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Rudi Stephan – Chamber Works and Songs

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Freitag, den 04. August 2017 um 08:11 Uhr
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Rudi Stephan – mit Signatur

Rudi Stephan (1887-1915) konnte sein Leben nicht lange leben, er konnte sein unglaublich großes musikalisch-kompositorisches Talent nicht vollständig ausreifen lassen und sein Werk konnte in den Erinnerungsfeldern der frühen 20. Jahrhunderts ebenfalls nicht gebührend überleben. Es hat ein Jahrhundert gedauert und 15 Jahre intensive Recherchearbeit des Pianisten Hinrich Alpers (*1981), bevor dieses außerordentliche und qualitätsvolle Album den jung, im Ersten Weltkrieg gefallenen Komponisten, in der bisher umfangreichsten Sammlung vorstellt.

Es ist kaum zu zählen wie viele gute, talentierte oder hochbegabte Künstler, den vielen Kriegen und der „Vernichtung“ zum Opfer gefallen sind. Rudi Stephan ist einer von Ihnen, gefallen 28-jährig bei Tarnopol/Galizien, am Rande des österreichisch-ungarischen Reiches (heute Ukraine). Welches Potential dieser Rudi Stephan, der in Worms geboren wurde und aus einer wohlhabenden und einflussreichen Familie stammte, lässt sich durch die verdienstvolle Arbeit Hinrich Alpers nun großflächig belegen.

Der Vater, Jurist und hessischer Landtagsabgeordneter war auch kulturell interessiert und leitete als Vorsitzender den örtlichen Wagnerverein. Das ist insofern erwähnenswert, weil die frühen Kompositionen und Entwürfe des Sohnes Rudi den Einfluss Richard Wagners und der Spätromantik noch in sich tragen, zumindest bis knapp zum Ende der 1900er-Jahre. Bereits 1905, mit 18 Jahren hatte er mit Erlaubnis der Eltern das Gymnasium verlassen und Studien beim Kompositionslehrer Bernhard Sekles am „Hochschen Konservatorium“ in Frankfurt/M. aufgenommen. „Dort lernt er die Welt eines Claude Debussy kennen und findet in den musiktheoretischen Schriften von Georg Capellen, die sich mit der Überwindung des Dur-Moll-Dualismus beschäftigen, das Fundament seiner Suche nach einer Musik, die ohne programmatischen Hintergrund und ohne symbolische Aussage ganz allein ‚aus sich’ und ‚für sich’ zu wirken vermag“, heißt es in einem lesenswerten Aufsatz von Wolfgang Willaschek zum „Leben und Werk Rudi Stephans“.

Schon die ersten Lieder auf dem Album verraten eine gewisse Nähe zu Richard Strauss. Insbesondere die Dramatik und die kompositorisch fein gearbeiteten Gefühlsauslöser sind es, die ihm nahekommen. Die Suche jedoch nach dem Eigenen, dem Unverwechselbaren steht im Zentrum seines Schaffens insbesondere ab 1907, nachdem Stephan nach München gezogen ist. Die Ergebnisse seiner Kompositionen ließen sich 1911 in der Münchener Tonhalle hören. Dieses vom Vater mitfinanzierte Konzert galt auch als Überprüfung seiner selbst und es ist augenfällig, dass Rudi Stephan immer wieder und jahrelang an den Kompositionen weiterarbeitete und Veränderungen vornahm.

Man kann Rudi Stephan durchaus einen expressionistischen Kompositionsstil zugestehen, der stark die inneren persönlichen, aber auch die äußeren Kämpfe seiner Zeit aufnimmt. „Er war wie so eine Art Gegenstück zu Arnold Schönberg“, erklärte Hinrich Alpers in einem Interview. Schon zu Beginn des Ersten Weltkriegs bezeichnet Stephan diesen als „schrecklichen Krieg“. Er wird sein „Schicksal“ werden, denn er fällt nach nur wenigen Tagen an der Front durch Kopfschuss.
Der expressionistische, später sachlich-realistische Schriftsteller und Freund Stephans, Kasimir Edschmid (1890-1966), schrieb in der Zeitschrift der Moderne und des Dada „Zeit=Echo, 1915-1916“ (Ausgabe Nr. 2 vom November 1915, S. 27ff) über Rudi Stephan: „Er wird die bedeutendste musikalische Kraft des jungen Deutschland gewesen sein.“

Die beiden CDs geben einen tiefen Einblick in die stetige Entwicklung Stephans zwischen 1904 und 1914. Das letzte Stück der Sammlung „Musik für Sieben Saiteninstrumente“ (1912), das auf dem Danziger Musikfestival des gleichen Jahres uraufgeführt wurde, lässt erahnen, wie groß das musikalische Vermögen dieses viel zu früh verstorbenen Künstlers gewesen ist. Großartig vorgetragen von den Musikern, die bereits im 100. Todesjahr Stephans zu den Niedersächsischen Musiktagen 2015 ein kleines Repertoire vortrugen. Schon als Kind hatte sich Hinrich Alpers bei einem Konzert des Hannoverschen Staatsorchesters für Stephans Musik begeistert, seitdem vergeblich nach Noten gefahndet und war erst im Rahmen seiner Ausbildung an der Musikhochschule in Hannover fündig geworden.
Wie schwierig es jedoch ist, an Material von Rudi Stephan zu gelangen, ist in erster Linie der Tatsache geschuldet, dass sein Archiv mit Manuskripten, Kompositionen und unvollendeten Arbeiten, nach einem Bombenangriff 1945 auf Worms, verbrannte.

Rudi Stephan – Chamber Works and Songs
Hinrich Alpers (Piano), Kuss Quartett, Marie-Pierre Langlamet (Harfe), Agata Szymczewska (Violine) Nabil Shehata, (Kontrabass), Tehila Nini Goldstaein (Sopran), Hanno Müller-Brachmann (Bariton)
Label: Sony
2 CDs, Booklet mit 31 Seiten
EAN: 889853634422

Hörproben

Zitat aus: Wolfgang Willaschek: „Leben und Werk Rudi Stephans“ http://www.funkstunde.com/de/musik/rudi-stephan/biographie.html


Abbildungsnachweis:
Header: Portraitfoto und Signatur. Quelle: Stadtarchiv Worms
Galerie:
01. CD-Cover
02. Rudi Stephan als Teenager mit seiner Mutter. Stadtarchiv Worms
03. Rudi Stephan im Kreise seiner Familie. Stadtarchiv Worms
04. Hinrich Alpers. www.hinrichalpers.com
05. Kuss Quartett.
www.kussquartet.com Foto: © MolinaVisuals alt
 

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