Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 543 Gäste online

Neue Kommentare

Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...
adarompf@gmx.de zu „Mahana – Eine Maori-Saga”. Zwischen Tradition und Tyrannei : In allen Facetten genaue Beschreibung des Films, ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


CDs KlassikKompass

Metamorfosi – Impressions Baroques

Drucken
(13 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Claus Friede  -  Donnerstag, den 18. Dezember 2014 um 13:53 Uhr
Metamorfosi – Impressions Baroques 4.8 out of 5 based on 13 votes.
Metamorfosi – Impressions Baroques

Der Titel des neuen Albums des franco-kanadischen Ensembles „Constantinople“ gibt schon einen Hinweis auf das was es ist: Eine Umwandlung oder Anpassung – „Metamorfosi“ (italienisch) – „Impressions Baroque“ (französisch).
Die CD ist eine Mischung aus unterschiedlichen Kultureinflüssen unterschiedlicher Epochen. Konstantinopel – das heutige Istanbul – war und ist für die Musiker des Ensembles ein Schmelztiegel von Ost und West mit einer Historie und der bis heute andauernden übergreifenden Verbindungen von Orient und Okzident. Das wollen sie vermitteln und so spürt der Hörer einerseits die Verbundenheit zur Herkunft der Musiker und andererseits die Leidenschaft für die klassische westliche Musik.

1998 in Montreal von den beiden aus Teheran stammenden Brüdern Kiya (Sitar) und Ziya (Perkussion) Tabassian gegründet, ergänzt seit 2008 der Gambist Pierre-Yves Martel das Ensemble „Constantinople“. Für diese CD-Einspielung holte sich das Trio die kanadisch-akadische Sopranistin Suzie Leblanc sowie zwei spanische Barockmusiker Enrique Solinis, (Barockgitarre) und Miren Zeberio, (Barockvioline) hinzu.

constantinople-metamorfosi-baroque-impressionsAuch an dieser Zusammensetzung ist die musikalische und stilistische Bandbreite ablesbar. Für mich geht das Fusionskonzept allerdings nur bedingt auf. Zwar ist die Kombination aus italienischer Renaissance- und Barockmusik und orientalischen Instrumenten und Interpretationen durchaus reizvoll, aber parallel zum positiv überraschenden Klang und die Erinnerungsmomente an das maurische Spanien vor 1490, an den orientalischen Einfluss des Mittelmeerraums per se, verfällt ein anderer Teil der eigenen Interpretationen in eine Art austauschbare Beliebigkeit. Wenn man bei Claudio Monteverdi plötzlich eine Sequenz orientalischen Bauchtanz präsentiert bekommt wird das weder dem Komponisten, noch dem Hörer gerecht. Es wirkt lediglich artifiziell bis belustigend. Und es bedient zumeist eine zeitgenössische und modische Erscheinung von vermeintlicher Interkulturalität. Die Zeit, in der alles an Kombination möglich ist, ist eben auch immer der Beliebigkeit ausgesetzt. Der Grat auf dem sich das Ensemble musikalisch bewegt ist relativ schmal und ab und zu ruscht es ab.

Die vom Ensemble außerdem gewählte Bezeichnung „New World Baroque“ ist in diesem Zusammenhang ein Anachronismus und auch die Verortung überzeugt nicht. Sie lässt sich mindestens zweifach auslegen: „Barock der Neuen Welt“ – aber die Bezüge sind rein italienisch-orientalisch und haben außer der Tatsache, dass die Musiker in der „Neuen Welt“ leben und arbeiten wenig bis nichts mit dem nordamerikanischen Kontinent zu tun – oder der Begriff bedeutet „Neue Welt Barock“ und bezieht sich auf das besagte zeitgenössische Musikfusionsphänomen, das sich jedoch hier überwiegend mit italienischen Frühbarockkompositionen der Jahre 1550 bis 1680 beschäftigt und das „neue“ im Namen nicht wirklich verdient. Dennoch ist allein der Versuch verdienstvoll und mutig, Antworten auf selbstgestellte Fragen zu generieren und die Grundsatzdebatte – was kulturell zu verbinden wäre oder was für sich stehen sollte – wird beflügelt.

Positiv erwähnenswert ist ein Auszug aus der „Sinfonia quinta“ des Frühbarock-Komponisten und Geigers Salamone Rossi (um 1570-1630). Grazil und ruhig, als ob das erweiterte Ensemble von „Constantinople“ einer Abfolge von festgelegten Tanzschritten nachspürt, gleitet die Musik dahin. Hier bleiben die Musiker eng an der Vorgabe und es tut gut, nicht noch eigene Interpretationen zu hören, die die eigentliche Komposition wie aufsteigende Blasen verlassen.
Auch Stefano Landis (1587-1639) konservative Komposition „Marillide deh vieni“ ist überzeugend vorgetragen, die geschmeidige Stimme von Suzie Leblanc fügt sich hier angenehm in Stück und Zeit ein.

Metamorfosi – Impressions Baroques
Constantinople, Suzie Leblanc (Sopran)
Komponisten: Claudio Monteverdi, Marco Uccellini, Salamone Rossi, Barbara Strozzi, Andrea Falconieri, Tarquinio Merula, Giovanni Girolamo Kapsberger; Stefano Landi
Analekta
774204914226

Hörprobe


Abbildungsnachweis:
Header: Ensemble Constantinople. Foto: Jocelyn Michel
CD-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

„Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge
 „Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge



In seinem elegischen Nachkriegs-Epos inszeniert Regisseur François Ozon die schmerzhafte Verstrickung von Trauer, Träumen, Schuld und Liebe als deuts [ ... ]



Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer
 Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer



In der CD-Reihe „Neue Meister“ präsentieren Arash Safaian, Sebastian Knauer und Pascal Schumacher die Musik nach Motiven von Bach so, wie der Meiste [ ... ]



Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst
 Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst



Die Autorin dieses Beitrags ist begeisterte Reeperbahn Festival-Besucherin, schaut sich aber neben dem umfassenden Konzertangebot besonders gerne im „Arts& [ ... ]



Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Opernhit „ [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch
 Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch



„Manchmal fotografiert man die Welt, um sie und sich selbst besser verstehen zu können, eignet sich Dinge durch Abbilder an, um sie sich zu gegebener Zeit [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.