norderney: Die Kartographie 4.7 out of 5 based on 140 votes.
Filmfest Emden-Norderney: Die Kartographie

Seit zwei Tagen ist es Sommer, die Temperaturen, das Licht und der Himmel sind wie sie zu dieser Jahreszeit sein sollen.

Vor zwei Tagen begann das Filmfest Emden-Norderney, die Kinos sind dunkel und wenn man sich seine Filmliste festivalmäßig quantitativ (und natürlich qualitativ) zusammengestellt hat, so wie ich, genießt man vielleicht unter Umständen das schöne Wetter auf der Leinwand und stellt schließlich betrübt fest – es ist doch etwas anderes als draußen zu sein.

Klimatisch getröstet werde ich durch kleine Entdeckungstouren, cineastisch und städtisch, denn die lockere Festivalstimmung in einer Stadt wie Emden, scheint sich auch in den Kapillargefäßen des urbanen Raumes festgesetzt zu haben. Es wirkt familiär, man kommt ganz un-ostfriesisch schnell in Kontakt mit Leuten und spricht: über Filme, die Stadt und überhaupt über das Leben.

Apropos das Leben. Der deutsch-schweizerische Film „Marcello Marcello“, der in Deutscher Erstaufführung gezeigt wird, versetzt mich in den Sommer Italiens und baut eine schöne Brücke zwischen dem Filmort Amatrello und dem Filmfestort Emden.

Auf der italienischen Insel Amatrello hat sich ein archaischer Brauch erhalten. Die Väter entscheiden anhand von Geschenken, wer das erste Rendezvous mit ihren Töchtern erhält. Diese Tradition bestimmt seit Menschengedenken den Lauf der Liebe und des Hasses auf der Insel. Marcello, Sohn eines Fischers mit einem ungewöhnlichen Talent zum literarischen Erzählen, hält nichts von dieser ambivalenten Tradition und beteiligt sich nicht an den Geschenkaktionen. Bis Elena, die Tochter des Bürgermeisters, kurz vor ihrem 18. Geburtstag auf die Insel zurückkommt. Nun will Marcello Elenas Vater das perfekte Geschenk überreichen: den gehassten Hahn des Metzgers, der den Bürgermeister allmorgendlich aus dem Schlaf reißt. Doch der Metzger will sein Tier nur für einen anderen Gegenstand aus dem Besitz eines Anderen geben. Und plötzlich sieht Marcello sich in eine Reihe von Tauschgeschäften verstrickt. Irgendwie scheint jeder etwas vom anderen zu wollen und so entwickelt sich das Anfangsgeschäft zu einer Sysiphus-Aufgabe, durch welche die Vergangenheit des ganzen Dorfes aufgearbeitet werden muss.

Das eigentlich interessante Moment ist weder das einzelne Tauschgeschäft noch das Ergebnis, mit Elena ausgehen zu dürfen, sondern die Kartographie, das „Mapping“ der Beziehungen. Der Film erfasst die Netzwerke eines Raumes und kann als Instrument zum Begreifen von Landschaft und Ort verstanden werden. Das Inselstädtchen, die Landschaft und das Meer drum herum sind topografische und zugleich semiotische Räume, sie sind durch ihre Geschichte und Gesellschaft, Identität und Beziehungsgeflechte geprägt.

Ganz so erlebe ich nun den Festspielort Emden – zwar bin ich noch nicht bei den Tauschgeschäften angelangt, aber die Netzwerkbildung funktioniert schon prächtig und der kommunikative Reiz ist hoch und ausgeprägt.

Ihr Claus Friede

(Claus Friede ist Chefredakteur von Kultur-Port.De, Kulturjournalist, Moderator, Ausstellungs- und Filmreihenkurator. Er ist Mitgründer des Kulturklub Hamburg und leitet seit 20 Jahren die Kunstagentur Claus Friede*Contemporary Art)



Marcello Marcello. CH/D 2008. Regie: Denis Rabaglia. Buch: Mark David Hatwood nach seinem Roman „Marcello’s Date (Marcello und der Lauf der Dinge)“. Kamera: Filip Zumbrunn. Musik: Henning Lohner.
Mit: Francesco Mistichelli, Elena Cucci, Luigi Petrazzuolo, Renato Scarpa, Ivo Garrani, Mariano Rigillo u.a.
Farbe 97 Min. 35mm. Prod.: C-Films und zero fiction / Anne Walser. Verleih: Senator. DF/GermV.
Foto: Filmstill © C-Films
Filmfest Emden-Norderney 2. bis 9. Juni 2010
http://filmfest.icserver13.de/

Weitere Filme zum Thema Mapping von Beziehungen im o.g. Sinn: 
"andiamo!" von Thomas Crecelius (94 Min., D/I 2004, Venutura Film)

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

Macy Gray: Stripped
 Macy Gray: Stripped



Endlich! Ein Fan von R&B-Sternchen Macy Gray und ihrer wunderbar rauchigen Stimme bin ich seit dem ersten Album. Leider präsentierte die Ex-Backup-S&au [ ... ]



„Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge
 „Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge



In seinem elegischen Nachkriegs-Epos inszeniert Regisseur François Ozon die schmerzhafte Verstrickung von Trauer, Träumen, Schuld und Liebe als deuts [ ... ]



Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer
 Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer



In der CD-Reihe „Neue Meister“ präsentieren Arash Safaian, Sebastian Knauer und Pascal Schumacher die Musik nach Motiven von Bach so, wie der Meiste [ ... ]



Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst
 Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst



Die Autorin dieses Beitrags ist begeisterte Reeperbahn Festival-Besucherin, schaut sich aber neben dem umfassenden Konzertangebot besonders gerne im „Arts& [ ... ]



Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Opernhit „ [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.