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Richard Strauss: Vom Wind gespielt – Bläsersonatinen

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Geschrieben von Claus Friede  -  Donnerstag, den 15. Mai 2014 um 12:39 Uhr
Richard Strauss: Vom Wind gespielt – Blaesersonatinen

Pünktlich zum Jubiläumsjahr – der Geburtstag von Richard Strauss jährt sich zum 150. Mal – sprießen die Musikangebote mit bekannten und unbekannten Stücken aus dem Presswerkboden. Man muss schon genau hinsehen und vor allem hören, um die feinen Kostbarkeiten herauszufiltern. Mir hat, ehrlich gesagt, der Titel einer CD namens „Wind Sonatinas“ gefallen und die Vorstellung, dass der Wind jenes Notenkonstrukt zum Klingen bringt, das Strauss sein ganzes Leben lang begleitete.

Es ist sicherlich so, dass vieles von dem, was einen bereits von frühester Kindheit an umgibt, prägend wirkt auf das gesamte Leben. Bei Richard Strauss (1864-1949) war es ein Instrument, aus der Kategorie „Blechblas“. Sein Vater Franz war Hornist im Münchner Opernorchester. Der warme Klang des Horns mag den jungen Richard in seinen Bann gezogen haben, denn bereits als Schüler komponierte er die ersten Serenaden und Suiten für ein Dreizehnköpfiges Bläserensemble.

Richard Strauss: Vom Wind gespielt – BläsersonatinenAuf der CD sind 16 Blasinstrumente des Armonia Ensembles im Einsatz: Flöten, Oboen, Klarinetten, Hörner, Fagotte und sie spielen „Aus der Werkstatt eines Invaliden“ (Sonatine Nr. 1 F-Dur), eine Komposition aus dem Jahr 1943 und „Fröhliche Werkstatt“ Sonatine Nr. 2 Es-Dur aus dem Jahr 1944. Beide Werke entstanden also während der Grausamkeiten des Zweiten Weltkriegs und der Naziverbrechen. Im CD-Booklet werden dazu die richtigen Fragen gestellt, nämlich jene, die die Rolle Strauss’ betreffen: "Wie geht Strauss damit um? Er, der in Bayreuth einsprang, als Toscanini aus Protest gegen Hitler absagte? Der die Eröffnungsmusik zu Hitlers Olympischen Spielen von 1936 schrieb? Der 1943 Hans Frank, Generalgouverneur und ‚Schlächter von Polen’, mit einer Dankhymne bedacht hatte [...] Ein Tiefpunkt. Strauss, 1944 neben Furtwängler und Pfitzner der dritte Musiker auf der Sonderliste „Unersetzlicher Künstler“ (des NS-Regimes) – fühlt er nach Kriegsende persönliche Schuld?“
Eine überzeugende Antwort gibt es nicht! Was allerdings bleibt sind die Kompositionen im Licht ihrer Zeit und unserer Zeit und die Reflexion gehört unbedingt dazu.

Das Armonia Ensemble rekrutiert sich übrigens aus Solobläsern des Gewandhausorchesters aus Leipzig und spielt meisterlich. Die Aufnahmen aus dem Mendelsohn-Saal des Gewandhauses stammen aus den Jahren 2010 und 2012.

Die recht selten zu hörenden Stücke sind eine Klangfreude: lebhaft, quirlig, jubelnd umtanzt. Suchend in und nach einer kurzen Melodie, kehren Passagen immer wieder zu sich selbst zurück. Mal läuft die Komposition kanonisch nebeneinander und in einander verschlungen, mal arbeitet sie widersprüchlich in Stimmung gegeneinander an. In solchen Augenblicken darf Musik in der Tat ganz Werkstatt sein und sich nur mit sich selbst beschäftigen. Da ist der Meister routiniert und gelassen zugleich.

Fanfaren sind Signale mit denen Strauss zu gerne in seinen Bläsersonatinen zu arbeiten scheint. Er setzt sie ein als wolle er eine neue Zeit ankündigen, wären da nicht die Erinnerungselemente an seinen ‚Rosenkavalier’ und an den „Geiste Mozarts“. Dem widmet er nämlich seine Partitur von 1945: „Den Manen des göttlichen Mozart am Ende eines dankerfüllten Lebens“.


Richard Strauss: „Bläsersonatinen - Wind Sonatinas“
Armonia Ensemble
Berlin Classics
0300576BC
Empfehlenswert, ein Beitrag von Andreas Garbner, Bayerischen Rundfunk


Abbildungsnachweis:
Headerfoto: Tobias Haupt
CD-Cover

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