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C.P.E. Bach: Concertos & Symphonies

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Geschrieben von Hans-Juergen Fink  -  Freitag, den 09. Mai 2014 um 12:44 Uhr
C.P.E. Bach: Concertos - Symphonies

Ein hübscher Kontrast ist das, was die Berliner Barock Solisten da auf ihrer CPE-Bach-CD versammelt haben: zwei Bläserkonzerte (Flöte, Oboe) aus den Berliner „Galeerenjahren“ am Hof Friedrichs II., eines königlichen Flötisten von begrenzter Neuerungsneigung. Und zwei der Hamburger Symphonien, für die sich Baron van Swieten, der Auftraggeber, von Carl Philipp Emanuel Bach größte künstlerische Freiheit ausgebeten hatte.

„Un fils de Back, ici qui joue tres bien du Clavessin il est tres fort dens la Composssition mais son gout n’est pas formé“ (ein Sohn von Bach, der sehr gut Cembalo spielt, er ist sehr stark beim Komponieren, aber sein Geschmack ist nicht gebildet) – so urteilte Der König über seinen Hofcembalisten. Und da sein Wort Gesetz war, fügte sich Bach in vielen seiner Berliner Kompositionen den eng gesteckten Grenzen, nicht ohne sie immer wieder auszureizen.
altZwei Gesichter also. Das d-Moll-Flöten-Konzert lässt im ersten Satz noch tiefe Wurzeln in der Formensprache eines Vivaldi hören, bleibt auch im zweiten noch recht konventionell, erst im dritten Satz lässt Bach Furien im Geiste Glucks und seinem Eigensinn freien Raum – von Jacques Zoon und dem feinnervig begleitenden Ensemble gespielt in einem Tempo, beim dem selbst ein König ins Schleudern käme und für das sie bei jeder Radarkontrolle rechts rausgewinkt würden.

Und dann die fünfte der Hamburger Symphonien in h-Moll. Hier reizt CPE Bach von Anfang an überraschende Kontraste aus, nichts wird verniedlicht. Die Berliner Barock Solisten – gegründet 1995 von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker und erweitert um ausgewiesene Experten für Alte Musik – unter Konzertmeister Gottfried von der Goltz erreichen eine packende Klarheit der Diktion im Eingangssatz. Im Larghetto kommen sie zu einer fast überirdische Transparenz, die manchmal wie eine Glasharmonika klingt. Um dann dann im Presto schroffe Kontraste aneinanderzupacken, vibratolos fahle Töne wie Klangflächen über- und untereinander zu stapeln, und immer wieder die tiefen Streicher und Tutti zwischen zarte Violin-Ranken grätschen zu lassen.

Man versteht sofort, warum Zuhörer bei der ersten Privataufführung in Hamburg begeistert urteilten: „Schwerlich ist je eine musikalische Composition von höherm, keckerm, humoristischerm Charakter einer genialen Seele entströmt.“

Auch beim Oboenkonzert (Solist: Jonathan Kelly) aus den späten Berliner Jahren kommen der erste und dritte Satz eher gefällig daher, ohne dabei im Mainstream der Präklassik zu treiben. Der zweite allerdings – Largo e mesto – klingt so melancholisch, so sehnsuchtsvoll, so träumerisch schwebend wie die besten langsamen Sätze von CPE’s großem Vater.

Und dann nochmal: Was für ein Unterschied zur vierten Hamburger Symphonie A-Dur! Eine Welt der kompositorischen Freiheit öffnet sich, das elegant Spielerische wird zum Türöffner für neue, exzentrische Wendungen, harte Brüche, manchmal reichen zwei Töne oder eine abrupte Pause für einen verblüffenden Übergang.

Eine spannende Aufnahme, die spüren lässt, zu welcher Meisterschaft CPE Bach auflief, wenn er nicht gefällig sein musste und dementsprechend „mehr Zucker“ geben konnte.


C.P.E. Bach: Concertos & Symphonies,
deutsche harmonia mundi Nr. 88843004252


Abbildungsnachweis: CD-Cover

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