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Philippe Jaroussky: Green - Mélodies françaises sur des poèmes de Verlaine

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(116 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Claus Friede  -  Dienstag, den 10. März 2015 um 14:01 Uhr
Philippe Jaroussky: Green - Mélodies françaises sur des poèmes de Verlaine 4.7 out of 5 based on 116 votes.
Paul Verlaine (1844-1896)

Die Poesie von Paul Verlaine (1844-1896) ist Grundlage der Doppel-CD des Countertenors Philippe Jaroussky, dem Pianisten Jérôme Ducros und dem Quatuor Ebène. Dies ist nicht das erste Mal, denn sechs Jahre nach „Opium“, dem ersten Album, das der ECHO-Klassik-Preisträger dem meistvertonten Dichter Frankreichs widmet – es sollen 1.500 sein – ist nun das zweite Album veröffentlicht.
Zahlreiche Komponisten befassten sich mit der Lyrik des Symbolisten Verlaine: Claude Debussy, Gabriel Fauré, Charles Bordes, Camille Saint-Saëns, Arthur Honegger und Reynaldo Hahn, um nur eine Auswahl zu nennen.

Allein das Gedicht „Green“ ist in drei verschiedenen Versionen zu hören, von drei verschiedenen Komponisten und zeigt unterschiedliche Aggregatszustände von Affektion. Das zeigt zusätzlich wie inspirierend Verlaine im späten 19. und 20. Jahrhundert gewesen ist und welche Wirkung es bis zum heutigen Tag gibt. Um es klar zu sagen, das französische Chanson ist wohl ohne Paul Verlaine kaum in der uns bekannten Form denkbar. Das hat Jaroussky bereits vor vielen Jahren erkannt und so stand für ihn fest: „Dieses Repertoire ist für mich mein geheimer Garten und gehört auf Alben. Ich hoffe, dies wird für die Hörer ebenso verlockend und überraschend sein wie für mich“.

In der Tat sind die 43 Stücke des Fin de siècle was Versmaß, sprachlicher Rhythmus und phonetischer Klang angeht von Grund auf poetisch-musikalisch. Allerdings ist zwar die durchaus einfühlsame und großartige Stimme Jarousskys eine Bereicherung, aber nicht immer klingt der Countertenor authentisch. Es gibt so manches Mal eine Verfremdung in der Stimmung, die artifiziell wirkt. Ein weiblicher Sopran oder Mezzosopran hätte das Repertoire hier und da glaubwürdiger gebracht – da kann Jaroussky noch so gut sein in seinen Interpretationen der Barockkomponisten von Vivaldi über Händel bis Porpora auf anderen Alben. Besonders deutlich wird das in der Interpretation von Jules Massenets „Rêvons C'est L'heure“, die „bittersüße“ Altstimme von Nathalie Stutzmann wirkt perfekt und genial gegenüber der von Jarousskys.

Philippe Jaroussky: Green - Mélodies françaises sur des poèmes de VerlaineNur bei wenigen Ausnahmen wie bei Debussy oder Fauré ist das akustische Befremden mit einem Mal vollkommen verschwunden. Es ist wie eine Art Regel: als ob ihm die impressionistischen Kompositionen gelingen, aber die Symbolistischen weniger. Möglicherweise liegt das auch daran, dass sich Jarousskys Stimme im Laufe der vergangenen Jahre verändert hat, sie hat an Liebreiz und Weichheit eingebüßt und ist entsprechend etwas härter geworden – sehr gut im Vergleich zum Album „Opium“ nachzuweisen, denn die Rauschzustände und der Schwebezustand ist nur noch teilweise vorhanden. Um nicht missverstanden zu werden, die Stimme ist eine großartige Ausnahmeerscheinung, die Reife tut dem heute 37jährigen mehr als gut, aber es klappt eben nicht jedes Detail dieses Projekts.

Die eigentliche – und durch und durch glaubwürdige – Leistung des Countertenors ist die Interpretation der Stücke und deren Auswahl, er weiß bis in die Poren was er singt und findet seinen eigenen Weg durchs Repertoire und die sehr unterschiedlichen musikalischen Auseinandersetzungen der Kompositeure.

Die Musiker von Quatuor Ebène sind mehr als überzeugend, sie sind brillant.

Green - Mélodies françaises sur des poèmes de Verlaine
Philippe Jaroussky, Jérôme Ducros, Quatuor Ebène
Erato/Warner Classic
EAN 0825646166930

Hörprobe
Video Philippe Jaroussky sings Verlaine on the album 'Green'
Video Philippe Jaroussky - Opium (Mélodies Francaises)


Abbildungnachweis:
Header: M. Dornac (1858-1941); Paul Verlaine, circa 1892, 12,7x17,8cm, Carnavalet Museum, Paris
CD-Cover. Jaroussky im Lieblingscafé von Verlaine in Paris

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