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Porpora arias – der Komponist der viel über Stimmen wusste

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Geschrieben von Claus Friede  -  Montag, den 20. Oktober 2014 um 11:40 Uhr
Porpora arias – der Komponist der viel über Stimmen wusste

Der preisgekrönte argentinische Countertenor Franco Fagioli widmet sich auf seinem soeben veröffentlichen Album einem der großen Komponisten des Kastratengesangs: Nicola Antonio Porpora (1686-1768). „il maestro Porpora arias“ ist eine Hommage an einen der wichtigsten Gesangslehrer und Komponisten des italienischen, des europäischen Barocks.

Der „Maestro de’ cantanti“ bildete beispielsweise Kastratensänger des Belcanto wie Caffarelli (Gaetano Majorano; 1710-1783) sowie Farinelli (Carlo Broschi; 1705-1782), aber auch Sängerinnen wie Regina Mingotti (1722-1808) aus. Allein diese Schüler sorgten damals und bis heute dafür, Porpora höchsten Respekt gegenüber zu zollen, denn sie sind zur Legende geworden. Obwohl das pädagogische Material, das erhalten blieb mehr als spärlich ist, so kann man aus seinen Partituren Rückschlüsse ziehen, wie er die menschliche Stimme einsetzte und welche Ziele er verfolgte. Der Neapolitaner, der in Italien, England, am sächsischen Hof in Dresden und in Wien komponierte und Schüler ausbildete, gilt als Erneuerer der Gesangskunst und der -lehre seiner Zeit.

fagioli - porporaFranco Fagioli schreibt in seinem kurzen Statement „Bon giorno Maestro!“ im dreisprachigen Begleitheft der CD-Kassette über seine Hochachtung gegenüber Nicolo Antonio Porpora. Diese Hochachtung spürt man auch in seinem Gesang, wenn er expressiv und farbintensiv die beiden Arien „nell’attendere il mio bene“ und „alto giove“ aus dem Meisterwerk und der wohl besten Oper Porporas „Polifermo“ (London, 1735; Libretto: Paolo Antonio Rolli) singt. Der dunkle Mezzo-Klang der Stimme Fagiolis schafft hier eine eigene ästhetische und unverwechselbare Eleganz. Der „Allmächtige Jupiter“ (alto giove) schwingt sich kompositorisch und interpretatorisch in die Höhe, dennoch im Klang voll demütiger Zurückhaltung. Der Countertenor verzichtet auf, und seine Stimme bietet auch nicht die Süßlichkeit, mit der die Arie sonst oft zu hören ist. Seine Stimme ist dem Leben näher als dem Götterhimmel. Die faszinierende, emotionale, athletische Kraft Fagiolis kommt bei diesem Barock-Hit voll zum Ausdruck.
Eine wunderbare und weitere höchst hörenswerte Arie dieses Albums ist aus der Oper „semiramide riconosciuta“ (Venedig, 1729; Libretto: Pietro Metastasio), Akt I. Szene IV „vorrei spiegar l'affanno“. Die da-capo-Form sorgt auch hier für Porporas kompositorische Eleganz – das gilt ebenso für das Orchester wie für die effektvolle solistische Stimmführung.
Aus „didone abbandonata“, folgt Akt III. Szene XIII „già si desta la tempesta“. Spätestens hier – beim dritten Stück der CD – wird dem Hörer klar, dass es sich durchweg um Opernarien handelt: das grollende Gewitter, akustische Blitze und Donner lassen vor dem inneren Auge die Bühne entstehen, auf der die verlassene Dido zurückbleibt.

Gefühlsausdrücke des virtuosen Gesangs von allerbester Qualität.


Franco Fagioli – il meastro Porpora arias
Academia Montis Regalis; Alessandro de Marchi
Label: naïve
Nr. 822186053690

Trailer: Franco Fagioli - Porpora il maestro
YouTube-Video: Franco Fagioli PORPORA "Con alma intrepida"


Abbildungsnachweis: Franco Fagioli © naïve
CD-Cover

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