Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 672 Gäste online

Neue Kommentare

C.Müller zu Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle: Erhalt des Kultursommers auf der Trabrennbahn Bah...
Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...

Anzeige


CDs KlassikKompass

Quatuor Ébène - Brazil

Drucken
(0 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 06. Mai 2014 um 12:37 Uhr
Quatuor Ebène: Brazil

Genre-Grenzen hat das französische Quatuor Ébène immer wieder gern überschritten, seit es 2004, fünf Jahre nach seiner Gründung, beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb den Ersten Preis, den Publikumspreis und noch drei weitere Auszeichnungen abräumten. Es war der Durchbruch in eine internationale Karriere.

Seither spielten sie das klassische Streichquartett-Repertoire, nahmen sich aber immer wieder die Freiheit kleiner Ausflüge in Richtung Weltmusik und Jazz, zuletzt 2010 mit ihrer Crossover-CD „Fiction“. Ihr aktuelles Album verrät das Reiseziel schon im Titel: „Brazil“ – und diese Musik könnte der gehobene Soundtrack zur Fußball-WM werden. Zwischenstopps auf der Reise machen die vier Musiker und ihre Gäste in Kalifornien und in Argentinien.

Cover BrazilStreichquartett und Bossa Nova ist das Hauptthema, der elegant federnde Rhythmus liegt den Vieren offensichtlich im Blut, sie saugen ihn auf, schwimmen darin wie die Fische im Amazonas. Dabei scheuen sie auch vor Ikonen nicht zurück: Marcos Valles „So nice“ ist vor ihnen so wenig sicher und wird von der Jazz-Sängerin Stacey Kent in verführerischer Dezenz interpretiert; Valle, der brasilianische Singer/Songwriter stößt für Jobims „Aguas de Marços“ dazu mit der feinen Patina seiner 70 Jahre. Und „Brazil“, eine der berühmtesten Sambas, wird zu „Brazil Odyssey“, einer finalen Rundreise durch die vielfältigen Tonlagen und Emotionen der brasilianischen Musik zwischen Herzschmerz und Sambadrom. In einem so großen musikalischen Herzen ist für vieles Platz – also auch für den französischen Chansonnier und Komponisten Bernard Lavilliers, der drei Songs beisteuert und selbst interpretiert.

Stacey Kent setzt mehrfach wunderbare Akzente, mit Astor Piazollas komplexem „Libertango“, mit dem versponnenen „Fragile“ von Sting über einem feinen Tango-Untergrund, dem Song „The Ice Hotel“ zur Musik ihres Mannes, des Saxophonisten Jim Tomlinson, der den Quartettklang bei drei Titeln erweitert, unter anderem bei „Smile“ zur Musik, die Charlie Chaplin für seinen Film „Modern Times“ geschrieben hat. Aus der Feder Stevie Wonders, im Ohr mit der Stimme Michael Jacksons, kommt „I can’t help it“

Von Wayne Shorter stammt die instrumental glühende Hommage an seine Ehefrau Ana Maria, die 1996 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Und von Hermeto Pascoal „Bebe“, ein ultranervöser Baiao, der wirkt, als würde eine Mann mit einer Frau tanzen und sich dabei ständig heimlich nach einer anderen umdrehen.

Eine interessante Bandbreite und Musik von einer Intensität, die manchmal fast schmerzt. Das auch wäre die einzige Kritik an diesen Aufnahmen: Dass man der Viererbande des Quatuor Ébène manchmal ein Spürchen weniger klassischen Druck auf dem Bogen wünscht und noch einen kräftigen Schuss mehr Saudade und brasilianische Lockerheit.

Aber das kommt ja vielleicht beim Konzert: Derzeit sind die Vier mit der Musik aus diesem neuen Album auf Tour, gemeinsam mit Stacey Kent, Jim Tomlinson und Percussionist Richard Héry. Eine der letzten Chancen, das quirlige Quartett noch einmal in der Gründungsbesetzung zu hören, denn gerade hat Bratscher Mathieu Herzog seinen baldigen Ausstieg aus der Streicher-Boygroup angekündigt.


CD: Quatuor Ébène: Brazil
Erato 0825 6463 2043 11
Gespräche und Musik aus der Aufnahme von "Brazil"

Konzert: Hamburg, Kl. Laeiszhalle, 10.5., 21 Uhr, im Rahmen des 1. Internationalen Musikfests Hamburg, Tickets: 11.- bis 39.- Euro

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Quatuor Ébène - Brazil

Mehr auf KulturPort.De

Fassadendemokratie und tiefer Staat. Das marktgetreue Grinsen
 Fassadendemokratie und tiefer Staat. Das marktgetreue Grinsen



Was denn? Das Volk sei unfähig, Politisches zu durchschauen oder gar mitzuregieren? Liest man dies im Buch „Fassadendemokratie“, dann ist man bass erstaunt, [ ... ]



„Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik
 „Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik



Er inspirierte Künstler wie Andy Warhol, Robert Mapplethorpe und die Village People, seine markanten erotischen Zeichnungen veränderten radikal das Selbstverst [ ... ]



Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem
 Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem



Gerade war sie noch beim Schleswig-Holstein-Musikfestival zu hören und debütierte – nun kommt zeitnah dazu ihr Debütalbum auf dem Markt. Gemeinsam mit Piani [ ... ]



Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel
 Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel



Es ist dunkel in der Hamburger Gralsburg, als Achim Freyer mit seiner „Parsifal“-Interpretation den Start in die neue Saison der Staatsoper zelebriert. Der 8 [ ... ]



Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage
 Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage



Wie kann ein Künstler heute ungebunden und frei arbeiten? Ungebunden ist durchaus möglich – frei arbeiten stößt aus unterschiedlichen Gründen an Grenzen.  [ ... ]



Maria Callas – zum 40. Todestag am 16. September 2017
 Maria Callas – zum 40. Todestag am 16. September 2017



Ingeborg Bachmann erahnte es Anfang 1956, als sie in der Mailänder Scala Maria Callas, die einzige Person erlebte, „die rechtmäßig die Bühne in diesen Jahr [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.