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Schabernack – A treasure trove of musical jokes

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Montag, den 31. Juli 2017 um 08:23 Uhr
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Schabernack – A treasure trove of musical jokes

Das in Bern beheimatete Orchester für Alte Musik „Les Passions de l’Ame” unter der Leitung der Violinistin Meret Lüthi widmet sich einem musikalischen Kuriosum der Barockzeit und nennt es Schabernack.

Werke vier verschiedener, überwiegend bekannter Komponisten, Johann Joseph Fux (1660-1741), Johann Heinrich Schmelzer (c.1623-1680), Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) und Johann Jakob Walther (1650-1717) sind auf dem Album zum Thema „Schabernack“, Witz, Unfug, Streich in den Wettstreit miteinander getreten.

Schabernack COVER LuethiWettstreit ist eigentlich ein gutes Stichwort, beziehen sich viele Stücke auf das gegeneinander, anstatt miteinander – wie in der ersten Partita von Meister Fux „Les Combattons“. Als Tanzsätze geschrieben, ereifern sich die musikalischen Kämpfer per teils ungewöhnlicher Tonrepetitionen und Fugentechnik auf dem Parkett. Wie beim Derwisch-Tanz hat man das Gefühl, die Schritt- und Tonfolgen finden kein Ende: „Perpetuum mobile“.
„Cu Cu“ ist schon ein seltsamer Titel, den Johann Heinrich Schmelzer sich für seine Sonata ausgedacht hat. Der Kuckuck ist mit Abstand der beliebteste gefiederte Freund der Musik und die große fallende Terz imitiert seinen Ruf. Schmelzer vergisst in seiner Komposition gendergerecht auch den trillernden Klang des weiblichen Rufs nicht. Selbst hohe geistliche Persönlichkeiten fanden damals großen Gefallen an derlei Werken. Vogellaute, -gesang, Gezwitscher gehören bis in 20. Jahrhundert zu gerne aufgegriffenen Vorbildern und führten zu mannigfaltigen Belustigungen und Aha-Erlebnissen.
Gefolgt auf Platz acht der CD-Nummerierung werden Balletto-Sätze desselben Komponisten präsentiert. Er, der am Wiener Hofe unter anderem für festliche Musik für Geburtstage, Jubiläen und andere Jahrestage zuständig war, komponierte eine Arie (damals als Tanzsatz begriffen) con la Mattacina, also einen Schwerttanz und „zeichnet närrisch verrückte Bewegungen nach“, wie es im Beiheft heißt.
Auch das nächste Schmelzer-Stück, eine „Spoglia di Pagagi“ ist ein Balletto. Es geht um Raub von Gepäck und Proviant und ist hier eher als humorvolles Intermezzo zu verstehen, denn es greift eine Opern-Figur auf, die zu der Zeit tatsächlich bereits am französischen Hof existierte (den Scaramouche) der den kleinen Ludwig XIV aufheitern sollte und in Windeseile alsbald eine Heimat als Scaramuccia in der Commedia dell’arte erhielt. Freudige Gewährung kulturellen Asyls und perfekte Integration, nenne ich das.
Aus der Sammlung „Harmonia Artififisiosa-Ariosa“ des Böhmischen Barockkompositeurs Heinrich Ignaz Franz Biber bereiten die CD-Stücke 18 bis 24 Lebensfreude. Der wohl berühmteste Geiger der Barockzeit ist ebenfalls ein großer Verehrer und Bewunderer des italienischen Schauspieltheaters Commedia dell’arte und beschreibet in der Partia IV wie ein Karikaturist Charaktere, und Typen seiner Zeit. Tölpelhaft, lustig machend bis etwas verächtlich greift Biber in die Kiste von Volkstheateraufführungen Neapels und der „Pulcinella“.
Damit sich Kreise auch schließen kursiert die Komposition von Johann Jakob Walther ebenfalls in der Welt der Vogelstimmen und des Kuckucks. Seine sehr humorvolle Interpretationsart reiht sich mühelos zu denen Bibers und Schmelzers ein.
Und schließlich wird es mit Biber auch wieder kämpferisch, fast unkoordiniert beginnt seine „Battalia“ für zehn, indem er damals bekannte Volksweisen-Fragmente über- und hintereinander schichtet. Schließlich führt der Kriegsgott Mars ins Schlachtengetümmel. Auch hier steht Klang- und Stimmenimitation ganz hoch im Kurs, bis schließlich der Lärmpegel einer Kneipe und dessen Soundclashes in einer Art von Volkslied endet.
Ganz am Ende des Albums steht erneut Johann Joseph Fux mit einer... – na was? Einer Kuckucksvariation. Im der Form eines Tanzes hat man hier die nicht ganz vollständig aufgefundene Komposition mit Nasenflöte anstatt mit Oboe besetzt. Künstlerische Freiheit, die durchaus funktioniert und Schmunzeln hervorruft.

Meine große Skepsis als ich das Album in Händen hielt und dachte: Naja... Schabernack, was soll da schon drauf sein... verflog als Krächzen einer Krähe und entpuppte sich schließlich als Kuckucksruf. Irgendetwas Fremdes im Nest, aber lohnend es einmal ganz und gar auszubrüten.

Les Passion de l’Ame: Schabernack – A treasure trove of musical jokes
Meret Lüthi (Leitung)
Label: Deutsche Harmonia Mundi
CD, Booklet mit 27 Seiten
EAN:889854154929

Hörprobe
YouTube-Video:
- Schabernack – A treasure trove of musical jokes
- H. I. F. Biber - La Battalia


Abbildungsnachweis:
Header: Les Passion de l’Ame. Foto: Guillaume Perret
CD-Cover
 

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