Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 927 Gäste online

Neue Kommentare

Gerd Kruse zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo Frau Lampert,
ich war durch meine He...

Herby Neubacher zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Absolut richtig. Ich habe das gabnze Drama Elbphi...
Giulio zu „Die Spur”. William Blake und die Rache der Eigenbrötler : Prost Neujahr! Und danke für die vielen schönen...
Hubert Hoffmann zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Ein Prestige -Objekt für die oberen Zehntausend....
Feindt zu Hamburg: Ein Museum im Hafen: Ein schönes neues Museum und wo bleibt die Berü...

CDs KlassikKompass

„Stravinsky in Hollywood“

Drucken
(0 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 19. August 2014 um 10:43 Uhr
Stravinsky in Hollywood

Warum der bedeutendste Komponist der 1930er-Jahre ausgerechnet nach Hollywood zog, lässt sich lediglich damit erklären, dass er hoffte, mit Aufträgen zu Filmmusikkompositionen ein sorgenfreies Leben führen zu können. Die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten. Der ordnungsliebende russische Komponist konnte im Chaos der amerikanischen Filmindustrie nicht wirklich neue Arbeitsmethoden entwickeln.

Auf der soeben erschienen DVD „Stravinsky in Hollywood“ zeichnet Regisseur und Cutter Marco Capalbo ein Portrait des Komponisten und der Jahre zwischen 1939 bis kurz vor Strawinskys Tod 1971. Europa 1939 verlassen zu haben war keine Besonderheit; der Krieg trieb viele Künstler nach Übersee.
Mit einer ganzen Reihe von Originalaufnahmen und kleinen Spielszenen mit Schauspielern bebildert Capalbo in etwas mehr als fünfzig Minuten einen bedeutsamen Lebensabschnitt eines der wichtigen Musiker des 20. Jahrhunderts. Auch wenn der Film ein paar formale Schwächen hat, gelingt es dem Regisseur die Vielseitigkeit und vor allem die Wandlungsfähigkeit Strawinskys zu dokumentieren. Gerade die Interviewpassagen mit seinem langjährigen Vertrauten, Assistenten, Ratgeber und Ziehsohn, dem heute 90-jährigen Robert Craft, geben darüber Aufschluss aus erster Hand und wirken authentisch.

Cover Stravinsky in HollywoodWalt Disney war es, der Ende der 1930er Strawinsky bat, sein Ballett „Le Sacre du printemps“ mit animierten Bildern versehen zu dürfen. Er gab sein Einverständnis. Was er aber dann bei "Fantasia" zu sehen bekam, schockierte ihn zu tiefst. Strawinsky war entsetzt von den musikalischen Kürzungen und Vereinfachungen seiner Komposition, vor allem aber von der „plumpen und stumpfen“ Bebilderung. Da halfen die 6.000 Dollar Honorar auch nicht wirklich hinweg. Aus den vielen Angeboten und Versprechungen von unterschiedlichen Produzenten der Filmschmiede Südkaliforniens wurde nicht viel. Zwar ergaben sich Kompositionsaufträge, aber kaum eine wurde letztlich für einen der Filme benutzt. Kunst und Film wollten sich nicht vertragen, noch weniger wollte Strawinsky allzu viele Kompromisse machen. Er kommentierte die Zusammenarbeit damit: „Filmleute benutzen Musik wie Parfüm, ich brauche sie zum Überleben“.
Ganz umsonst war seine Arbeit jedoch nicht, denn er baute ganze Passagen oder Stücke um und nutzte sie für seine neoklassischen Werke wie „Vier Norwegische Impressionen“ (1942) bis dieser – vor allem in Europa kritisierter Kompositionsstil endgültig erschöpft war.

Capalbo geht in seiner Doku auch auf die künstlerische Krisen Strawinskys, auf seine Liebe zur Wüste, seine tiefe Religiosität und auf das Verhältnis zu anderen Künstlern ein, insbesondere zu Komponisten wie Arnold Schönberg (1874-1951) und Anton Webern (1883-1945). Obwohl Strawinskys nur einen Steinwurf entfernt von Schönbergs in Hollywood wohnten, trafen sich beide Komponisten nie, es schien vielmehr so, als ob sich beide wie Rivalen aus dem Weg gingen. Dabei hätten sie sich bei der Premiere für einen gemeinsamen Kompositionsauftrag – insgesamt waren sieben Komponisten beteiligt – durchaus treffen können. Während Schönberg das Prelude zum Projekt von Nathaniel Shilkret „Genesis Suite“ komponierte, erhielt der jüngere Komponist den Auftrag für den Abschnitt „Babel“. Erst nach dem Tod Schönbergs näherte sich Igor Strawinsky seinem Werk an und fand in der Person von Robert Craft und Anton Webern eine neue Inspirationsquelle für einen neuen Kompositionsstil im 12-tonalen.


„Strawinsky in Hollywood“
DVD / Blu-ray
Regie: Marco Capalbo
D, 2014. 53 Min. Dolby Widescreen
Label: C-Major Entertainment, Naxos
ASIN: B00JRER9R2

Filmtrailer


Abbildungsnachweis:
Headerfoto: Richard Avadon, 1958 (Motiv vom Filmplakat. Bernhard Fleischer. Moving Images)
DVD-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > „Stravinsky in Hollywood“

Mehr auf KulturPort.De

„Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache
 „Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache



Joe Wrights eleganter Politthriller „Die dunkelste Stunde” ist das Gegenstück zu Christoper Nolans überwältigendem Suspense-Epos „Dunkirk”. Zwei Filme [ ... ]



Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde
 Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde



Im Opernhaus in Hamburg schallen Kinderstimmen durch die Gänge: Es ist wieder opera piccola-Zeit!
Bevor die Kinderoper im Februar auf die Bühne geht, ist im H [ ... ]



Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami
 Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami



Ernst Wolff: „Finanz Tsunami. Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht“
Es ist wie es einmal war und heute noch ist: Ein Ausspruch von Henry Ford, des  [ ... ]



Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach
 Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach


  War es Absicht, dass rund um das Fest der Liebe die Kölner Oper ausgerechnet Giuseppe Verdis Bühnenstück „Rigoletto“ – das 1851 den Wel [ ... ]



„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns
 „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns



Genialer Genre-Mix aus Neo-Western und Kleinstadt-Satire.
Manchmal ist es leichter einen Molotow-Cocktail zu werfen als zu weinen. Mildred Hayes (Frances McDorm [ ... ]



The Nutcracker Reloaded – Tchaikovsky meets Streetdance
 The Nutcracker Reloaded – Tchaikovsky meets Streetdance



Drosselmeier als blutsaugender Organhändler, Clara auf der Müllkippe, statt Hoftheater und Spitzenschuhe Breakdance, Darth Vader und Super Mario.Vergessen Sie  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.