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Il Pomo d’Oro – ein junges Ensemble, gefördert von Donna Leon

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Geschrieben von Hans-Juergen Fink  -  Freitag, den 19. Februar 2016 um 13:17 Uhr
Il Pomo d’Oro – ein junges Ensemble, gefördert von Donna Leon 4.7 out of 5 based on 69 votes.
Il Pomo d’Oro – ein junges Ensemble, gefördert von Donna Leon

Erst 2012 gegründet, spielt das italienische Originalklangorchester „Il Pomo d’Oro“ längst in der Oberliga solcher Ensembles mit. Und zeichnet sich durch ein frei flottierendes Interesse aus, das keine engen Festlegungen duldet. Jüngster Coup: Händels selten gespielte Oper „Partenope“ mit Philippe Jaroussky.

Schon der Name ist ein Statement: Die Musiker nennen sich nach dem Titel eines Musik-Spektakels von 1666 – der Oper „Il pomo d’oro“. Geschrieben hat sie Antonio Cesti für die Kaiserhochzeit Leopolds I. mit Margarita Teresa von Spanien in Wien. Ein veritables Event zum Abschluss der Feierlichkeiten, bei denen 300 Pferde Ballett tanzten und 73.000 Feuerwerkskörper verschossen wurden. 50 unterschiedliche Rollen waren zu besetzen. Aufführungsdauer: exzessive 10 Stunden. Als Leitbild für ein neues Ensemble ist das ambitioniert gewählt.
Die goldenen Äpfel bewegen sich seit ihrer Gründung mit einem Schwerpunkt in der Barockoper. Kein Wunder, denn sie haben eine Gönnerin, der dieses Genre besonders am Herzen liegt. Die amerikanische Krimi-Bestsellerautorin Donna Leon steckt immer wieder nicht unbeträchtliche Beträge in Aufnahmen, vor allem von Händels Opern, mit exzellenten Sängern. Dafür förderte sie lange Zeit das Orchester „Il complesso barocco“ des verstorbenen Alan Curtis, aus dem etliche Musiker in den Besetzungslisten von „Il Pomo d’Oro“ wieder auftauchen.
Gleich im Gründungsjahr nahm das neue Orchester drei CDs mit den begnadeten Counterstimmen von Max Cencic, Franco Fagioli und Xavier Sabato auf. 2013 folgte die erste Händel-Oper „Tamerlano“. In diesem Jahr soll Händels „Ottone“ eingespielt werden. Aufgenommen wurden aber auch etliche CDs mit Vivaldi-Violinkonzerten. Und eine CD zum Gondel-Buch von Donna Leon, auf der Vincenzo Capezzuto traditionelle venezianische Gondellieder singt. Die Schriftstellerin hilft aber nicht nur mit schnödem Geld, sondern ist auch mal bei Konzerten dabei, wo ihr Name werbewirksam auf Plakaten prangt, weil sie mit lockeren Moderationen das Programm des Abends präsentiert. Und sich ansonsten zurückhält – bei der neuen Händel-Oper taucht ihr Name nicht einmal in Mäuseschriftgröße im Booklet auf. Dabei würde man gern mehr erfahren über ihr Engagement – genau wie über das Ensemble, seine Philosophie, den barockgeigenden Leiter Riccardo Minasi, seinen Geigenkollegen Giulio d’Alessio, der als Produzent verantwortlich zeichnet. Und über den jungen Cembalisten Maxim Emelyanychev, der zum Jahresanfang die Leitung übernommen hat.

Edgar Moreau: Giovincello
E Moreau CoverDer gerade mal 21 Jahre junge französische Shooting-Star am Violoncello Edgar Moreau hat sich Il Pomo d’Oro geholt, um fünf Cello-Konzerte zwischen Barock und Klassik einzuspielen. Und zu demonstrieren, wie selbstverständlich Virtuosität und Leidenschaft klingenkönnen, wenn man meilenweit über den technischen Schwierigkeiten steht. Ein bisschen verrückt und hübsch strubbelig präsentiert er sich auf dem Cover. Und so frisch, wie er sich da gibt, packt er auch die Solopartien an, anhand derer gut zu verfolgen ist, wie sich das Cello aus seiner barocken Rolle als Begleitinstrument zum eleganten Solo-Star emanzipiert, für das sich dann auch die neu entstehende Gattung des dreisätzigen Solokonzerts öffnet. Antonio Vivaldi hat gleich 27 Cellokonzerte geschrieben, um zu zeigen, was das Instrument leisten kann. Moreau hat sich das in a-Moll, RV 419, herausgepickt. Vivaldi-Nachklänge finden sich im erst 1961 wiederentdeckten C-Dur-Konzert von Joseph Haydn. Spätestens bei Boccherini hat es den Vorsprung der Violine in Sachen melodischer Beweglichkeit und verblüffender Technik aufgeholt, Carlo Graziani war europaweit tätig und schrieb seine Cellokonzerte als Lehrer des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm II., dem er nach Berlin folgte, als de König wurde.
Moreau, der schon bei etlichen renommierten Wettbewerben Preise abgeräumt hat, spielt die Konzerte mit einer wunderbaren Unbekümmertheit, mit feinem, cantablen Ton und einer atemberaubenden, dabei ganz natürlich und unangestrengt klingenden Technik. Und ist schon voll im Konzertbusiness unterwegs, mit bis zu 50 Terminen im Jahr und bekam bei Erato einen Exklusiv-Vertrag. Chapeau! Il Pomo d’Oro begleitet ihn dezent und dort akzentuiert, wo es sein muss, lässt dem Solisten den Vortritt und rollt ihm einen fein gewirkten Klangteppich mit vielen klugen Nuancen aus, was sie dann wieder zum gleichberechtigten Partner des Solisten werden lässt.

Edgar Moreau: Giovincello
Mit Il Pomo d’Oro, Leitung: Riccardo Minasi. Cello-Konzerte von Haydn bis Graziani und Boccherini.
1 CD, Warner Classics / Erato
08256 460526 60


Haydn: Concertos
Haydn CoverDen Fokus ganz auf Haydns (1732-1809) Konzertschaffen richtet dieses Doppelalbum, das Kompositionen für Tasteninstrumente, Violine und Naturhorn versammelt und als Dreingabe die Sinfonie No. 83 mitbringt. Riccardo Minasi übernimmt die Violin-Soloparts, Emelyanychev sitzt am Cembalo, das bei Haydn gerade noch mitspielen darf, während bereits moderne Tastenklänge auf den Markt drängt. Die Pomo-d’Oro-Musiker begleiten auch hier hochtransparent, mit federnder Eleganz, mit einem grandiosen Strukturempfinden, das die Schule der Barockmusik nicht verleugnet, aber auch den breiteren symphonischen Gestus nicht scheut. Und plötzlich ist Haydn gar nicht mehr so grau-klassizistisch, wie das Cover es insinuiert – sondern munter, bunt und in kecker Aufbruchstimmung, die schon ahnen lässt, wie die Reise weitergeht zu einem Mozart und Beethoven. Musik einer Übergangszeit, die – überraschend filigran musiziert – in den Händen dieses Orchesters zum spannenden Hörerlebnis wird.

Joseph Haydn: Concertos
Mit Il Pomo d’Oro, Leitung und Violinsoli: Riccardo Minasi, Maxim Emelyanychev, Cembalo, und Johannes Hinterholzer (Horn).
2 CDs, Warner Classics / Erato
08256 460520 42


Händel: Partenope
Partenope CoverZwei Jahre, bevor Haydn geboren wurde, ging in London eine neue Oper über die Bühnenbretter im King’s Theatre. Händel hatte sich dafür ein munteres Sujet aus der Welt der Mythen ausgesucht: die Geschichte der Sirene Partenope, die zur Gründerin von Neapel wird. Männer verführen ist immer noch ihr Hobby, gleich drei sind ihr in dieser Oper verfallen, was für reichlich Komik sorgt. Einer von ihnen – Arsace – wird von seiner wütenden Verlobten (der als Feldherr verkleideten Rosmira) zurückerobert, einen heiratet Partenope, und der Dritte wird am Ende zum wahren Freund weggelobt.
Hier nun sind die Musiker von Il Pomo d’Oro, noch einmal geleitet von Riccardo Minasi, voll in ihrem Element. Und feiner und verständiger, spritziger und seufzender als von ihnen können Singstimmen kaum durch die Wirren einer solchen Handlung geleitet werden. Und es sind hervorragende Stimmen. Allen vorweg die von Counter Philippe Jaroussky als Arsace – makelloses goldenes Strahlen, feinst nuanciert, jeder Ton ein Fest, das pure Händel-Glück. Die Partenope wird gesungen von der kanadischen Sopranistin Karina Gauvin mit voller Stimme, viel Sinn für Drama und Schmachten, nur selten kommt ihr einem störendes Vibrato in die Quere. Außerdem dabei: Teresa Iervolino mit ihrem warmen Mezzo als Rosmira, Emöke Barath als Armindo, John Mark Ainsley als Emilio, und Luca Titotto als Ormonte. Unverständlich, dass in einem dreisprachigen 218-Seiten-Booklet kein Platz sein soll für wenigstens ein paar Zeilen über diese Sängerinnen und Sänger.
Minasi und Il Pomo d’Oro deklamieren in Händels gefühlvoller musikalischer Sprache perfekt mit, was auf der Bühne verhandelt wird. Gemeinsam mit den großartigen Sängern zaubern sie einen Händel-Himmel herbei, den man nach drei Stunden nur ungern wieder verlässt.
Kleine Dreingabe der Gesamtaufnahme: Für die Wiederaufnahme im Dezember 1730 schrieb Händel ein optimiertes neues Ende, in dem de zurückgekehrte Star-Kastrat in der letzten Arie der Oper glänzen konnte. Es ist als Anhang hier ebenfalls eingespielt.
Insgesamt legt das von Donna Leon geförderte Händel-Projekt hier eine Aufnahme vor, die kein bisschen vor Sigiswald Kuijkens gefeierter Einspielung von 1979 verstecken muss. Sie rückt diese selten gespielte Händel-Oper ins rechte Licht und zeigt, dass sie sehr wohl einen Platz neben gefeierten Werken wie „Alcina“, „Giulio Cesare“ oder „Ariodante“ verdient hat.

Georg Friedrich Händel: Partenope
Mit Il Pomo d’Oro, Leitung: Riccardo Minasi, Mit Karina Gauvin, Philippe Jaroussky u.a.
3 CDs, Warner Classics / Erato,
08256 460900 75




Abbildungsnachweis:
Header: Il Pomo d'Oro. Foto: (c)-Julien-Mignot, Erato
CD-Cover

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