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Meinung

Städtepartnerschaft schön geschrieben

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(459 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Claus Friede  -  Samstag, den 21. März 2009 um 20:09 Uhr
Städtepartnerschaft schön geschrieben 4.7 out of 5 based on 459 votes.

Die Städtepartner Hamburg und Osaka zelebrieren in diesem Jahr das 20-jährige Jubiläum.

Insbesondere die Kultur soll dieses an vorderer Front zeigen. Zelebrieren? Das müsste doch eigentlich anders aussehen!
 

 
Städtepartner Hamburg und Osaka

1999, als man das 10-Jährige feierte, gab es in beiden Städten einen regen Austausch auf kulturellem Gebiet: Ausstellungen, Konzerte, ein kleines Kurzfilmfestival in Osaka. Künstler, Grafik- und Modedesigner aus Osaka zu Besuch in Hamburg - da war noch Verbundenheit zu spüren. Diese postuliert Hamburg-Marketing immer noch und verkündet auf der Homepage: "Beziehungen auf allen Ebenen zeigen die Verbundenheit". Auf allen Ebenen? Nein, das kann man zum 20-Jährigen wirklich nicht mehr behaupten.
 

Noch vor drei Jahren wurde bei den einschlägigen Treffen im Rathaus zur Vorbereitung der Feierlichkeiten vollmundig ein besonderes Kulturprogramm versprochen. Die japanischen Vertreter im Generalkonsulat, deren Sitz gegenüber dem Rathaus liegt, haben sich teilweise uninformiert und vorschnell über die neue Hamburger Partnerschaft zu China mokiert. Hamburg hätte für Japan nichts Vergleichbares organisiert wie die China-Time für das Reich der Mitte. Dabei war seit Jahrzehnten die Aktivität gerade im kulturellen Bereich zwischen Hamburg und Japan exzellent gewesen. Allerdings hat die japanische Seite bei der Kostenbeteiligung immer gewusst, wie man sich zurückhält. Das gilt insbesondere wieder in diesem Jahr. Aber auch die Senatskanzlei stellt Finanzmittel nur in rudimentärem Umfang zur Verfügung. Es gibt keine Partnerschaft zwischen den Menschen, es ist eine Partnerschaft, weil sie wirtschaftlich einmal interessant war.
 

Osaka hat ernsthafte wirtschaftliche Probleme. Damals, 1989, war die Stadt noch die zweitgrößte Japans, mittlerweile ist sie von Yokohama überholt worden. Auch kulturell war Osaka noch nicht einmal auf dem zweiten Rang. Viele Städte haben ein weit interessanteres Kulturleben zu bieten. Auch hier ist Yokohama mittlerweile zu einer der innovativsten Städte geworden. Osakas Beamte im Rathaus haben kaum Interesse an Kultur. Nur gut, dass es den florierenden Austausch auf Stadtteilebene zwischen Ottensen (Hamburg) und Hirano (Osaka) gibt. Der lebt ohne die offiziellen Stellen sehr gut.

Ihr Claus Friede

(Claus Friede ist Chefredakteur von Kultur-Port.De, Kulturjournalist, Moderator, Ausstellungs- und Filmreihenkurator. Er ist Mitgründer des Kulturklub Hamburg, leitet die Fokus-Reihe beim Filmfest Hamburg und seit knapp 20 Jahren die Kunstagentur Claus Friede*Contemporary Art)
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avatar Harald N. Clapham
+12
 
 
Claus Friedes Bedauern über die Vernachlässigung der Städtepartnerschaft Osaka Hamburg teile ich. Wegen der vielen Japan-Freunde in Hamburg, die wir bei zwei Hamburger Japan-Festivals 1996 und 1999 mit einem tollen Programm ausgestattet haben, sollte einmal offen darüber geredet werden, wo die Schwachstellen in der deutsch-japanischen Beziehung sind. Beispiele aus eigener Erfahrung: Es beeindruckte die offizielle japanische Vertretung offenbar überhaupt nicht, dass Hamburgs Kulturbehörde sehr einseitig über zehn Jahre lang ein Künstler-Austausch-Programm finanzierte und 15 Künstler zu mehrmonatigen Gastaufenthalten nach Hamburg eingeladen hatte. Nie erfolgte eine Gegeneinladung an einen Hamburger Künstler!

Die aus der Stadtverwaltung Osakas dringenden, sehr spärlichen Vorschläge für den Kulturaustausch mit der Partnerstadt Hamburg verrieten eine große Ratlosigkeit im Umgang mit der im Ausland hoch angesehenen zeitgenössischen japanischen Kunst. Die Stadtverwaltung Osaka, erst recht die permanent untätige Osaka-Vertretung in Düsseldorf und das japanische Generalkonsulat in Hamburg war damit stets gänzlich überfordert. Zuletzt resignierte darüber selbst das Museum für Völkerkunde, das über viele Jahre hinweg jedes Jahr japanische Wochen und ein Japanisches Sommerfest veranstaltet hatte. Die Mitarbeit der japanischen Vertretung ließ ebenso zu wünschen übrig wie Kontaktversuche zu einem Museum in Osaka, woran die japanische Bürokratie offenbar kein Interesse hatte.

Dem sympathischen japanischen Oberbürgermeister Dr. Seki aus Osaka, den wir übrigens vergeblich um Hilfe baten, hatten seine Beamten für seinen zweiten Hamburg-Besuch 2004 Anlass war das fünfzehnjährige Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Hamburg nur ein Puppentheater mitgegeben. Wie stellt sich die Kansai-Metropole Osaka eigentlich im Ausland dar? Das fragte sich so mancher Japan-Freund in Hamburg betroffen.

Ohne die unermüdliche Arbeit von Shigehiko Honda (Goethe-Institut Kansai) und Frau Nobuko Wada (Japanisch-Deutschen Gesellschaft Osaka), gäbe es keinen Kulturaustausch Hamburg-Osaka. Ohne die unermüdlich engagierten Hamburger Japaner, zu denen Hiroshi Yuji und Toshio Asada ebenso gehört wie Noboru Miyazaki (arbeitet seit mehr als zehn Jahren für den Deutsch-Japanischen Stadtteildialog Ottensen) wäre der Austausch längst vollends ausgetrocknet. Die erfolgreiche Stadtteil-Bürgerinitiative in Ottensen betreibt einen regen Austausch mit japanischen Stadtplanern, Künstlern und einfachen Bürgern in Osaka-Hirano und Tokio-Sumidaku und ist eine vorbildlichen Initiative, die vom japanischen Generalkonsulat genauso stiefmütterlich behandelt wurde wie die die Hamburger Initiative, die seit 10 Jahren auf dem NIHON MEDIA FILM FESTIVAL hervorragende japanische Filmkunst zeigt. Das Festival wurde übrigens vor drei Jahren erstmals nach einem unglaublichen Kraftakt mit sage und schreibe 1.000 EUR vom japanischen Generalkonsulat unterstützt. Die Kulturbehörde förderte mit dem zehnfachen Betrag - Armes Japan! Ohne die Hamburger Initiativen von Japan-Freunden wäre es überhaupt nie zu einem nennenswerten deutsch-japanischen Kulturaustausch gekommen. Ach, halt, es gibt ja noch das Feuerwerk! Das abzufeuern braucht keine Künstler und keinen Austausch! Und die japanischen Diplomaten dürfen dann wieder das tun, was sie offenbar am liebsten machen: Aus der Ferne zuschauen.

Harald N. Clapham
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avatar Rüdiger Chlauba
+2
 
 
Bravo, Harald N. Clapham! Aber wenn ich mich recht erinnere, ist die Hamburger Kulturbehörde mit Ihnen als ehemaligem Bediensteten ja so viel besser nun auch nicht umgegangen. Vielleicht sollten Sie also auch die hiesige Not offenlegen, ohne das fernöstliche Elend schön zu reden.
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avatar Michael
-1
 
 
Sprachpartner Deutsch-Japanisch gesucht.
Hallo, ich heiße Michael und suche einen Sprachpartner oder eine Sprachpartnerin, damit ich meine Japanischkenntnisse verbessern kann. Ich helfe in Deutsch.
Ich möchte Japaner kennenlernen und für gemeinsame Unternehmungen.
Gruß
Michael
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avatar Heiko Langanke
0
 
 
Ich weiß gar nicht, warum Hamburg überhaupt noch Städtepartner hat. Das Interesse scheint in den letzten Jahren doch alleine auf wirtschaftliche Interessen abzuzielen. Als Jazzfreak wunder ich mich seit Jahren, dass wir zu den Jazzmetropolen Chicago, St. Petersburg und Prag im Grunde gar keine Partnerschaften haben. Dabei wäre es so simple.
Statt dessen wird gerade Marseille angegangen und mir scheint, da wurde Geld aus Brüssel geschickt umgelenkt - denn kosten darf so etwas ja auch nichts.
Wird Zeit, dass Hamburg aufwacht!
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