Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 1959 Gäste online

Neue Kommentare

Gerd Kruse zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo Frau Lampert,
ich war durch meine He...

Herby Neubacher zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Absolut richtig. Ich habe das gabnze Drama Elbphi...
Giulio zu „Die Spur”. William Blake und die Rache der Eigenbrötler : Prost Neujahr! Und danke für die vielen schönen...
Hubert Hoffmann zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Ein Prestige -Objekt für die oberen Zehntausend....
Feindt zu Hamburg: Ein Museum im Hafen: Ein schönes neues Museum und wo bleibt die Berü...

CDs KlassikKompass

El Maestro Farinelli

Drucken
(0 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 04. September 2014 um 12:04 Uhr
Heras-Casaldo

Manchmal gehen die Verheißungen eines CD-Covers und der musikalische Inhalt auf der silbernen Scheibe etwas getrennte Wege. So in diesem Fall, die als Inhalt den Meister des Kastratengesangs der Barockzeit Carol Borschi alias Farinelli benennt und sich lediglich drei von zwanzig Stücken darauf befinden, die vom Countertenor Bejun Mehta in die entsprechende Richtung überhaupt geleitet werden. Alle weiteren sind Kompositionen rein für Instrumente aus dem italienischen, spanischen und deutschen Raum der 17. und 18. Jahrhunderts.

Immerhin sind an zweiter und zwölfter Stelle wunderbare und gleichzeitig typische Kompositionen des Lehrers von Farinelli, Nicola Porporas (1686-1768) zu erleben. Wunderbar deshalb – besonders das Hohelied auf Jupiter: Alto Giove (Polifemo) –weil Porpora viele Kastraten als Gesangsschüler unterrichtete und er mit großem Feingefühl Kompositionen für sie anlegte. Überhaupt fällt dieses Stück aus der gesamten Sammlung heraus, denn es ist das, welches dem farbenfrohen Trubel der anderen Werke der CD ein wenig gegenübersteht. Es entspricht in seiner auskostenden und langen „Vokalgezogenheit“ vielmehr so ganz Farinellis schwermütigen Gönner König Philipp V von Spanien (1683-1746).

altDer beliebteste Kastrat des 18. Jahrhunderts, Carlo Broschi (1705-1782) gab sich den Bühnennamen Farinelli. Üblicherweise nahmen die Kastratensänger des 17. und 18. Jahrhunderts den Namen ihrer Gesangslehrer an, da aber andere Schüler bereits unter dem Namen Porpora auftraten, wählte Broschi wohl den Namen eines Verwandten, den des Komponisten Cristiano Farinelli. Sein Aufstieg war unvergleichlich, so wie seine Stimme gewesen sein soll. Nachdem er die großen italienischen Gesangshäuser gestürmt hatte, folgte er einer Einladung an den englischen Hof, von dort 1737 an den spanischen Hof eben zu Philipp V. Nachdem dieser starb machte ihn sein Nachfolger Ferdinand VI (1713-1759) zum Impresario des Theaters am Palacio del Buen Retio in Madrid.

Im CD-Booklet behauptet der Text, der Einfluss Farinellis sei auf Spaniens Musik immens groß gewesen, was durchaus stimmen kann, denn sie war vor Amtsantritt Farinellis durch und durch italienisch geprägt und er schließlich schaffte den Erweckungskuss aus dem Provinzschlaf. Dennoch fragt sich der Hörer, ob diese CD-Auswahl aus jener Zeit, tatsächlich dieses Betitelungselixier sein soll. Farinelli verkauft sich gut, also kommt er leider etwas indifferent auf das Cover.

Das schmälert weder die Gesangskunst von Bejun Metha, weder die Leistung des spanischen Dirigenten Pablo Heras-Casado und des exzellenten Concerto Köln, noch die Forschungsarbeit des französischen Musikwissenschaftlers Olivier Fourés, der an der CD entscheidend mitwirkte. Letztgenannter hatte die Sisyphusarbeit zu bewerkstelligen, Partituren und Originalhandschriften zu finden und zu transkribieren. Durch einen Palastbrand im 19. Jahrhundert – weiß auch das Booklet – sind viele der Originale zerstört worden, das machte die Arbeit schwierig.

Neben Porpora sind vor allem die Werke José de Nerbra gut gewählt. Nicola Conforto (1718-1793), Francesco Corradini (um 1690-1769), Niccolò Jommelli (1714-1774), Juan Marcolini (um 1730- ca. 1770) und Tommaso Traetta (1727-1779) stehen für die Barockmusik des mediterranen Raums, C.P.E. Bach (1714-1788) und Johann Adolf Hasse (1699-1783) für den preußischen respektive deutschen und dienen auch als Brücke zum großen Händel, der nicht nur am englischen Hof mehr als geschätzt wurde.

Es war die Unterhaltungsmusik an den europäischen Höfen des Generalbass-Zeitalters, für annähernd jeden Anlass etwas, meistens juchzend, mal karnevalesk, vor Freude sprühend, zum Tanz auffordernd und überhaupt leidenschaftliche Bewegtheit.
Der Verdienst dieser CD ist sicherlich die Auswahl, das Aufzeigen von gegenseitigen Einflüssen und Entwicklungen und das Eintauchen in eine sich schnell verändernde spanische Musikwelt zwischen Renaissance und Aufklärung.


El Maestro Farinelli
Pablo Heras-Casado, Concerto Köln
Label: Archiv Produktion / Deutsche Grammophon
Bestellnummer: 028947920502, LC 00113

Ein Video mit den Aufnahmen zu Pablo Heras-Casado: José de Nebra - Vendado es amor, no es ciego.
Trailer zur CD


Abbildungsnachweis:
Header: Pablo Heras-Casaldo. Foto: Harald Hoffmann, Deutsche Grammophon
CD-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > El Maestro Farinelli

Mehr auf KulturPort.De

Chris Gall Trio – Cosmic Playground
 Chris Gall Trio – Cosmic Playground



„There's something a cosmic playground and jazz have in common!"
Dieser Satz ist dynamisch-kursiv auf die Rückseite der neuen CD gedruckt und kann als Handl [ ... ]



James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone
 James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone



Speckstreifen fliegen durch das Weltall, rote Lippenstifte und Atompilze verkünden das nahende Inferno, Butterstücke zerfließen in einer Pfanne, Spaghetti mit [ ... ]



„Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache
 „Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache



Joe Wrights eleganter Politthriller „Die dunkelste Stunde” ist das Gegenstück zu Christoper Nolans überwältigendem Suspense-Epos „Dunkirk”. Zwei Filme [ ... ]



Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde
 Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde



Im Opernhaus in Hamburg schallen Kinderstimmen durch die Gänge: Es ist wieder opera piccola-Zeit!
Bevor die Kinderoper im Februar auf die Bühne geht, ist im H [ ... ]



Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami
 Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami



Ernst Wolff: „Finanz Tsunami. Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht“
Es ist wie es einmal war und heute noch ist: Ein Ausspruch von Henry Ford, des  [ ... ]



Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach
 Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach


  War es Absicht, dass rund um das Fest der Liebe die Kölner Oper ausgerechnet Giuseppe Verdis Bühnenstück „Rigoletto“ – das 1851 den Wel [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.