Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 1081 Gäste online

Neue Kommentare

Olivgrüner, harter Mann zu „Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge: Lubitsch? Na klar, das Szenario kam mir doch glei...
Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


CDs KlassikKompass

Alfred Schnittke Sinfonie Nr. 3

Drucken
(157 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Claus Friede  -  Freitag, den 27. März 2015 um 15:24 Uhr
Alfred Schnittke Sinfonie Nr. 3 4.8 out of 5 based on 157 votes.
Vladimir Jurowski

Sie ist eine großartige, wenn auch traditionell-orientierte Komposition, die 3. Sinfonie von Alfred Schnittke (1934-1998), voller Dramatik, Kraft, Sinnlichkeit und historischer Versatzstücke.
Das viersätzige Werk, Fertigstellung im Jahr 1981, ist die Auftragskomposition zur Eröffnung des neuen Gewandhauses in Leipzig. Der Auftrag war mutig, weil das „Abenteuer Schnittke“ immer klingende Gedanken von einem hervorbrachte, der im sowjetischen wie im deutschen Kulturdunst beheimatet war und trotzdem dort nie ankam. Dirigent Vladimir Jurowski nannte ihn den „Seismographen der kulturellen Albträume seiner und unserer Gegenwart“.

Alfred Schnittke Sinfonie Nr. 3„Einhundert Musiker, davon 66 Streicher zelebrieren eine großformatige Sinfonie“, heißt es zu Beginn im Begleitheft und das ist auf den Punkt gebracht. Der Klang, den das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Vladimir Jurowski erzeugt ist schlicht groß. Schnittke hat die 3. Sinfonie sehr geschickt angelegt, nicht allein was die jeweiligen Instrumental-Parts angeht, sondern auch in der Art wie er sich der Musikgeschichte als Steinbruch bedient. Die Sinfonie Nr. 3 zeichnet die Bandbreite der Musikkultur. Es ist viel zu hören von den musikalischen Leitfiguren Bach, Mahler, Mozart, Wagner, Strawinsky, Prokofiev und Schostakowitsch. Zur Eröffnung einer der besten Konzertinstitutionen passt die Verewigung der mehr als zwanzig Kollegen in der Komposition, denn auch sie füllen den Konzertsaal mit Werk.
Auch die Moderne gestaltet sich in der 3. Sinfonie: Anton von Weberns Kontrastidee des festen und lockeren Tons, den Schnittke Ende der 1960er-Jahre in seine Fundus übernimmt ist hörbar sowie Dessau, Hindemith und Orff. Die Liste ließe sich fortführen. Es ist ein prismatischer Ritt durch einen Teil der Musikgeschichte, mit Zitatcharakter, aber ohne ärgerlichen Eklektizismus.
Manche Kritiker vermissen das einzigartig Neue im Werk, die Leistung ist jedoch vielmehr: Bruchstücke so zusammenzufügen, dass sie neu klingen und das hat Alfred Schnittke mit seiner „Polystilistik“ bravourös geschafft.
„Ich möchte erwähnen, dass alle Antiquitäten in meinen Stücken von mir nicht gestohlen, sondern gefälscht worden sind“, kommentierte der Komponist einst selbstironisch.

Vom feinsten Pianissimo, einer nahezu gespenstigen Stille zu Beginn des Moderato über die gewaltigen Höhen von Blechbläsern, großer Trommel, Orgel und E-Gitarre atmet die Sinfonie schließlich im letzten Satz dann ruhig durch. Wie bei Gustav Mahler endet sie im Adagio.
Schnittke spielt zudem in allen Sätzen mit Begriffs-Ton-Anspielungen. Die Tonfolge e-d-d-e steht für Erde, d-es-c-h-a-d für Deutschland, e-g für Leipzig und zum Schluss gibt es dann noch b-a-c-h der tiefen Streicher.

Die Aufnahme des ältesten deutschen Rundfunkorchesters – gegründet 1923 – ist wahrlich vergleichbar mit der ebenfalls großartigen Aufnahme des Royal Stockholm Philharmonic Orchestra unter Eri Klas aus dem Jahr 1994. Jurowski – so jung er noch ist – hat durchaus Erfahrung und den Kern des Werks durchdacht. Sein Repertoire mit Brahms, Tschaikowski, Mahler und Rachmaninow passt gut zu Schnittke. Er kennt die 3. Sinfonie nach eigenem Bekunden seit seiner Jugend und schätzt die Kombination aus internen musikalischen Ideen und außermusikalischen, sprich philosophischem Gedankengut. Beides – Herz und Kopf führen Dirigent und Orchester konzentriert durch die 52 Minuten im Großen Sendesaal des „Haus des Rundfunks“ in Berlin und machen diese CD zu einem beeindruckenden Musikerlebnis.

Alfred Schnittke Sinfonie Nr. 3 (1981)
Rundfunksinfonie-Orchester Berlin, Vladimir Jurowski
Aufgenommen im Juli 2014 im Haus des Rundfunks Berlin. Eine Koproduktion von Pentatone, Deutschlandfunk und der Rundfunk-Orchester und Chöre gGmbH Berlin
Pentatone Classics | 1 SA-CD
PTC 5186 485 | Hybrid Multichannel
EAN 827949048562

YouTube: A. Schnittke — Symphony No.3 (V. Jurowski & Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin)


Abbildungsnachweis:
Header: Vladimir Jurowski. Foto: Matthias Creutziger
CD-Cover, Pentatone

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

Macy Gray: Stripped
 Macy Gray: Stripped



Endlich! Ein Fan von R&B-Sternchen Macy Gray und ihrer wunderbar rauchigen Stimme bin ich seit dem ersten Album. Leider präsentierte die Ex-Backup-S&au [ ... ]



„Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge
 „Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge



In seinem elegischen Nachkriegs-Epos inszeniert Regisseur François Ozon die schmerzhafte Verstrickung von Trauer, Träumen, Schuld und Liebe als deuts [ ... ]



Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer
 Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer



In der CD-Reihe „Neue Meister“ präsentieren Arash Safaian, Sebastian Knauer und Pascal Schumacher die Musik nach Motiven von Bach so, wie der Meiste [ ... ]



Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst
 Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst



Die Autorin dieses Beitrags ist begeisterte Reeperbahn Festival-Besucherin, schaut sich aber neben dem umfassenden Konzertangebot besonders gerne im „Arts& [ ... ]



Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Opernhit „ [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.