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Jeroen van Veen: JacobTV – Complete Solo Piano Music

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Geschrieben von Hans-Juergen Fink  -  Montag, den 14. Juli 2014 um 13:49 Uhr
Jeroen van Veen: JacobTV – Complete Solo Piano Music

Der niederländische Komponist und Musiker Jacob Ter Veldhuis, der sich JacobTV nennt, ist auf vielen Feldern zuhause. Geboren 1951, begann er seinen Weg als Rockmusiker, studierte Komposition und elektronische Musik. In den 80er-Jahren hat er sich voll auf das Komponieren verlegt und ist seither bekannt als quirliger Geist, nicht auf eine Richtung festzulegen. Er zelebriert als Medienkünstler Performances mit Live-Instrumenten und faszinierenden Soundtracks zu sprachrhythmischen Melodien, war kürzlich erst beim Internationalen Musikfest Hamburg eingeladen mit einem Mix aus aberwitzigen Medienclips und Musik, mit denen er mediale Selbstinszenierungen parodierte.

JacobTV ist aber nicht nur ein „Andy Warhol der Neuen Musik“, sondern folgt auch gern neoklassischen und postromantischen Ideen. Zu hören auf dem neuen Doppelalbum, das Jeroen van Veen eingespielt hat und das JacobTVs Kompositionen für Piano solo vollständig versammelt. An diesen beiden CDs kann man hervorragend studieren, wie sich der Komponist überkommene musikalische Strukturen zu eigen macht, in dem er sie aufknackt und bereichert. Und man kann nur darüber staunen, was er alles in kleinen Universen von knapp einer Minute erzählt und illustriert, gern mit einem ironischen Augenzwinkern, denn er hat alle Formen und Ausdruck tief durchdrungen. Seine Klavierstücke tragen Titel wie „Klarsichtdose Mozartkugeln“ oder „Postnuclear Winterscenario Nr. 1“, er setzt Texte zwischen die Musik wie Interviewfetzen von John Cage in „Sound“ oder die dummquasselige Mitschrift einer Werbesendung für ein Schlankheitsmittel „In Body of Your Dreams“ und gewinnt daraus neue musikalische Strukturen. Er spürt dem Geheimnis seltsamer Vogelstimmen nach oder spielt lässig mit den Ideen von Blues und Boogie.

altIn seinem „Piano Concerto Nr. 2 ‚Sky Falling’“ mit großem Orchester lotet JacobTV neoklassisch klangliche Räume zwischen Rachmaninow, Strawinsky Mozart und Blues aus, gern unter schwelgerischer Verwendung des Orchesterklangs.
Seine beiden „Piano-Boeks“ reichen in der Prägnanz ihrer Zeichnung und in ihrem Erfindungsreichtum ohne weiteres an Schumanns „Kinderszenen“ heran – grandiose musikalische Minaturen mit Titeln wie „Kurze Freude“, „Beerdigung Dornröschens“, „Armseligkeit in F“ oder „Mystery“, „Mirror of Time“ und „Reconciliation“.
Und in „Intervallen – 12 Studies for Piano“ stellt er jedesmal ein anderes Intervall in den Mittelpunkt seiner kompositorischen Aufmerksamkeit. Und offenbart in den kleinen virtuosen Geniestreichen dieselbe Freude an der maximalen Auslegung selbstauferlegter Regeln, wie sie Bach bei seinem „Musikalischen Opfer“ empfunden haben muss.

Solche Musik, die unmmittelbar und packend zum Zuhörer spricht, gehört auf die Konzertprogramme unserer Zeit, und es kann dem niederländischen Pianisten und Minimalismus-Experten Jeroen van Veen, der für seine brillanten Einspielungen von Pärt, Satie, Philip Glass nicht bekannt ist, hoch genug angerechnet werden, dass er sie per CDs wenigstens schon mal vorab bekannter macht. Zwei CDs, die für viele Entdeckungen gut sind!

Jeroen van Veen: JacobTV – Complete Solo Piano Music, 2 CDs,
Brilliant Classic #94873

Piano Concerto No.2 Sky Falling


Abbildungsnachweis: Jacob Ter Veldhuis. Foto: Bram Tackenberg
CD-Cover

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