Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 632 Gäste online

Neue Kommentare

Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...
adarompf@gmx.de zu „Mahana – Eine Maori-Saga”. Zwischen Tradition und Tyrannei : In allen Facetten genaue Beschreibung des Films, ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


CDs KlassikKompass

Traumfabrik Berlin – Jonas Kaufmann singt Operette

Drucken
Geschrieben von Claus Friede  -  Dienstag, den 30. September 2014 um 12:14 Uhr
Traumfabrik Berlin – Jonas Kaufmann

Ist es Anachronismus in eine Vergangenheit musikalisch einzutauchen, die von einer schönen und heiteren Welt erzählt, während um dieselbe herum zwei Kriege tobten? „Du bist die Welt für mich“ heißt eine soeben erschienene CD, auf der von Jonas Kaufmann, dem Tenor „mit der goldfarbenen Honigstimme“ (The Sydney Morning Herald), Evergreens der Ära zwischen 1925 und 1935 erklingen. Begleitet vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Jochen Rieder und bei drei Stücken begleitet von der Sopranistin Julia Kleiter, genießt der wohl eher ältere Hörer Lehár, Tauber, Benatzsky, Stolz, Abraham und andere.

Kaufmann - Du bist die Welt für michLaufen die sechzehn Stücke hintereinander durch, ist es als ob ich im Wohnzimmer meiner Großeltern in Berlin säße, die die Musikhits aus Operette und Tonfilm ihrer Jugendzeit genießen. Unwillkürlich werde ich zurückversetzt und erinnere mich an deren Erinnerungen und Erzählungen: „ja – damals“. Altersheime sind voll von der Musik jener Zeit.

Nur irgendetwas ist anders. Klar, die Qualität der Aufnahme, kein Lagerfeuerknacken, kein rauschender Tonträger, alles digitale Qualität aus dem Jahr 2014. Nein, anders ist, dass eine einzige Stimme, so viel Variabilität hat. Jonas Kaufmann schafft den Spagat von Leichtfüßigkeit bis zum Heldenton. Er macht weder den Fehler all die Stücke in einer stringenten Weise und damit gleichklingend abzuliefern, noch die Hitparade der Zeit nachzuahmen. Anders ist auch, dass das Publikum seiner Live-Auftritte durchaus jünger ist.
Die Stücke sind wohlbedacht und die Choreographie macht Sinn, denn sie ist ein Zeitzeugnis, ein Kulturdokument einer vermeintlichen, jedoch herbei gesehnten „Leichtigkeit“, sie ist Charakterisierung eines gemeinsamen Geschmacks, der offensichtlich bis heute Bestand hat. Und unschlagbar ist auch der augenzwinkernde, teils sarkastische Humor der Zwanziger.

Das große Erfolgsduo in Berlin (jedoch nicht in Wien!) waren Komponist Franz Lehár und Tenor Richard Tauber. In der deutschen Hauptstadt hatten sie den großen Erfolg mit ihren Werken, die in Wien eher mit Spott von Kritikern und Kabarettisten zerpflückt wurden. Im dreisprachigen Begleitheft ist dann auch ein herrliches Spottgedicht von Friedrich Hollaender abgedruckt, das nicht Tauben, sondern Tauber vergiftet haben könnte:
„Fleck auf der Schleife?
Nimm Tauber-Seife.
Kleine Erfrischung?
Nimm Tauber-Mischung.
Tauber als Gatten,
Tauber auf Platten,
Tauber zum Nachtisch,
Tauber im Nachttisch,
des Stimme so lind strömt wie lenzliche Luft
des Name verfolgt dich bis noch in die Gruft.“

Bissig gut! Omnipräsenz eines Sängers, die verdächtig erschien. Jemand der so bei den Massen ankommt, der kann ja keine hohe, wahre, gute Kunst hervorbringen. Die Geschichte lehrt uns, dass wir mit jedem einzelnen Urteil auch daneben liegen können. Humor sei davon ausgeschlossen.
Das Begleitheft widmet sich der Dekade ausführlich und verbindet diese gut mit CD und Inhalten.

Was jeder einzelne über sein Gehör und atmosphärisch entdecken kann ist die Freude, mit der Kaufmann singt, er taucht tief in die Gefühlswelt der ewigen Liebe und des Glücks und interpretiert sie nicht wie ein Opernsänger, sondern wie ein überzeugter Unterhaltungsfütternder. Selbst bei den ausgesprochen schwierigen Stücken wie Eduard Künnekes „Das Lied vom Leben des Schrenk“ aus „Die große Sünderin“. Er macht das gut, er macht das intelligent, er macht das überzeugend. Da steht er auf dem CD-Cover und im Trailer abgelichtet vor einem historischen Mikrophon und die Frage: „wieso Operette?“ – erübrigt sich alsbald.

Wortwitz und positives Lebensgefühl sind eine unschlagbare Rezeptur. Und Achtung! Ansteckungsgefahr!


Jonas Kaufmann – Du bist die Welt für mich
Sony Classical
Bestellnummer: 88883757412
Deluxe Version mit Bonus-DVD: 88883757422

Homepage von Jonas Kaufmann mit Video zur CD
Hörproben bei Sony Classical
Video: Jonas Kaufmann: Du bist die Welt für mich Published on Mar 1, 2013
R. Tauber: Der singende Traum
Prager Philharmonie, Marco Armiliato
Waldbühne, Berlin, 16. August 2011

Konzerte mit CD-Programm:
15.4.2015 Köln, Philharmonie
17.4.2015 Dortmund, Konzerthaus
22.4.2015 Hamburg, Laeiszhalle
18.5.2015 Berlin, Philharmonie
20.5.2015 Hannover, Kuppelsaal

Abbildungsnachweis:
Header Sony Classical
CD-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar Koneczny Lucien
+2
 
 
Hallo aus Luxembourg!! Einfach Genial die LP. Frage gibt es diese wunderbare Musik auch als Notenheft zum Singen???
Wäre sehr froh wenn ihr mir weiterhelfen könntet
Mit Lieben Grüssen !!!
Lucien Koneczny
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Ope [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch
 Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch



„Manchmal fotografiert man die Welt, um sie und sich selbst besser verstehen zu können, eignet sich Dinge durch Abbilder an, um sie sich zu gegebener Zeit [ ... ]



Saisonstart mit philharmonischem Glück und symphonischem Tiefgang
 Saisonstart mit philharmonischem Glück und symphonischem Tiefgang



Die Hamburger Philharmoniker mit Kent Nagano punkten bei ihrer Saisoneröffnung mit Brahms’ Erster. Die Symphoniker Hamburg holen mit Thomas Adè [ ... ]



OKRA – Piano & Field Recordings
 OKRA – Piano & Field Recordings



Die Okra, auch Gemüse-Eibisch, ist eine Gewächsart aus der Familie der Malvengewächse. Sie ist eine aus dem Hochland Ostafrikas stammende Pflanze, [ ... ]



Jonas Burgert – Hälfte Schläfe
 Jonas Burgert – Hälfte Schläfe



Die Hamburger Produzentengalerie in der Admiralitätsstraße zeigt bis zum 30. Oktober 2016 Werke von Jonas Burgert. Seit der Ausstellung „Geschichtenerzä [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live