Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 860 Gäste online

Neue Kommentare

Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...
adarompf@gmx.de zu „Mahana – Eine Maori-Saga”. Zwischen Tradition und Tyrannei : In allen Facetten genaue Beschreibung des Films, ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


CDs KlassikKompass

Christoph Willibald Gluck – „La Clemenza di Tito“

Drucken
Geschrieben von Claus Friede  -  Donnerstag, den 05. Juni 2014 um 12:44 Uhr
Christoph Willibald Gluck – „La Clemenza di Tito“

Es gibt wohl, laut der Musikwissenschaftlerin Helga Lühning, über fünfzig bekannte Vertonungen dieses Operntitels, die Dunkelziffer liegt bei weit mehr. Die Bekannteste ist nicht die von Christoph Willibald Ritter von Gluck (1714-1787), sondern von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), geschrieben in seinem Todesjahr 1791, „aber das Libretto um den römischen Kaiser Titus war im 18. Jahrhundert ein Dauerbrenner und sein Autor Pietro Metastasio eine Berühmtheit in seinem Metier“, heißt es auf der Seite des Orchesters l’arte del mundo“.

Bedeutsam bei der Oper von Gluck „La Clemenza di Tito“ (1752) ist jedoch, dass sie bereits unter den Gesichtspunkten seiner Reformen zur „opera seria“ geschrieben wurde. Beginnend mit „Orfeo ed Euridice“ (1774), beschnitt Gluck nämlich endgültig und drastisch die Gesangsvirtuosität als Selbstzweck, schaffte das Secco-Rezitativ ab, wodurch sich die Abgrenzung zwischen Arie und Rezitativ, stark reduzierte. Er führte also die italienischen und französischen Traditionen zusammen. Sicherlich war dies ein Ergebnis seiner vielen Reisen und Erfahrungen, die er in Italien, England, Frankreich und Österreich machte.

„1752 in Neapel uraufgeführt, ist diese Oper ein verhältnismäßig frühes Werk von Gluck, aber einige Ansätze zu den späteren „Reformopern“ lassen sich bereits erkennen, und eine Arie übernahm der mit dem Frühwerk offenbar recht zufriedene Komponist sogar gut 25 Jahre später in seine „Iphigénie en Tauride“ (1779). Gluck schrieb für „Tito“ – wie die Oper in Kurzform auch genannt wird – eine Musik voller Energie und Dramatik, die wiederzuentdecken sich mehr als lohnt.“ Wie wahr!

Cover TitoIn Kooperation mit Bayer Kultur – im November 2013 wurde die Oper im Bayer Kulturhaus in Leverkusen mitgeschnitten – präsentiert das Orchester l’arte del mondo „diese auch für die Sänger äußerst reizvolle Oper in hochkarätiger Besetzung. Wie bei den schon in den letzten Jahren gespielten Opern aus den „Archiven der Welt“ schließt sich auch in diesem Fall an die konzertante Aufführung eine Weltersteinspielung an“, steht auf der Internet-Kulturseite des Chemie-Riesen.
Pünktlich zum 300. Geburtstag des Komponisten wurde also „Die Großmutige des Titus“ verdienstvoll, weil erstmalig überhaupt, vom WDR und Sony Music als vierstündige Opernproduktion auf vier CDs gebrannt: Das Dirigat hat Werner Ehrhardt und dieser führt die Instrumente hervorragend.
Mit Laura Aikin als Vitellia, Rainer Trost in der Titelrolle des Tito Vespasiano und Valer Sabadus als Annio führen zwar drei Operngrößen die kompetente Sängerschaft an, qualitative Unterschiede sind aber dennoch leider zu hören – genau das ist wiederum eine Schwäche dieser Aufnahme (und Besetzung). Da geht so manche Stimme in den vielen Arien an ihre Grenze in diesen wahrlich nicht einfach zu singenden Partien. Letzterer Punkt entschuldigt wiederum nicht, wenn Flavio Ferri-Benedetti als Publio seine nötige Leistung nicht abrufen kann, da hätte man frühzeitig anders besetzen müssen. Laura Aikin ist dafür eine durchgehende, expressive und verlässliche Größe und gesanglich sticht sie deutlich hervor.

Die Oper in italienischer Sprache und in drei Akten und 40 Gesamtszenen wirkt klanglich auf allen vier Tonträgern unglaublich ausgewogen. Der Hörer taucht trotz der erwähnten Schwäche in eine Welt in der die Intrigen allesamt längst hinter der Bühne passiert sind und sich nun die Gefühlswelten der Protagonisten wieder sammeln müssen. Auch wenn Gluck viele Arien im „Tito“ wiederverwendet hat – Annios und Publios erste Arien tauchen schon bei der Oper „Ezio“ (1750) auf und Vitellias letzte Arie hat er sogar zwischen 1744 und 1777 fünf mal verwendet – so sind diese selbstreferentiellen Griffe souverän und typisch für die Zeit. Virtuose Koloraturen, kontrastreiche Musikalität der Stimmen und eine großartige instrumentale Leistung sorgen für Genuss beim Hörer.

Nicht verwunderlich ist übrigens, das der andere diesjährige Jubilar, Richard Strauss, aber auch Mozart, Beethoven, von Weber und Wagner in der Musik und Theorie Glucks den Beginn der modernen Bühnenmusik sahen.


Christoph Willibald Gluck (1714-1787): „La Clemenza di Tito“
Label: Deutsche Harmonia Mundi, DDD
Bestellnummer: 3927964

Hörproben


Abbildungsnachweis:
Portrait von C.W. Gluck
CD-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Bücher & CDs – wissen was sich lohnt

OKRA – Piano & Field Recordings
Kultur Magazin



Die Okra, auch Gemüse-Eibisch, ist eine Gewächsart aus der Familie der Malvengewächse. Sie ist eine aus dem Hochland Ostafrikas stammende Pflanze, [ ... ]



Till Brönner: The Good Life
Kultur Magazin



Baba-bäää, baba-bo-bääääbää – die Trompete ist unverkennbar, der smoothe und doch intensive Sound auch. Till B [ ... ]



Neil Cowley Trio: Spacebound Apes
Kultur Magazin



„Dies ist ein Projekt, an dem ich lange gearbeitet habe. Es beinhaltet Themen wie Schuld, Angst, Verlust und Sehnsucht – mit ein paar überraschenden [ ... ]



Melt Trio: Stroy
Kultur Magazin



Die beiden Brüder Peter (Gitarre) und Bernhard Meyer (Bass) sowie Moritz Baumgärtner (Drums) bringen ihr drittes Album heraus: Stroy.
Die archaische V [ ... ]



Mehr auf KulturPort.De

Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
Kultur Magazin



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Ope [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
Kultur Magazin



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch
Kultur Magazin



„Manchmal fotografiert man die Welt, um sie und sich selbst besser verstehen zu können, eignet sich Dinge durch Abbilder an, um sie sich zu gegebener Zeit [ ... ]



Saisonstart mit philharmonischem Glück und symphonischem Tiefgang
Kultur Magazin



Die Hamburger Philharmoniker mit Kent Nagano punkten bei ihrer Saisoneröffnung mit Brahms’ Erster. Die Symphoniker Hamburg holen mit Thomas Adè [ ... ]



Jonas Burgert – Hälfte Schläfe
Kultur Magazin



Die Hamburger Produzentengalerie in der Admiralitätsstraße zeigt bis zum 30. Oktober 2016 Werke von Jonas Burgert. Seit der Ausstellung „Geschichtenerzä [ ... ]



„Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue
Kultur Magazin



Lucie Borleteau inszeniert die Odyssee ihrer Protagonistin ästhetisch virtuos als Chronik einer ungewöhnlichen Dreiecksbeziehung: sinnlich, melancholis [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Events