Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 952 Gäste online

Neue Kommentare

C.Müller zu Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle: Erhalt des Kultursommers auf der Trabrennbahn Bah...
Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...

Anzeige


Klartext

Klartext: Isabelle Hofmann

Drucken
(181 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 21. November 2012 um 11:33 Uhr
Klartext: Isabelle Hofmann 4.4 out of 5 based on 181 votes.
Klartext - Isabelle Hofmann

Zeit verschwendet, Steuergelder verschwendet, Arbeitskraft verschwendet: Die Hamburger Stiftung Historische Museen ist gescheitert.

Der Dolchstoß kam von der SPD: Sie brachte den Vorschlag ein, nicht nur das Helms Museum in Harburg wieder auszugliedern, sondern auch zwei Außenstellen, die seit Jahrzehnten zum Hamburg Museum, bzw. zum Altonaer Museum gehören: Das Museum für Bergedorf und die Vierlande, sowie das Rieck Haus in den Vierlanden. Die Sache gilt als beschlossen, obwohl es von allen Seiten Proteste und offene Briefe hagelte. Sowohl die am Montag (19. November) im Kulturausschuss angehörten Experten, wie auch die vier Oppositionsparteien halten das Petitum der SPD für eine kulturpolitische Fehlentscheidung.

Unvoreingenommen betrachtet ist die Idee einer „Bergedorfer Museumslandschaft“ gar nicht mal schlecht. Es spricht grundsätzlich nichts dagegen im entlegenen Osten Hamburgs eine werbewirksame Museums-Marke zu etablieren und ein publikumswirksames Programm zu machen. Es muss dabei nicht unbedingt eine „Eventlocation mit musealem Charakter“ herauskommen, wie empörte Direktoren bereits unken.
Allerdings spricht einiges gegen eine „Verschlankung“ der Stiftung in jetziger Form und unter den derzeitigen Umständen. Zur Erinnerung: Dieser durch Spardruck und Museumskrise entstandene Zusammenschluss aller kulturhistorischen Museen war von Anfang an ungeliebt. Keiner der Direktoren wollte sich zum Abteilungsleiter degradieren lassen, mögliche Synergien wurden nicht genutzt und das vielgerühmte gemeinsame Depot fiel sang- und klanglos Sparmaßnahmen zum Opfer. Und damit sind wir beim eigentlichen Thema – dem Geld. Es macht keinen Sinn, einen amputierten Rumpf am Leben zu erhalten, dem - aus wissenschaftlicher Sicht - wichtige museale Stränge abgeschlagen werden und der nun auch noch finanziell völlig ausblutet. Denn genau das passiert: 413.000 Euro zieht Bergedorf im kommenden Jahr aus der Stiftung raus. Kultursenatorin Barbara Kisseler hatte 257.000 Euro angeboten, konnte sich jedoch gegen die SPD (einmal wieder) nicht durchsetzen. Ihre Behörde leidet ohnehin gewaltig unter den Sparzwängen: Der Kulturhaushalt 2014 sinkt erstmals seit 2000 unter zwei Prozent vom Gesamthaushalt – dazu hat die Senatorin in den kommenden zwei Jahren noch 17 Millionen Euro versteckter Kürzungen zu verkraften. Allein die verbleibenden drei Häuser der kulturhistorischen Stiftung (Altona, Hamburg Museum und Museum der Arbeit) müssen bis Ende 2014 2,7 Millionen einsparen, (rund 10 Prozent ihres Gesamtetats!), egal wie und egal woher.

Unter diesen Voraussetzungen ist die „Verschlankung“ der Stiftung schlicht und ergreifend tödlich. Was soll man dazu sagen, wenn reiche Unternehmer wie Michael Otto in der armen Stadt da noch von privaten Kunsthallen träumen? Mit der Bereitstellung eines städtischen Grundstücks für Frank Stellas Konzept und 75 Millionen für den Bau (diese Zahl hatten wir doch schon mal?!) ist es jedenfalls nicht getan. Hand und Fuß hat der Plan nur, wenn Otto noch 40 Millionen für Betriebskosten zur Verfügung stellt – und damit den Bestand für mindestens zehn Jahre sichert. Die Stadt jedenfalls wird für den Betrieb einer neuen Kunsthalle garantiert nicht aufkommen. Die schafft es ja noch nicht einmal, ihre Traditions-Museen zu erhalten.  

Ihre Isabelle Hofmann


Isabelle Hofmann ist stellvertrende Chedredakteurin bei KulturPort.De und arbeitet als Autorin für viele Tages- und Fachzeitungen.

Hinweis: Die Inhalte von "Klartext" geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.

Fotonachweis:
Headerfoto: Claus Friede

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > Klartext > Klartext: Isabelle Hofmann

Mehr auf KulturPort.De

200 Jahre Kunstverein in Hamburg
 200 Jahre Kunstverein in Hamburg



„Just what is it that makes today’s Kunstverein so different? So appealing?” Nach Charity Auktion (14.9.) und Festakt im Rathaus (22.9.) klingen mit einer  [ ... ]



Fassadendemokratie und tiefer Staat. Das marktgetreue Grinsen
 Fassadendemokratie und tiefer Staat. Das marktgetreue Grinsen



Was denn? Das Volk sei unfähig, Politisches zu durchschauen oder gar mitzuregieren? Liest man dies im Buch „Fassadendemokratie“, dann ist man bass erstaunt, [ ... ]



„Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik
 „Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik



Er inspirierte Künstler wie Andy Warhol, Robert Mapplethorpe und die Village People, seine markanten erotischen Zeichnungen veränderten radikal das Selbstverst [ ... ]



Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem
 Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem



Gerade war sie noch beim Schleswig-Holstein-Musikfestival zu hören und debütierte – nun kommt zeitnah dazu ihr Debütalbum auf dem Markt. Gemeinsam mit Piani [ ... ]



Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel
 Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel



Es ist dunkel in der Hamburger Gralsburg, als Achim Freyer mit seiner „Parsifal“-Interpretation den Start in die neue Saison der Staatsoper zelebriert. Der 8 [ ... ]



Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage
 Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage



Wie kann ein Künstler heute ungebunden und frei arbeiten? Ungebunden ist durchaus möglich – frei arbeiten stößt aus unterschiedlichen Gründen an Grenzen.  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.