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Christina Pluhar schlägt Brücken zwischen Purcell und Jazz

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Geschrieben von Hans-Juergen Fink  -  Montag, den 17. März 2014 um 13:00 Uhr
Christina Pluhar

Nach der Reise rund ums Mittelmeer, die die österreichische Harfenistin und Lautenistin Christina Pluhar, in ihrem letzten Album „Mediterraneo“ mit Freunden und Gästen und ihrem Ensemble ‚L’Arpeggiata’ unternahm hat, folgt die „Jamsession-Domina der Alten Musik“, wie der Spiegel sie mal genannt hat, den Lockrufen des „Orpheus Britannicus“ – wie der frühbarocke Tonsetzer Henry Purcell (1659-1695) schon zu Lebzeiten genannt wurde.

Natürlich ist auch ihr neues Album „Music for a while” nach dem so simplen wie aufregenden Rezept gekocht, dessen Erfolg Manager anderer Plattenlabels neidblass macht: Man nehme Musik aus fernen Jahrhunderten und bringe sie mit etwas Jazz zum Swingen und Tanzen.

Christina PluharDas funktioniert bei Henry Purcell prächtig, vor allem wenn man Stücke mit ostinaten, wiederkehrenden Bassmotiven wählt – über die können die Jazzmusiker von heute wunderbar mit dem Komponisten von damals ins Gespräch kommen. Besonders schön zu hören ist das beim Track der neuen CD, Didos berühmter Todes-Arie „When I am laid in earth“ aus „Dido und Aenaeas“. Blues-Piano und gezupfter Bass setzen den Anfang, als Sängerin brilliert Raquel Andueza mit einem fast vibratofreien keuschen Sopran im Dialog mit dem stillen Zink, den Doron Sherwin inspiriert von Miles Davis bläst.

Oder bei der namensgebenden Arie „Music for a while“ aus „Ödipus, König von Theben“, die Counter-Star Philippe Jarrousky mit glasklaren Sopran-Timbre singt – traumverlorener Bar-Jazz, zu dem Gianluigi Trovesis Klarinette über Bass und Klavier die dezente Begleitung liefert.


Audio 1


Audio 2

Nichts aber ist zwanghaft auf Jazz gebürstet, die CD enthält auch etliches im originalen Klanggewand, das sich so organisch ins Konzept einfügt wie das zauberhafte Duett „In vain the am’rous flute“ zwischen Philippe Jaroussky und Counter-Alt Vincenzo Capezzuto mit der tiefen Flöte als Begleitung. Es kann aber auch ganz deftig zugehen, wenn die Musik zum Tanz ruft.
Daneben gibt es Stücke, in denen manchmal zwischen zwei Taktstrichen über die Jahrhunderte gesprungen wird – sie gehören mit zu den spannendsten, weil sie zeigen, wie dicht in Purcells Musik die Abfahrten ins freie Improvisieren beieinander liegen.

Das nämlich war zu seiner Zeit so selbstverständlich wie heute in den Jazzclubs. Über dem bezifferten Generalbass war die flüchtige Kunst des Augenblicks gefragt, das harmonische Gerüst auszufüllen und auszugestalten. Christina Pluhars Musiker besitzen diese Fähigkeit, sie können einerseits in vollendeter Präzision Purcells Musik spielen, andererseits aus ihrem Geist heraus heraus neue Wege erkunden. Sie kümmern sich einfach nicht um die Grenzen, flattern über sie hinweg.
Und singen und spielen vieles mit einem Augenzwinkern – entweder in Dominique Visses sehr komischen Interpretation des Textes von „Man is for the woman made“, oder im Auftakt der CD, bei dem Purcell zum Noten-Stichwortgeber für eine veritable Country-Nummer wird. Oder im Bonus-Track, dem „Hallelujah“ nach Leonard Cohen, der nach Purcell doch deutlich abfällt und wohl nur das Prinzip des ostinaten Basses illustrieren soll. Alles in allem ist „Music for a While“ ein musikalischer Spaß mit vielen berührenden Momenten.



Christina Pluhar/L’Arpeggiata: Music for a while.
Warner Classics
Erato 08256 463375 07
EAN-Code: 0825646362035

L'Apeggiata live sehen hören:
6. Juni 20 Uhr, Göttingen, Internationale Händel Festspiele (Music for a while)
14. Juni 22 Uhr, Potsdam, Schlosspark - Orangerie Sanssouci (Mediterraneo)

Abb.: Copyright Warner Classics

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