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CDs KlassikKompass

Ernst Toch: Solo Piano Pieces

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Montag, den 24. Juli 2017 um 08:29 Uhr
Ernst Toch: Solo Piano Pieces 4.5 out of 5 based on 106 votes.
Ernst Toch

Ernst Toch (1887-1964) gehört zu der Vielzahl von jüdischen Komponisten, deren Werke in Vergessenheit zu geraten drohen. Sie nun in das Aufführungsrepertoire aufzunehmen ist neben einer Selbstverständlichkeit auch der Tatsache geschuldet, dass in vielen Werken Bedeutsames zu entdecken ist.
Der in Wien geborene Toch hat gerade in seinem Schaffen nach Ende des Ersten Weltkriegs viel geleistet und steht vielen anderen Künstlern, und unabhängig vom Genre, ob Musik, Kunst oder Literatur, in nichts nach: Die Reduktion auf das Wesentliche ist Kern der kompositorischen Kompetenz.

Es sei nicht verschwiegen, dass Toch ein begeisterter Mozart-Anhänger war und das bereits von Kindesbeinen an. So kopierte er nächtens und im Geheimen vor den Eltern – Musiker war in jener Zeit kein seriöser Beruf – Mozarts Streichquartette. Das Abschreiben hatte eben auch den Effekt der intensiven Beschäftigung mit Kompositionsstrukturen und so folgten bald eigene Quartettstücke.

Mit dem ersten Stück, das Toch nach seiner Soldatenzeit in der österreichischen Armee 1919 schrieb, änderte sich sein Stil vollkommen – weg von spätromantischen Vorstellungen und der „Gefühlsmusik“ wie er es später einmal formulierte.
Mit seinem ersten Klavierwerk „Burlesken“ Op.31, aus dem Jahr 1923 beginnt nun auch das Album, das die ebenfalls aus Wien stammende Pianistin Anna Magdalena Kokits eingespielt hat. Alle sieben Kompositionen umkreisen die Jahre 1923 bis 1931, also entstanden in jener Zeit in denen Toch an der Mannheimer Musikhochschule Komposition und Musiktheorie lehrte. Er promovierte 1921 an der Uni Heidelberg, zog 1929 nach Berlin, um sich der intensiven Zusammenarbeit mit dem österreichischen Dirigenten Erich Kleiber zu widmen.

COVER Toch/Kokits Solo Piano PiecesAllen sieben Stücken gemeinsam ist eine ungeheure Spritzigkeit und Vitalität. Das interpretiert die gut 100 Jahre später geborene Anna Magdalena Kokits mit ihrem saltatorischen Stil exzellent. Kein Ton ist zu viel, keiner zu wenig und die musikalische Klarheit kommt voll zum Ausdruck. Alle Töne sind für sich akzentuiert und dürfen ihre individuelle Berechtigung einfordern. So hat nicht nur Ernst Toch sein „Glaubensbekenntnis eines Komponisten“ (1945) verfasst, sondern auch seine Interpretin dies siebzig Jahre später musikalisch aufgegriffen.
In einem Interview mit „Music Austria“ betont Kokits, was ihre Interpretation ausmacht: „Für mich geht es immer zuerst um die Kommunikation, dann um die Technik, welche tatsächlich in erster Linie einfach ein Mittel zum Zweck ist. Als solches ist sie aber natürlich nicht zu unterschätzen, ganz im Gegenteil! [...] Technische Perfektion kann natürlich beeindrucken. Aber am wichtigsten ist immer das, was bleibt, das, was dem Publikum mitgegeben wird.“
Diese Aussage gilt auch insbesondere für das „Solo Piano Pieces“-Album, denn die Art und Weise wie der kompositorische und musikalische Raum zeitgerecht und europäisch vermittelt wird ist deutlich und angenehm spürbar. In den 14 Charakterstücken „Kleinstadtbilder“ op. 49 (1929) taucht Kokits in die Kunstfertigkeit Tochs tief ein, kreiert einfach hervorragend Szenerien jener Zeit, Momente, die an laufende Schwarz-Weiß-Bilder erinnern sowie komplementäre Sequenzen von Tagesgeschäftigkeit und nächtlicher Ruhe und Erholung, die jeweils auch ihre Unterbrechungen kennen. So einfach die Musik dargeboten klingt, so komplex und umfassend ist sie in Wirklichkeit.

Ernst Toch: Solo Piano Pieces
Anna Magdalena Kokits, Klavier
Burlesken Op. 31
Drei Klavierstucke, Op. 32
Capriccetti Op. 36
Zehn Anfangs-Etuden, Op. 59
Zehn Mittelstufen-Etuden, Op. 57
Kleinstadtbilder, Op. 49
Sonata Op. 47Label: Capriccio
CD, Booklet mit 15 Seiten
EAN 845221052939

Hörproben


Abbildungsnachweis:
Header: Ernst Toch, Autogrammkarte. Um 1930. Quelle: Rohan http://imslp.org/wiki/File:ErnstToch.jpg#filelinks. Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 License

CD-Cover (Anna Magdalena Kokits in der Zacherlfabrik, Wien. Foto: Nancy Horowitz)

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