Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 704 Gäste online

Neue Kommentare

Willem van Rensenbrink zu „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns: Danke für den Tipp. Ein klarer Oscar-Kandidat!...
h. pöhls zu James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone: war genauso beeindruckt. Gut beschrieben....
Gerd Kruse zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo Frau Lampert,
ich war durch meine He...

Herby Neubacher zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Absolut richtig. Ich habe das gabnze Drama Elbphi...
Giulio zu „Die Spur”. William Blake und die Rache der Eigenbrötler : Prost Neujahr! Und danke für die vielen schönen...

CDs KlassikKompass

Christina Pluhar schlägt Brücken zwischen Purcell und Jazz

Drucken
(0 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 17. März 2014 um 12:00 Uhr
Christina Pluhar

Nach der Reise rund ums Mittelmeer, die die österreichische Harfenistin und Lautenistin Christina Pluhar, in ihrem letzten Album „Mediterraneo“ mit Freunden und Gästen und ihrem Ensemble ‚L’Arpeggiata’ unternahm hat, folgt die „Jamsession-Domina der Alten Musik“, wie der Spiegel sie mal genannt hat, den Lockrufen des „Orpheus Britannicus“ – wie der frühbarocke Tonsetzer Henry Purcell (1659-1695) schon zu Lebzeiten genannt wurde.

Natürlich ist auch ihr neues Album „Music for a while” nach dem so simplen wie aufregenden Rezept gekocht, dessen Erfolg Manager anderer Plattenlabels neidblass macht: Man nehme Musik aus fernen Jahrhunderten und bringe sie mit etwas Jazz zum Swingen und Tanzen.

Christina PluharDas funktioniert bei Henry Purcell prächtig, vor allem wenn man Stücke mit ostinaten, wiederkehrenden Bassmotiven wählt – über die können die Jazzmusiker von heute wunderbar mit dem Komponisten von damals ins Gespräch kommen. Besonders schön zu hören ist das beim Track der neuen CD, Didos berühmter Todes-Arie „When I am laid in earth“ aus „Dido und Aenaeas“. Blues-Piano und gezupfter Bass setzen den Anfang, als Sängerin brilliert Raquel Andueza mit einem fast vibratofreien keuschen Sopran im Dialog mit dem stillen Zink, den Doron Sherwin inspiriert von Miles Davis bläst.

Oder bei der namensgebenden Arie „Music for a while“ aus „Ödipus, König von Theben“, die Counter-Star Philippe Jarrousky mit glasklaren Sopran-Timbre singt – traumverlorener Bar-Jazz, zu dem Gianluigi Trovesis Klarinette über Bass und Klavier die dezente Begleitung liefert.


Audio 1


Audio 2

Nichts aber ist zwanghaft auf Jazz gebürstet, die CD enthält auch etliches im originalen Klanggewand, das sich so organisch ins Konzept einfügt wie das zauberhafte Duett „In vain the am’rous flute“ zwischen Philippe Jaroussky und Counter-Alt Vincenzo Capezzuto mit der tiefen Flöte als Begleitung. Es kann aber auch ganz deftig zugehen, wenn die Musik zum Tanz ruft.
Daneben gibt es Stücke, in denen manchmal zwischen zwei Taktstrichen über die Jahrhunderte gesprungen wird – sie gehören mit zu den spannendsten, weil sie zeigen, wie dicht in Purcells Musik die Abfahrten ins freie Improvisieren beieinander liegen.

Das nämlich war zu seiner Zeit so selbstverständlich wie heute in den Jazzclubs. Über dem bezifferten Generalbass war die flüchtige Kunst des Augenblicks gefragt, das harmonische Gerüst auszufüllen und auszugestalten. Christina Pluhars Musiker besitzen diese Fähigkeit, sie können einerseits in vollendeter Präzision Purcells Musik spielen, andererseits aus ihrem Geist heraus heraus neue Wege erkunden. Sie kümmern sich einfach nicht um die Grenzen, flattern über sie hinweg.
Und singen und spielen vieles mit einem Augenzwinkern – entweder in Dominique Visses sehr komischen Interpretation des Textes von „Man is for the woman made“, oder im Auftakt der CD, bei dem Purcell zum Noten-Stichwortgeber für eine veritable Country-Nummer wird. Oder im Bonus-Track, dem „Hallelujah“ nach Leonard Cohen, der nach Purcell doch deutlich abfällt und wohl nur das Prinzip des ostinaten Basses illustrieren soll. Alles in allem ist „Music for a While“ ein musikalischer Spaß mit vielen berührenden Momenten.



Christina Pluhar/L’Arpeggiata: Music for a while.
Warner Classics
Erato 08256 463375 07
EAN-Code: 0825646362035

L'Apeggiata live sehen hören:
6. Juni 20 Uhr, Göttingen, Internationale Händel Festspiele (Music for a while)
14. Juni 22 Uhr, Potsdam, Schlosspark - Orangerie Sanssouci (Mediterraneo)

Abb.: Copyright Warner Classics

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Christina Pluhar schlägt Brücken zwischen P...

Mehr auf KulturPort.De

Karl Schmidt-Rottluff: expressiv, magisch, fremd
 Karl Schmidt-Rottluff: expressiv, magisch, fremd



Gut Ding will Weile haben, heißt es. Manchmal erstaunlich lange Weile: Zum ersten Mal untersucht eine Ausstellung den Einfluss außereuropäischer Kunst auf das [ ... ]



„Alles Geld der Welt”. Die Kapitalismuskritik des Ridley Scott
 „Alles Geld der Welt”. Die Kapitalismuskritik des Ridley Scott



Elegantes Kidnapping-Drama als Psychogramm menschlicher Gier.
Rom, Juli 1973. „Bambino” nennen ihn die Prostituierten vom Piazza Farnese ironisch-mitleidig, [ ... ]



Machen sie mich schön, Madame d’Ora
 Machen sie mich schön, Madame d’Ora



Sie setzte mit großer Leidenschaft die schönen Dinge des Lebens in Szene: Die Mode. Die Kunst. Die feine Gesellschaft im Wien der K.u.k.-Monarchie und später  [ ... ]



Uri Korea – Ruhe in Beschleunigung
 Uri Korea – Ruhe in Beschleunigung



In den vergangenen Monaten machte Korea oft Schlagzeilen, aber immer war es Nordkorea, verbunden mit den Drohgebärden seines atomraketenverliebten Staatschefs K [ ... ]



„The Disaster Artist”. James Franco und der Kult um das Scheitern
 „The Disaster Artist”. James Franco und der Kult um das Scheitern



Vor vierzehn Jahren erlangte Tommy Wiseaus Leinwand-Epos „The Room” in Hollywood zweifelhafte Berühmtheit als „schlechtester Film aller Zeiten”. Lächer [ ... ]



Hamburger Kunsthalle – erneutes Finanzdefizit
 Hamburger Kunsthalle – erneutes Finanzdefizit



Zwei Mal hat die Freie und Hansestadt die Hamburger Kunsthalle mit großer Anstrengung entschuldet, jetzt muss sie wohl wieder in das Staatssäckel greifen: Das  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.