Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 1008 Gäste online

Neue Kommentare

Gerd Kruse zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo Frau Lampert,
ich war durch meine He...

Herby Neubacher zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Absolut richtig. Ich habe das gabnze Drama Elbphi...
Giulio zu „Die Spur”. William Blake und die Rache der Eigenbrötler : Prost Neujahr! Und danke für die vielen schönen...
Hubert Hoffmann zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Ein Prestige -Objekt für die oberen Zehntausend....
Feindt zu Hamburg: Ein Museum im Hafen: Ein schönes neues Museum und wo bleibt die Berü...

CDs KlassikKompass

Hélène de Montgeroult – Edna Stern

Drucken
(120 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 16. März 2017 um 09:54 Uhr
Hélène de Montgeroult – Edna Stern 4.5 out of 5 based on 120 votes.
helene de montgeroult

Hélène de Montgeroult (1764-1836) gehört weder zu den heute bekannten, noch zu den häufig veröffentlichten Musikerinnen. Ihr Name und die damit verbundenen Pianokompositionen sind etwas für Kenner und Spezialisten. Man mag meinen, dass wichtige Personen in der Kunst nicht lange unentdeckt bleiben können, zumal wenn sie Hervorragendes, Außergewöhnliches oder zumindest Wichtiges geleistet haben.

Hélène de Montgeroult ist so ein Fall, bei dem man sich fragt warum sich ihrer musikalischen Welt längst nicht viel öfter, intensiver und ausgiebiger gewidmet wurde – schließlich ist Ihr Werk sozusagen das kompositorische „Missing Link“ zwischen Bach, Mozart, Mendelssohn und Chopin – präziser gesagt, zwischen Klassik und Romantik. Höchst verdienstvoll ist es daher, der aus Israel stammenden Pianistin Edna Stern anzurechnen, dass sie ein gesamtes Album der Adelstochter aus Lyon widmet.

„Hélène de Montgeroult – Edna Stern“ lautet der schlichte Titel der CD, die knapp eine Stunde siebzehn Einzelstücke darbietet. Für Edna Stern bestehen bei den selten aufgeführten Kompositionen ein eigener Reiz. Sie sagt sinngemäß dazu in einem Interview, dass sie bei Bach oder Beethoven in einem Meer von verschiedenen Interpretationen schwimmt, bei Montgeroult besteht die Herausforderung etwas ungehörtem oder kaum gehörten Leben einzuhauchen. Zudem fehlt ein Paradigma wie sich die Kompositionen in ihrer Zeit wohl angehört haben mögen. „Es ist leicht“, sagt sie wörtlich „lediglich die Noten zu spielen, aber eine sinnhafte Interpretation ist die eigentliche Schwierigkeit. Ich glaube ich musste zunächst ihr Leben studieren, ihre Zeit kennenlernen, ihre musikalische Sprache, ihren Platz in der Geschichte, um alles zu unserem zeitgenössischen Publikum zu bringen.“

Hélène de Montgeroult, geborene de Nervo war eine überaus begabte Schülerin, unter anderem von Nicolas-Joseph Hüllmandel, wiederum Schüler Carl Philipp Emanuel Bachs. Sie gab später ein Bild einer selbstbewussten Musikerin ab, was in jenen Zeiten eher ungewöhnlich war. Sie heiratete dreimal und zog einen Sohn groß. Ihr Klavierspiel rettete ihr zur Zeit der Französischen Revolution das Leben, denn als Adelige wurde sie zur Guillotine verurteilt. Ihre Flucht in die Schweiz und ihr Aufenthalt in Zwickau und incognito in Berlin ist unklar.
1795 wurde sie schließlich ans frisch gegründete Pariser Conservatoire als Professorin berufen und konnte ihr Leben ohne Geldsorgen weiterführen. Hélène de Montgeroult zog 1834 des Klimas wegen nach Florenz, wo sie im Mai 1836 starb.

Edna Stern Cover de MontgerouldtEdna Sterns Album ist also eine Offenbarung in vielerlei Hinsicht. Abgesehen davon, dass die Kompositionen von Hélène de Montgeroult nun endlich die Öffentlichkeit erreichen können – zu ihrer Zeit galt es als unschicklich für Personen adeliger Herkunft in der Öffentlichkeit zu spielen – wird die Stärke deutlich. Edna Stern schafft es auf dem Grand Piano aus dem Hause Ignaz und Camille Pleyel des Jahres 1860 und aus der Sammlung des Museums der „Cité de la Musique“, Philharmonie de Paris einen ganz wunderbaren Klang zu produzieren und den Facettenreichtum der Komponistin mehr als gerecht zu werden. Sind in den frühen Kompositionen noch Bach’sche Verbindungen zu hören, nimmt man im Laufe der späteren Stücke das Echo auf Mozart wahr, um schließlich bereits Anklänge an die Romantik zu entdecken. Atmosphärisch dicht, fließend und variantenreich mit hervorragenden Motivbetonungen, die die jeweiligen Spannungsbögen verbinden. Weich im Anschlag, unterstützt von den beiden Fußpedalen una corda und dem leiseren Spiel sowie forte, geben dem Grand Piano und Sterns Spiel zusätzlich eine unglaublich schöne Farbigkeit – ein absoluter Hörgenuss!

Hélène de Montgeroult
Edna Stern, Piano
Label: Orchid Classics
CD
EAN 5060189560639

YouTube-Video:
Edna Stern enregistre Hélène de Montgeroult (franz.)

Hélène de Montgeroult, pianiste, compositrice et pédagogue


Abbildungsnachweis:
Header: Historisches Portrait von Hélène de Montgeroult
CD-Cover
alt

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Hélène de Montgeroult – Edna Stern

Mehr auf KulturPort.De

James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone
 James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone



Speckstreifen fliegen durch das Weltall, rote Lippenstifte und Atompilze verkünden das nahende Inferno, Butterstücke zerfließen in einer Pfanne, Spaghetti mit [ ... ]



„Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache
 „Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache



Joe Wrights eleganter Politthriller „Die dunkelste Stunde” ist das Gegenstück zu Christoper Nolans überwältigendem Suspense-Epos „Dunkirk”. Zwei Filme [ ... ]



Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde
 Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde



Im Opernhaus in Hamburg schallen Kinderstimmen durch die Gänge: Es ist wieder opera piccola-Zeit!
Bevor die Kinderoper im Februar auf die Bühne geht, ist im H [ ... ]



Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami
 Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami



Ernst Wolff: „Finanz Tsunami. Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht“
Es ist wie es einmal war und heute noch ist: Ein Ausspruch von Henry Ford, des  [ ... ]



Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach
 Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach


  War es Absicht, dass rund um das Fest der Liebe die Kölner Oper ausgerechnet Giuseppe Verdis Bühnenstück „Rigoletto“ – das 1851 den Wel [ ... ]



„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns
 „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns



Genialer Genre-Mix aus Neo-Western und Kleinstadt-Satire.
Manchmal ist es leichter einen Molotow-Cocktail zu werfen als zu weinen. Mildred Hayes (Frances McDorm [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.